Marktanteil sinkt um 3,4 Prozen
Zuschauer lehnen "ran" um 20.15 Uhr ab

Die SAT.1-Fußballsendung "ran" verliert weiter an Boden. Der Marktanteil der Sendung sank am Samstag um weitere 3,4 Prozent auf 8,4 Prozent, wie das Marktforschungsinstituts Media Control am Sonntag mitteilte.

dpa HANNOVER. Die Fußball-Bundesliga war auch an ihrem zweiten Spieltag im Fernsehen ein Minderheiten-Programm. Nur 2,05 Millionen Zuschauer wollten nach den Ermittlungen der Nürnberger Gesellschaft für Konsum- und Marktforschung (GfK) am Samstagabend um 20.15 Uhr die Zusammenfassung "ran" auf SAT.1 sehen. Der Minusrekord vom 1. Spieltag (2,22 Millionen) wurde nochmals unterboten. Erstmals in der zehnjährigen Geschichte sackte der Marktanteil mit 8,4 Prozent unter die Zehn-Prozent-Marke. Angesichts der katastrophalen Einschaltquote - klarer Tagessieger war die ARD-Volksmusik-Sendung mit 7,13 Millionen Zuschauern - läuten beim Kirch-Sender die Alarmglocken. Möglicherweise wird wegen der fehlenden Zuschauer-Akzeptanz der umstrittene Sendeplatz schon bald wieder geändert.

"Ich bin sprachlos und weiß echt nicht, was man noch machen kann. Wir haben an der Sendung gearbeitet, mit Uli Hoeneß und Gerald Asamoah hochkarätige Gäste im Studio gehabt und einige Schmankerl geliefert", sagte am Sonntag der frustrierte "ran"-Moderator Jörg Wontorra der dpa. Die erneute Bauchlandung seiner Sendung traf den 52-Jährigen schwer: "Ich bin enttäuscht über die Quote, weil Fußball eigentlich mehr Wert hat." Doch die Fans lehnen den von der Kirch- Gruppe gewollten und vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) als "zeitnah" eingestuften Sendetermin 20.15 Uhr ab. Das wurde am 2. Spieltag noch deutlicher als zum Auftakt.

Aladin beliebter als "ran"

Neben dem "Hochzeitsfest der Volksmusik" hatten ZDF-Kommissar Stubbe (4,05 Millionen) und der RTL-Zeichentrickfilm Aladdin (2,69) zur Primetime sehr viel bessere Quoten als "ran". Sogar das ZDF - Sportstudio, das von 22.15 Uhr an ebenfalls alle Spiele und alle Tore aus der Bundesliga zeigte, lag mit 2,34 Millionen Zuschauern (12,7 Prozent) noch vor SAT.1.

DFL-Chef Werner Hackmann bezeichnete die Quote als enttäuschend, führte die geringe Resonanz aber nicht auf die späte Sendezeit zurück. Sie sei im internationalen Vergleich immer noch sehr zeitnah. "Ich denke, das ist ein Gewöhnungsprozess, der einsetzen wird. Für diese Saison ist die Zeit 20.15 Uhr fest eingeplant", sagte Hackmann bei NDR 1 Radio Niedersachsen: "Ich sehe mit Spannung zu, wie sich die Sache weiter entwickelt."

Sponsorengelder in Gefahr

Bereits in der vergangenen Woche hatten Sponsoren über die schwachen "ran"-Quoten geklagt. Den Bundesligavereinen drohen geringere Einnahmen aus dem Sponsoring und der Bandenwerbung. "Man wird sicherlich mit den Sponsoren sprechen müssen. Aber auch sie werden sich die Entwicklung ansehen, und ich denke, nach zwei Sendungen ist es noch zu früh", meinte Hackmann.

Für eine Verlegung von "ran" - intern wird sowohl über eine Rückkehr zum alten Termin 18.30 Uhr als auch ein neuer Termin nach 22.00 Uhr diskutiert - ist die Zustimmung der Kirch-Media notwendig. Sie besitzt die Lizenz für die 20.15 Uhr-Sendung und will mit dem neuen Termin den Verkauf der d-box für ihren Pay-TV-Sender Premiere World ankurbeln. Der Bezahlsender mit rund 2,4 Millionen Abonnenten zeigt alle 306 Bundesliga-Spiele live.

Wie viele Menschen die Spiele am Samstagnachmittag von 15.30 Uhr an live im Pay-TV oder vor dem Radio verfolgen, wird von der Nürnberger GfK nicht ermittelt. Premiere World stellte zu Berichten von "über 10 Millionen Hörern" zum Bundesliga-Auftakt fest, dass der WDR in Köln "die genannte Reichweite lediglich als Durchschnittswert der von der Arbeitsgemeinschaft Medienanalyse ermittelten Reichweiten für den Samstagnachmittag bestätigen konnte, keinesfalls aber als tagesaktuellen Wert für den 1. Bundesliga-Spieltag". Nach Angaben von WDR-Hörfunk-Sportchef Dietmar Schott beruhen die zehn Millionen Hörer bei der Schlusskonferenz auf "Hochrechnungen der 13 ARD-Sender und der Deutschen Welle".

Fußballfans sehen in der Kneipe fern

Viele Fußball-Fans nehmen aus Protest gegen Rechteinhaber Leo Kirch das Premiere World-Angebot von Gastwirtschaften und Kneipen an und verfolgen die Bundesliga-Spiele gemeinsam vor Großbild- Leinwänden. Die Gastwirte müssen dafür eine Extra-Gebühr von 350 Mark plus Mehrwertsteuer an den Pay-TV-Sender zahlen und sich registrieren lassen. Diese Zuschauer können am Abend auf die Zusammenfassung bei SAT.1 verzichten.

Das gilt auch für Sportinteressierte, die sich samstags zwischen 17.30 und 20.15 Uhr in der ARD-Sportschau und in verschiedenen Nachrichtensendungen über die Bundesliga informieren können. Fast alle TV-Anbieter berichten in Bild und Ton über die Liga. Bewegte Bilder zeigte das ZDF in "heute" von den Spielen Rostock - Leverkusen und Bremen - Cottbus. Die ARD-Tagesschau um 20.00 Uhr bot kurze Ausschnitte von den Partien Bayern München - FC Schalke 04 und 1. FC Köln - 1860 München an. Ein Filmbericht vom Spiel Hertha BSC - Borussia Dortmund wurde der Tagesschau nach Angaben ihres Sprechers von der Kirch-Gruppe verwehrt. Im Streit um die Bundesliga- Kurzberichte in der Tagesschau sollen am Freitag auf Vermittlung von DFB und DFL die Gespräche zwischen ARD und Kirch fortgesetzt werden.

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