Marktanteile von L'Oreal schwinden
Französische Kosmetik-Firmen wollen Vormarsch von Nivea bremsen

dpa-afx PARIS. In französischen Supermärkten und Einkaufszentren greifen die Kundinnen vorzugsweise zu Nivea-Kosmetika. Umfragen beweisen den Trend. 91 % der Frauen über 15 Jahre kennen die Schönheitsprodukte der Marke mit der "kleinen blauen Dose", fand das Meinungsforschungsinstitut IFOP kürzlich heraus. Nivea rangierte dabei vor Yves Rocher (88 %) und dem Weltmarktführer L'Oréal (84 %).

Vor dem unaufhaltsamen Aufstieg der Beiersdorf-Produkte startet der französische Luxus-Konzern LVMH mit Kosmetik-Produkten der Marke Evian eine Gegenoffensive. Auch L'Oréal wird nachdenklich, da die Produkte für Schönheit und Körperpflege des Hamburger Konzerns stetig an den Marktanteilen des Weltmarktführers knabbern.

Beliebt wurden die Nivea-Produkte auch deshalb, weil sie in den vergangenen sechs Jahren drei Mal den Schönheitspreis des populären Frauenmagazins "Marie Claire" erhalten haben, zuletzt 2000 mit einem Teint-Produkt.

Zwar hat l'Oréal diesen Preis bereits vier Mal bekommen, doch das war eher in der ersten Hälfte der 90-er Jahre. Nivea ist auf dem Vormarsch und wirft einen Schatten auf den Riesen L'Oréal. Eine neue Anti-Faltencreme von Nivea aus dem Jahr 1998 steht auch weltweit an der Spitze der Kosmetik-Hitliste. In Einkaufszentren und Supermärkten hat Nivea mit einem Marktanteil von fast 30 % L'Oreal bereits den Rang abgelaufen.

Marktanteile von L'Oreal schwinden

Auch der Amerikaner Johnson & Johnson hat sich mit Danone zusammengeschlossen, um mit Produkten wie Evian Affinity die jahrzehntelange Dominanz von L'Oreal aufzubrechen. Bis Ende 2001 sollen deren Produkte in etwa 100 Supermärkten angeboten werden. Der Markt für Parfüms, Kosmetika und Schönheitsprodukte in den Supermarktregalen wächst seit zehn Jahren um etwa 5 % jährlich, wobei etwa 20 Mrd. FRF (6 Mrd. DM) umgesetzt werden.

Auch luxusorientierte Französinnen zieht es immer mehr weg von exklusiven Parfümerien und Schönheitsinstituten hin zu Einkaufszentren. Diese haben sich auf die Kundinnen-Wünsche eingestellt und bieten zunehmend Qualitätsprodukte. Im vergangenen Jahr haben die Frauen in Frankreich die Hälfte ihres Schönheits- und Hygienebudgets in Einkaufszentren gelassen, während es vor zehn Jahren erst ein Drittel war.

"Luxus-Produkte prestigeträchtiger Firmen waren vor zehn Jahren ein Zeichen für Sozialstatus, um sich von anderen zu unterscheiden," sagt die Marktforscherin Claire Paternault. "Heute sucht auch die anspruchsvolle Kundin ihren persönlichen Geheimtipp: die kleine Creme gegen Falten für 8 DM im gewohnten Einkaufszentrum". Für die kleine blaue Nivea-Dose, die 1911 das Licht der Welt erblickte, lässt Beiersdorf heute noch mit romantischen Texten wie "Creme voller Liebe" in französischen Zeitschriften werben.

Für L'Oréal ist es kein Trost, in Deutschland mit der Marke "Jade" im Schmink-Bereich an vorderster Front mitzumischen. Zwar gibt sich der Konzern gelassen, doch die Marktanteile schwinden. Im Schminkbereich ging er in den vergangenen zwei Jahren von 66,4 auf 65,3 % zurück und 2000 lag das Wachstum bei 8,4 % im Vergleich zu 11,3 % im Vorjahr. Die Aktie von L'Oréal hat seit Jahresbeginn über 10 % ihres Werts verloren.

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