Markt reagiert positiv
Teles schließt Geschäftsbereich und verfehlt Umsatzplanung

Nach Bekanntwerden der Schließung eines verlustbringenden Geschäftsbereichs der Berliner Teles AG haben die Aktien des Unternehmens am Freitag kräftige Kursgewinne verbucht.

Reuters FRANKFURT. Die am Neuen Markt notierte Internet-Firma hatte am Morgen mitgeteilt, das Geschäft mit ISDN-Telekommunikationsanlagen und-Endgeräten im Rahmen der Neuausrichtung des Unternehmens einzustellen. Dadurch werde das Unternehmen im auslaufenden Geschäftsjahr voraussichtlich "in die roten Zahlen rutschen", sagte Vorstandschef Sigram Schindler der Nachrichtenagentur Reuters. Wegen der Schließung und der nicht realisierten Übernahme eines geeigneten Handelshauses werde im laufenden Geschäftsjahr nur ein Umsatz von über 325 Mill. DM statt der ursprünglich geplanten 500 Mill. DM erzielt. Analysten äußerten sich positiv über die Schließung. Händler sagten, die Konzentration des Unternehmens auf rentable Bereiche würden vom Markt positiv aufgenommen. Die Teles-Aktie notierte zeitweise 60 % im Plus.

Teles AG - Intraday-Chart

Wie Schindler weiter sagte, ist der Verlust bedingt durch die Einmalkosten der Schließung des verlustbringenden Geschäftsbereichs. Der noch im Oktober prognostizierte Nachsteuergewinn von mindestens fünf Mill. DM könne deshalb nicht erreicht werden. Schindler sagte, er sei aber zuversichtlich, dass das Telekommunikationsunternehmen im kommenden Jahr wieder Gewinn erwirtschafte. Frühestens am 8. Januar sei mit ersten Zahlen über das abgelaufene Geschäftsjahr zu rechnen.

Durch die Schließung des Geschäftsbereichs fielen operative Kosten an und Einzelwertberichtigungen seien zu tätigen, sagte Schindler weiter. Gespräche über einen Verkauf des verlustbringenden Geschäftsbereiches würden derzeit geführt. Er könne die Kosten mindern. Es sei aber nicht sicher, ob der Verkauf bis Ende des Jahres unter Dach und Fach sei, sagte der Vorstandschef. Die jetzt eingestellte Lieferung von Telekommunikations-Geräten an Endkunden habe einen operativen Verlust eingebracht, der nahezu im zweistelligen Millionenbereich liege. Am Geschäft mit der Lieferung von Telekommunikations-Infrastruktursystemen an Netzbetreiber werde jedoch festgehalten, weil die Gewinnmargen hier noch sehr hoch seien, sagte Schindler.

Das ursprüngliche Umsatzziel des Konzerns von 500 Mill. DM hatte nach Unternehmensangaben unter der Prämisse gestanden, dass Teles im Jahr 2000 ein geeignetes Handelshaus übernimmt. Dies habe sich jedoch nicht realisieren lassen, so dass sich der Konzernumsatz allein aus diesem Grund auf nur 365 Mill. DM belaufe. Durch die Schließung des Geschäftsbereichs ISDN-Telekommunikationsanlagen und-Endgeräte seien diese 365 Mill. DM um etwa 36 Mill. DM zu bereinigen, so dass der Konzernumsatz im laufenden Jahr bei nur 325 Mill. DM liegen werde.

"Wir sehen die Schließung des defizitären Geschäftsbereichs als kosequenten Schritt zum Konzernumbau", teilten die Analysten des Analysehauses SES Research mit. Die revidierte Umsatzprognose sei nur von geringer Relevanz, da durch den hohen Anteil von Handelsumsätzen ein objektiver Einblick in die wirtschaftliche Situation des Teles-Konzerns über den Umsatz nicht gewährleistet werde. Die Empfehlung der Teles-Aktien als "Outperformer" werde beibehalten.

Die Einstellung des unrentablen Geschäftsbereichs verbessere die Aussichten des Unternehmens, sagte ein Händlerr. Der Markt nehme die Schließung des verlustbringenden Geschäftsbereichs positiv auf, obwohl sich dadurch die Umsatzerwartungen für 2000 erheblich reduzierten. Die Aktie sei zudem derzeit relativ günstig bewertet. "Ein bunter Strauß von Investoren kauft die Aktie." Sowohl private als auch einige institutionelle Anleger stiegen in den Handel mit dem Teles-Papier ein. Auch einige kurzfristig orientierte Anleger, sogenannte "Day-Trader", seien dabei. Große Investoren würden aber in diesem Jahr nicht mehr aufspringen.

Ende Oktober hatte Vorstandschef Sigram Schindler noch den von dem Unternehmen für das Gesamtjahr prognostizierten Nachsteuergewinn von mindestens fünf Mill. DM und den Umsatz von etwa 500 Mill. DM bekräftigt. "Damit sind wir auf der sicheren Seite", sagte Schindler damals.

Die Teles-Aktie verbuchte am Freitag Kursgewinne um zwischenzeitlich fast 60 % auf bis zu 4,86 Euro. Gegen 14.20 Uhr MEZ notierte der Titel mit 3,54 Euro mehr als 16 % im Plus. Erst am Vortag hatte das Papier sein Jahrestief mit 2,63 Euro markiert. das Jahreshoch hatte der Titel Mitte Januar dieses Jahres bei 39,80 Euro erreicht.

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