Marktanteile gewonnen
SAP will auch in der Krise die Nase vorn behalten

Der Softwarekonzern SAP sieht sich trotz rückläufiger Softwareumsätze in einer besseren Position als seine Konkurrenten.

Reuters WALLDORF/ NEW YORK. "Wir haben im ersten Halbjahr 2002 Marktanteile gewonnen", sagte Co-Vorstandschef Hasso Plattner am Donnerstag in New York. "Unsere laufende Produktentwicklung und unsere Anstrengungen in Forschung und Entwicklung werden es uns ermöglichen, diesen Trend fortzusetzen." Um 19 Prozent geringere Lizenzumsätze glich SAP in den ersten sechs Monaten durch ein wachsendes Geschäft mit Beratungsleistungen aus. Für das laufende Jahr bekräftigte SAP die vor einer Woche reduzierte Umsatzprognose und hielt an seinem Ziel fest, die operative Umsatzrendite auf mindestens 21 von 20 Prozent im vergangenen Jahr zu steigern. In den ersten sechs Monaten waren es 16 Prozent nach 19 Prozent im gleichen Vorjahreszeitraum.

Die am Mittwoch spekulativ kräftig gestiegene SAP-Aktie büßte am Donnerstag drei Prozent auf 77,75 Euro ein. SAP wiederholte seine Einschätzung, wonach der Umsatz 2002 um fünf Prozent und bei einer leichten Erholung am Markt um zehn Prozent steigen werde. Bis vor einer Woche hatte der Konzern mit 15 Prozent mehr Umsatz kalkuliert. Analysten äußerten Zweifel an der Erreichbarkeit auch der neuen Ziele. "Bei zehn Prozent ist das aktuelle Kursniveau in Ordnung", sagte ein Aktienhändler. Alles darunter könne zu weiteren Kursverlusten führen.

Beratungsgeschäft gleicht Einbußen aus

Im ersten Halbjahr stieg der Konzernumsatz von SAP noch um zwei Prozent auf 3,44 Milliarden Euro. Der Lizenzumsatz ging um 19 Prozent auf 0,898 Milliarden Euro zurück, allein im zweiten Quartal verzeichnete SAP ein Minus von 23 Prozent. Das Geschäft mit Beratungsleistungen wog die Einbußen mit einem Wachstum um neun Prozent auf 1,08 Milliarden Euro auf, gilt aber wegen des hohen Personalaufwands als nicht so lukrativ.

Im zweiten Quartal brach vor allem der Umsatz mit Lizenzen für Beschaffungssoftware-Lizenzen (SCM, Supply Chain Management) um 31 Prozent auf 104 Millionen Euro ein. Der größte europäische Softwareanbieter hielt den Lizenzumsatz im Bereich CRM (Customer Relationship Management) mit 101 (2001: 104) Millionen Euro fast konstant. Die beiden größten Konkurrenten in den zwei Bereichen, in die SAP erst vor 18 Monaten eingestiegen war, i2 Technologies und Siebel, hatten zuletzt deutlich tiefere Einbrüche im Geschäft verzeichnet. Beide wollen nun jeweils über tausend Stellen streichen, bei SAP sollen bis Jahresende ohne Entlassungen bis zu 600 der 29.354 Arbeitsplätze eingespart werden.

Der operative Gewinn vor Sondereffekten fiel bei SAP in den ersten sechs Monaten 2002 um 15 Prozent auf 561 Millionen Euro. Das Ergebnis nach Steuern ging im zweiten Quartal auch ohne die Sonderabschreibungen auf Minderheitsbeteiligungen um 25 Prozent auf 175 Millionen Euro zurück. Einschließlich der drastischen Wertberichtigungen von 409 Millionen Euro verzeichnete SAP zum ersten Mal seit dem Börsengang 1988 einen Quartalsverlust von 232 (plus 116) Millionen Euro.

Risiko bei Commerce One maximal 22 Millionen Dollar

Von den 409 Millionen Euro an Sonderabschreibungen entfielen allein 315 Millionen Euro auf die 20-Prozent-Beteiligung Commerce One, die am Mittwoch ihre Quartalszahlen vorgelegt hatte. Von den künftigen Verlusten von Commerce One muss SAP damit in Zukunft höchstens noch 22 Millionen Dollar in seine Gewinn- und Verlustrechnung aufnehmen. Der US-Anbieter von Software für Internet-Marktplätze verzeichnete zwar einen Umsatzeinbruch um fast drei Viertel auf 27,8 (101,3) Millionen Dollar, reduzierte aber seinen Verlust vor Sondereffekten auf 38,4 Millionen Dollar von 96,7 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Analysten hatten den Verlust noch geringer erwartet.

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