"Markt will nach oben"
DG Bank räumt Fehleinschätzungen am Neuen Markt ein

Die DG Bank will künftig nur noch Unternehmen an die Börse bringen, die innerhalb von zwei bis drei Jahren in die Gewinnzone vorstoßen können.

dpa-afx FRANKFURT. Die DG Bank will potenzielle Börsenneulinge für den Neuen Markt noch kritischer unter die Lupe nehmen. Damit reagiert die Bank auch auf eigene "Fehleinschätzungen" bei der Auswahl von Kandidaten. Zwar seien alle 50 Unternehmen, die das Institut federführend betreut habe, "aus unserer Sicht börsenfähig und börsenreif" gewesen, sagte Vorstandsmitglied Uwe Flach am Montag in Frankfurt. Trotz einer strengen Auswahl hätten sich einige Firmen später aber als "problematische Fälle" erwiesen. "Hier haben wir Ursachen analysiert und Konsequenzen gezogen", versicherte Flach bei der Präsentation der jüngsten Studie über den Neuen Markt.

Die DG Bank will nach Flachs Worten künftig nur noch Unternehmen an die Börse bringen, die innerhalb von zwei bis drei Jahren in die Gewinnzone vorstoßen können. Früher seien auch Firmen auf das Börsenparkett begleitet worden, die sich dafür "drei, vier, fünf Jahre" Zeit lassen wollten. "Da lassen wir die Finger von, das ist eine Erfahrung aus dem Internetzeitalter." Außerdem sollen die Managementqualitäten der Unternehmensführung genauer auf den Prüfstand. Zudem sollen sich die Altaktionäre möglichst verpflichten, ihre Aktien 18 - statt bisher 12 - Monate zu halten. "Die Frage, ob die Manager selbst überzeugt sind", sei ein wichtiges Kriterium.

Es steuern weitere Firmen in die Pleite

"Todeslisten" über "Wackelkandidaten" sowie die beiden ersten Insolvenzen am Neuen Markt hatten in den vergangenen Monaten zur Verunsicherung der Anleger beigetragen. Auch Flach ist sich sicher, dass nach Gigabell und Teamwork mit Sicherheit weitere Firmen in dem Börsensegment in die Pleite steuern dürften. "Wo das Geschäftsmodell nicht aufgeht, werden die Lichter ausgehen."

Mit mittlerweile 50 der mehr als 300 Börsengänge sieht sich die DG Bank selbst als "Aushängeschild und Symbol" des Neuen Marktes, fühlt sich in jüngster Zeit aber eher als "Adressat von Kritik und Prügelknabe". Mittlerweile werde der DG Bank die Verantwortung für alle Emissionen angelastet, "egal ob wir sie geführt haben oder nicht", beklagte Flach. Dabei habe nur der Konsortialführer genauen Einblick in die Zahlen eines Börsenneulings. Flach räumte allerdings ein, dass die DG Bank auch als Konsortialführerin "nicht alle Steine umdrehen" konnte. Als Beispiele nannte er die Softwarefirmen Abit, Brain International und CPU.

Ende März 8 000 Nemax-Punkte

Nach Einschätzung der DG Bank-Analysten steht der Neue Markt nach den heftigen Einbrüchen der vergangenen Monate nun vor einer durchgreifenden Erholung. Das Marktbarometer Nemax All Share werde bis Ende März auf rund 8 000 Punkte klettern und damit seinem bisherigen Rekord vom März mit mehr als 8 500 Punkten wieder nahe kommen, so die Prognose. Bis zum Jahresende 2001 sieht die DG Bank sogar einen neuen Rekord von 9 000 Punkten. "Der Markt will nach oben", sagte der Chefanalyst Karl Eugen Reis.

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