Marktanteil in USA gesteigert: Daimler-Chrysler richtet bei Nutzfahrzeugen Blick auf Asien

Marktanteil in USA gesteigert
Daimler-Chrysler richtet bei Nutzfahrzeugen Blick auf Asien

Daimler-Chrysler-Nutzfahrzeugchef Eckhard Cordes ist für den tief in der Krise steckenden US-Markt für schwere Lastwagen skeptischer als noch im Herbst. Dennoch rechnet er nicht damit, dass der Konzern beim Sanierungskonzept für die angeschlage US-Tochter Freightliner nachbessern muss.

STUTTGART. Daimler-Chrysler-Vorstand Eckhard Cordes hat die Prognose für den USA-Markt für Schwerlaster nach unten korrigiert. "Ich gehe für 2002 nur noch von einem Markt von 150 000 verkauften Fahrzeugen in USA und Kanada aus", sagte der Chef der Nutzfahrzeug-Sparte im Gespräch mit dem Handelsblatt. Bei der Vorstellung des Sanierungskonzeptes für die angeschlagene US-Tochter Freightliner hatte Cordes im Oktober 2001 noch mit gut 170 000 verkauften Lkw gerechnet. Dennoch hält der Manager, der seit gut einem Jahr die Lkw-Sparte des Konzerns führt, am Sanierungskonzept fest.

Mit ihm will er Freightliner 2003 wieder in die Gewinnzone bringen. Freightliner, bei Schwerlastern Nummer eins in den USA, ist vom Kollaps des Marktes besonders betroffen. Analysten schätzen, dass die US-Tochter in 2001 rund 800 bis 900 Mill. Euro Verlust gemacht hat. Dies verdirbt Daimler-Chrysler, weltweit größter Lkw-Hersteller, das Ergebnis der gesamten Sparte. Hinzu kommen die Probleme der US-Autotochter Chrysler - weshalb der Konzern 2001 rote Zahlen ausweist.

"Die angekündigten Schritte reichen aus", sagte Cordes im Vorfeld der heute beginnenden Nutzfahrzeugmesse in Amsterdam. Es mache keinen Sinn, noch mehr Personal abzubauen. "Wenn die Nachfrage wieder anzieht, können wir sonst nicht schnell genug reagieren", gibt er zu bedenken. Notfalls schließe man für eine Woche die Fabriken.

Sanierungskonzept im Plan

Das Sanierungskonzept sieht Cordes bislang im Plan. Die hohen Neuwagenbestände seien auf ein Normalmaß zurückgefahren. Allerdings stünden noch 20 000 gebrauchte Lkw auf Lager. Freightliner hatte als Marktführer besonders viele teure Leasingverträge mit Rücknahmegarantien abgeschlossen. Trotz einer inzwischen vorsichtigeren Verkaufspolitik konnte der Konzern jedoch nach eigenen Angaben den Marktanteil um 1,9 % auf 39,4 % steigern.

Auch Analysten sind zuversichtlich, dass die Sanierung zu schaffen ist. "Freightliner sehe ich im Gegensatz zur Pkw-Sparte Chrysler mehr als konjunkturelles und weniger als strukturelles Problem", urteilt Christian Breitsprecher von der Deutschen Bank.

Für den europäischen Nutzfahrzeugmarkt hält Cordes an seiner Prognose fest. Er geht davon aus, dass der Markt auf maximal 275 000 Nutzfahrzeugen zurückgeht. Mit schätzungsweise 320 000 Einheiten sei 2001 etwas besser gelaufen als erwartet.

Wichtige Weichenstellung

Trotz der schwierigen Situation bei Freightliner will Cordes 2002 wichtige Weichen stellen. In Asien steht die Nutzfahrzeugsparte erst am Anfang. Cordes ist überzeugt, dass für die drei wichtigsten Märkte Japan, Korea und China eine jeweils eingenständige Strategie erforderlich ist. "Das werden getrennte Welten bleiben, daran ändert sich in diesem Jahrzehnt nichts Grundsätzliches", sagt Cordes.

In jedem dieser Märkte benötigt der Konzern deshalb einen heimischen Partner. In Korea muss der Vorstand bis Ende 2002 entscheiden, ob er die Option ausüben will, mit Hyundai stärker zusammenzuarbeiten. Bislang gibt es nur eine Kooperation bei Motoren.

In Japan braucht Cordes Geduld. Mit Fuso, der Nutzfahrzeugtochter von Mitsubishi Motors (MMC), gibt es zwar Gespräche über eine Kooperation. Eine Einbindung in die Nutzfahrzeugstrategie sei aber praktisch nur möglich bei einer Mehrheitsbeteiligung an MMC, erklärt Cordes. Bislang hält der Konzern rund 37 % an dem Japaner. Voraussetzung für eine Aufstockung ist jedoch die Sanierung der Pkw-Sparte von MMC.

Intensive Gespräche in China

Auch in China könnte sich in diesem Jahr eine Lösung abzeichnen. Der Konzern verhandelt über eine Partnerschaft mit dem größten dortigen Hersteller FAW. Cordes bestätigt, dass es intensive Gespräche gibt, setzt sich aber nicht unter Druck: Es sei nicht zwingend, den Topspieler als Partner zu gewinnen.

Gleichzeitig ist Cordes dabei, den Bereich Nutzfahrzeuge insgesamt stärker zu verzahnen. Bisher haben die einzelnen Nutzfahrzeugtöchter in Europa und Amerika kaum zusammengearbeitet. Künftig sollen wesentliche Komponenten wie Motoren oder Getriebe mit leichten Anpassungen bei allen Töchtern eingesetzt werden.

Doch bis die Verzahnung in der Nutzfahrzeugsparte zu günstigeren Kostenstrukturen führt, benötigt Cordes viel Zeit. "Das Jahr 2010 ist eine gute Perspektive", sagt Cordes.

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