Marktanteilsgewinne mit innovativen Finanzierungs- und Dienstleistungskonzepten
Leasing-Branche setzt ihren Steilflug fort

Seit nunmehr vierzig Jahren verzeichnet die Leasing-Branche ein dynamisches Wachstum. Allerdings haben sich die Inhalte beim Leasing als Finanzierungsalternative geändert. Ein Schwerpunkt der Tätigkeit liegt heute im Kfz-Bereich. Einen erneuten Wandel bringen die neuen Technologien.

MÜNCHEN. Die Leasing-Konjunktur des Jahres 2001 ist für die Branche erneut zufriedenstellend verlaufen. Die Leasinggesellschaften erzielten ein Plus von 4,9 % und ein Leasing-Investitionsvolumen von 48,4 Mrd. Euro (94,6 Mrd. DM), wie das ifo Institut feststellt. Dies bedeutet zwar gegenüber dem Vorjahr (2000: +9,2%) eine signifikante Abschwächung des Wachstumstempos, ist aber angesichts der schlechten Konjunkturlage als großer Erfolg zu werten. Insbesondere hat die Entwicklung der Leasing-Investitionen die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Investitionen (ohne Wohnungsbau) deutlich übertroffen. Diese blieben mit 288,8 Mrd. Euro (564,9 Mrd. DM/-2,7 %) unter dem Vorjahresniveau.

Der Erfolg des Leasings basiert derzeit vor allem darauf, dass das Leasing die bedeutendste Alternative zum Investitionskredit der Banken darstellt und nach wie vor innovative Finanzierungs- und Dienstleistungskonzepte zur Verfügung stellen kann. Da Leasing-Kunden aus allen Bereichen der Wirtschaft kommen, ergeben sich automatisch Ausgleichsmechanismen, die Wachstumsschwankungen in einzelnen Wirtschaftssektoren dämpfen können. Leasing ist daher generell weniger konjunkturempfindlich als die meisten anderen Wirtschaftsbereiche. Dies erklärt, warum sich Leasing von der schlechten Konjunkturlage des Jahres 2001 abkoppeln konnte.

Die nun 40-jährige dynamische Entwicklung der Branche in Deutschland war nur möglich, weil immer neue Investitionsgüter die Schrittmacherfunktion übernahmen und ständig zusätzliche Kundensegmente erschlossen werden konnten. So waren in den 60-er und 70-er Jahren vor allem Büromaschinen, EDV-Anlagen und Großimmobilien, wie Bürogebäude, SB-Warenhäuser und Kraftwerke, die Wachstumsmotoren. In den 80-er Jahren begann der Siegeszug des Auto-Leasing, der bis heute anhält. In der jüngeren Vergangenheit gelang es den deutschen Gesellschaften vermehrt immaterielle Wirtschaftsgüter zu vermieten und stärker in den Markt für Big Tickets - Flugzeuge, Schiffe, Bahnen, Produktions- und Versorgungsanlagen - vorzustoßen.

Das Volumen der Mobilien- Leasinginvestitionen lag 2001 bei 39,5 Mrd. Euro (77,2 Mrd. DM) und damit kurz vor der 40-Mrd.-Euro-Marke. Der Zuwachs 2001 betrug hier 2,7 % (2000: +8,7 %). Bankennahe und mittelständische Mobilien-Leasinggesellschaften, deren Neugeschäft weniger stark von der schwachen Autokonjunktur geprägt wurde, erreichten mit 3,2 % Zuwachs ein leicht besseres Ergebnis (21,0 Mrd. Euro/41,0 Mrd. DM). Die positive Entwicklung wurde letztlich auch nicht durch fiskalische Einschränkungen beeinflusst. Zwar hatte die Regierung geplant, eine leasingfeindliche und investitionsverhindernde Gewerbesteuerhinzurechnung einzuführen, doch konnte dies im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens verhindert werden.

