Markt-Monitor
Quartalsberichte: Schweigen verboten!

Wenn Alcoa heute als erster US-Konzern Zahlen für das zweite Quartal vorlegt, sollten Anleger nicht zu viel erwarten. Bei Konzernen könnte es hingegen besser aussehen, einige positive Überraschungen sind in der Berichtssaison drin. Phantasie werden sie aber nur entfachen, wenn sie von positiven Ausblicken begleitet werden.
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An den Börsen schwanken die Experten zurzeit zwischen der Hoffnung auf eine schnelle Erholung und der Befürchtung, dass die Krise doch so tiefgreifend ist, wie dies allgemein erwartet wurde. Nach dem desaströsen US-Arbeitsmarktbericht in der vergangenen Woche haben die Pessimisten wieder neue Nahrung bekommen. Die klaren Kursrückschläge von New York bis Tokio drücken dies klar aus.

Mitten in die Diskussion über den Zustand der Weltkonjunktur platzen diese Woche die ersten Zahlen der Berichtsaison zum zweiten Quartal. Den Auftakt macht am heutigen Mittwoch traditionell der US-Aluminiumkonzern Alcoa. Im Vorfeld der Zahlen hat die Aktie stark nachgegeben. Von gut zwölf Dollar fiel sie in den vergangenen Wochen auf nur noch gut neun Dollar zurück. Der Pessimismus der Anleger deckt sich mit den Erwartungen von Analysten. Allgemein wird erwartet, dass Alcoa zum dritten Mal in Folge einen Verlust ausweisen wird.

Fraglich ist aber, inwieweit das Unternehmen noch als Maßstab für den Zustand von Corporate America und somit der US-Konjunktur als Ganzem dient. Viele Experten sehen die große Beachtung, die Alcoa als Vorreiter in der Berichtsaison bekommt, sehr kritisch. Letztlich spiegelten die Zahlen lediglich den Zustand der Aluminiumindustrie wider. Wer einen Eindruck vom Zustand der US-Konjunktur bekommen wolle, sollte lieber auf die Zahlen von großen Logistikern wie UPS oder Fedex schauen, sagt beispielsweise Joseph Battipaglia, Marktstratege bei Stifel Nicolaus & Co.

Auf allzu viel Positives sollten Anleger aber auch bei den anderen Unternehmen in der Quartalssaison nicht hoffen. Zwar sind die Erwartungen sowohl von den Konzernen selbst als auch von den Analysten im Vorfeld extrem niedrig gehalten worden, sodass das ein oder andere Unternehmen durchaus positiv überraschen dürfte. Vielleicht zeigt sich sogar, dass der Tiefpunkt der Abwärtsbewegung erreicht wurde. Angesichts der positiven Erwartungen, die sich an der Börse seit März aufgebaut haben, sollten solide Zahlen alleine allerdings nicht ausreichen, um die Kurse stark nach oben zu treiben.

Entscheidend wird sein, was die Unternehmen über die künftige Geschäftsentwicklung sagen - oder nicht sagen. In den vergangenen Quartalen haben sich viele Konzern mit Ausblicken zurückgehalten. Nachdem die Hälfte des Jahres 2009 herum ist, wollen die Marktteilnehmer nun aber allmählich wissen, worauf sie sich für 2010 einstellen können. Schweigen sich die Firmen hierzu weiter aus oder - schlimmer noch - zeigen sie sich pessimistisch, könnte sich die Abwärtstendenz an den Aktienmärkten fortsetzen.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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