Marktanteil verloren
Pleite belastet Grundig-Kerngeschäft

Der fränkische Unterhaltungselektronikkonzern Grundig hat wegen seiner Pleite bei Kunden an Vertrauen verloren und verzeichnet deshalb massive Umsatzeinbußen im Kerngeschäft. Ein Datum für die Übernahme der verschiedenen Konzernteile durch Investoren wollte Insolvenzverwalter Siegfried Beck am Donnerstag in Berlin trotz seit Monaten andauernder Verhandlungen nicht nennen.

Reuters BERLIN. In der Sparte HomeIntermedia System (HIS) habe Grundig Umsatzverluste von bis zu 50 % hinnehmen müssen, teilte der Nürnberger Traditionskonzern in Berlin kurz vor Beginn der Internationalen Funkausstellung (IFA) mit. Vertriebschef Hubert Roth räumte ein, die Pleite habe zum Verlust von Marktanteilen geführt. "Durch die Insolvenz hat der Handel unsere Produkte nur vorsichtig disponiert." Grundig habe aber in Deutschland den vierten Rang im Bereich Unterhaltungselektronik halten können. In den Sparten Satelliten-Anlagen, Car-Audio und Bürokommunikation laufen die Geschäfte Grundig zufolge hingegen besser. Konkrete Zahlen nannte der Konzern nicht, der bislang für 2002 keinen Geschäftsbericht vorgelegt hat und seit Jahren tief rote Zahlen schreibt.

Das Amtsgericht Nürnberg hatte am 1. Juli das Insolvenzverfahren über die Grundig wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eröffnet. Die Gesellschaft hatte Mitte April nach jahrelanger ergebnisloser Suche nach einem finanzstarken Investor Insolvenzantrag gestellt. Ursprünglich sollte das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von Max Grundig gegründete Unternehmen damit von Altlasten befreit und schließlich als Ganzes verkauft werden. Anfang Juli kündigte Beck mangels Interessenten die Aufspaltung an.

Als potenzielle Käufer des TV-Geräte-Geschäfts gelten die taiwanische Sampo, die türkische Beko, D'Long aus China sowie der Elektronikgroßhändler Medion. Allerdings dürften alle Interessenten lediglich am Markennamen Grundig sowie am Vertriebsnetz interessiert sein.

"Grundig arbeitet weiter", versicherte Beck und verwies darauf, dass momentan etwa noch 500 Mitarbeiter das Kerngeschäft betreuten. Zugeleich wiederholte er, es gebe für die einzelnen Sparten Kaufinteressenten. Die Verhandlungen seien in einem "weit fortgeschrittenen Stadium". Auf einen Zeitpunkt für den Abschluss wollte sich Beck ebenso wenig festlegen lassen wie auf die Namen der Bewerber. Dem Insolvenzverwalter zufolge belasten die finanziellen Altlasten das Neugeschäft nicht mehr. Auch die millionenschweren Pensionsverpflichtungen hätten abgegeben werden können. Nun komme es darauf an, das Vertriebsnetz, die Marktpräsenz sowie den volkswirtschaftlichen Wert Grundigs zu erhalten, resümierte Beck.

Nach Angaben von Grundig wurde die Fertigung von Röhrenfernsehgeräten mittlerweile komplett in den Nahen und Fernen Osten verlagert. Lediglich LCD- und Plasma-TV-Geräte würden noch in Deutschland hergestellt.

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