Das Immobilien-Leasing legte 2001 mit 8,9 Mrd. Euro (17,4 Mrd. DM) um 15,5 (2000: +11,7) % zu. Der Zuwachs wurde durch Investitionen in Geschäfts- und Bürogebäude getragen, die von der "New Economy", aber auch von traditionellen Dienstleistern verstärkt nachgefragt werden. Die bankennahen und mittelständischen Leasinggesellschaften erreichten 2001 einen Zuwachs von 6,6 (2000: +14,1) % und ein Investitionsvolumen von 29,9 Mrd. Euro (58,4 Mrd. DM). Im Bereich des Herstellerleasing wurde mit 18,5 Mrd. Euro (36,2 Mrd. DM/+2,2 %) erneut ein verhaltenes Plus erwirtschaftet (2000: +2,3 %), das durch die schwache Automobilkonjunktur begründet ist.

Der Anteil der Leasing-Investitionen an den gesamtwirtschaftlichen Investitionen ohne Wohnungsbau, die Leasing-Quote, hat sich im Verlauf der Jahre dynamisch entwickelt. 1994 betrug sie noch 10,9 %. Im Jahr 2000 erhöhte sich die Quote von 15,0 auf 15,5 %; 2001 liegt sie sogar bei 16,7 %. Das ist im internationalen Vergleich ein respektabler, wenn auch noch kein Spitzenwert. Dies sieht bereits anders aus, wenn man die Quote nur für Westdeutschland berechnet, die 2001 immerhin über der Marke von 20 % liegt. Dies deutet zugleich auf eine extrem niedrige Leasing-Quote in den neuen Bundesländern hin. Die in der Tat niedrige Quote ist jedoch nicht das Ergebnis einer erfolglosen Akquisitionsarbeit der Leasinggesellschaften, sondern das Resultat staatlicher Eingriffe in das dortige Investitionsgeschehen.

Beim Mobilien-Leasing in Deutschland steigt die Quote 2001 von 19,5 auf 20,4 %, bei den Immobilien von 7,7 auf 9,3 %. Das Mobilien-Leasing hat einen wesentlich höheren Anteil an den gesamtwirtschaftlichen Ausrüstungskäufen als das Immobilien-Leasing an den Bauinvestitionen ohne Wohnungsbau. Das liegt daran, dass es bei mobilen Investitionsgütern mit Ausnahme der Kurzfristmiete (z.B. Renting) neben dem Leasing und der Herstellervermietung keine anderen Formen der Anlagenmiete mit nennenswertem Gewicht gibt.

Im Falle der Bauinvestitionen von Unternehmen konkurrieren dagegen mit dem Immobilien-Leasing verschiedene andere Institutionen als Anlagenvermieter. Immobilienfonds, Bauträger, Versicherungen, Pensionsfonds, Developer, Besitzgesellschaften und private Vermögensverwaltungen haben zusammen einen deutlich höheren Marktanteil an der Vermietung von Gewerbebauten als die Immobilien-Leasinggesellschaften. Ebenso ist ein Trend der bisherigen Leasingnehmer erkennbar, statt langfristiger Leasingverträge kürzere Immobilienmietverträge abzuschließen.

Wirft man den Blick auf die Kunden der Branche so fällt auf, dass der Sektor Handel und Verkehr relativ an Boden verloren hat. Dies erklärt sich aus den Auswirkungen der Steuerrechtsänderungen, die sich nochmals negativ auf das Fondsgeschäft mit Flugzeugen, Schiffen und Eisenbahnen ausgewirkt haben. Der Dienstleistungssektor hat dem Trend entsprechend den Anteil am Leasingvolumen vergrößert.

Der schwierigste Kunde für die Leasinggesellschaften blieb der Staat. Es bleibt abzuwarten, ob die überaus angespannte Finanzsituation, vor allem bei den Gemeinden, zu einem stärkeren Einsatz des Leasings im öffentlichen Sektor führen wird. Für Wachstum sorgte bisher vor allem die anhaltende Privatisierung staatlicher Unternehmen, besonders bei den Kommunen. Die Erfahrung zeigt, dass privatisierte Unternehmen wesentlich stärker vom Leasing Gebrauch machen als die rein staatlichen. Der Staat im engeren Sinn (Bund, Länder, Gemeinden, Sozialversicherungsträger) verzeichnete 2001 einen Anteil von 3,5 % am Neugeschäftsvolumen. Nach Schätzung des BDL beträgt der Anteil des Staates unter Berücksichtigung kommunaler Eigenbetriebe und sonstiger Mehrheitsbeteiligungen etwa 6 %, bei weiter wachsender Nachfrage nach Systemlösungen.

Der Blick auf die Leasing-Objekte zeigt, dass das Neugeschäft im Kraftfahrzeug-Leasing nach wie vor unter dem starken Rückgang der Pkw-Neuzulassungen und der Flaute bei den Nutzfahrzeugen litt. Von Interesse ist, dass der Marktanteil des Leasings an den fabrikneu zugelassenen Fahrzeugen heute immerhin fast 29 % erreicht hat. Bei den Big-Tickets, wie Luft-, Wasser- und Schienenfahrzeugen, gab es 2001 den erwarteten Einbruch, der primär durch Steuerrechtsänderungen und die schwere Krise in der Luftfahrt ausgelöst wurde. Auch in der Schifffahrt herrscht zurzeit Flaute, es werden eher Schiffe stillgelegt als neue angeschafft. Rechnet man 2000 und 2001 die Großmobilien heraus, so stellt sich die Wachstumsrate für das Mobilien- Leasing 2001 immerhin auf rund 9 %.

Das Segment der Small Tickets, vor allem im Computer- und Kommunikationsbereich, gewinnt an Gewicht. Im Zuge dieser Entwicklung wird die Kurzfristmiete auch in Deutschland eine weitere Verbreitung finden. Dies betrifft vor allem den Pkw-Sektor, in dem das Operating-Leasing gleichfalls einen wachsenden Stellenwert einnimmt. Das setzt die Übernahme von Restwertrisiken durch Leasinggesellschaften und entsprechendes Know- how im Umgang mit offenen Restwerten voraus.

Auch der wachsenden Bedeutung des "Electronic Commerce" öffnet sich die Leasing-Branche zunehmend. Weitere Chancen eröffnen sich im Informationsbereich. Hochpreisige Endgeräte, wie Vermittlungstechnik, Funkmasten und Satelliten gehören bereits heute zu den Leasing-Objekten. Auch die Einführung des UMTS-Standards wird in den nächsten Jahren erheblich Investitionen erfordern, an denen die Leasinggesellschaften ihren Anteil generieren werden.

Vor dem Hintergrund der weltweiten Konjunkturschwäche ist eine Prognose der Konjunkturentwicklung in Deutschland äußerst schwierig. Es ist jedoch zu erwarten, dass die Ausrüstungsinvestitionen 2002 nicht über das Niveau des Jahres 2001 hinauskommen. Die Talfahrt der Bauinvestitionen wird anhalten, wenn auch der Rückgang nicht mehr in der Größenordnung des Vorjahres stattfinden wird.

Gleichwohl erwartet die Branche für das laufende Jahr, dass sich die Leasing-Konjunktur einmal mehr positiv von der gesamtwirtschaftlichen Konjunktur abheben wird und einen Zuwachs des Geschäftsvolumens wieder in der Größenordnung von 4 bis 5 % erreichen kann. Damit würde die glänzende Entwicklung der Finanzierungsalternative Leasing in Deutschland seit nun 40 Jahren unverändert fortgesetzt.

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Horst-Günther Schulz ist Präsident des Bundesverbandes Deutscher Leasing e.V., -Unternehmen Geschäftsführer der KG Allgemeine Leasing GmbH & Co., München.

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