Marktbereinigung erwartet: Baumärkte schnallen Gürtel enger

Marktbereinigung erwartet
Baumärkte schnallen Gürtel enger

Für die Baumärkte in Deutschland sind die goldenen Zeiten vorbei. Fast zehn Jahre lang erlebte die Sparte des Einzelhandels einen Aufwärtstrend.

HB/dpa DÜSSELDORF. Der deutsche Heimwerker, dem der Ruf des Weltmeisters vorauseilt, spuckte in den 90er Jahren kräftig die Hände. Vor allem in den neuen Bundesländern war der Bedarf an Werkzeug und Baumaterial groß. Seit 1999 gehen jedoch die Erlöse der Baumärkte auf gleicher Verkaufsfläche zurück. Der Branchenumsatz von zuletzt 16,8 Milliarden Euro wird nach Verbandseinschätzung in diesem Jahr flächenbereinigt erneut um 2 Prozent sinken. Damit würde sich der Abwärtstrend mittlerweile im fünften Jahr in Folge fortsetzen.

Diese Konjunktureintrübung schlägt auf die Bilanzen der großen Handelskonzerne durch. Die Edeka-Filialtochter AVA teilte in dieser Woche mit, dass der Nettogewinn 2002 von über 80 Millionen Euro auf rund 20 Millionen Euro abgestürzt sei. Schuld daran seien vor allem die Marktkauf-Baumärkte. Die AVA-Baumarktsparte solle tief greifend umgebaut werden. Nur einen Tag später erklärt der Chef des größten deutschen Handelskonzerns Metro, Hans-Joachim Körber, dass Praktiker die Gewinnvorgabe nicht erreicht habe. Der Konzern prüfe jetzt alle Optionen einschließlich eines Verkaufs. Die Neun-Monats-Zahlen lassen darauf schließen, dass Praktiker 2002 mit roten Zahlen abschließt.

Die Baumärkte geraten von zwei Seiten unter Druck: Der Bedarf der Profikunden Handwerker ist durch die Krise am Bau geringer geworden. Der Heimwerker habe durch die höheren Abgaben weniger in der Tasche und sei zudem durch die steigende Arbeitslosigkeit verunsichert, wie Baumarktbetreiber berichten. Statt zu Klotzen und das eigene Bad mit Hammer und Meißel komplett zu sanieren werde derzeit oftmals lieber zum Pinsel gegriffen und nur der Anstrich aufgefrischt. Im Vergleich zu anderen Einzelhandelsparten stehe der Baumarktbereich noch gut da, betonte der Geschäftsführer des Branchenverbandes BHB, Frank Michel. Beispielsweise steige in den Gartenmärkten die Nachfrage weiter.

Eine Marktbereinigung ist nach Meinung von Branchenbeobachtern derzeit nicht in Sicht. Branchenprimus OBI fährt nicht zuletzt wegen seiner starken Auslandsaktivitäten zur Freude der Mutter Tengelmann steigende Gewinne ein. Hinter Marktkauf und Praktiker stehen starke Mütter. Der Markt für Heimwerker ist in Deutschland so farbig wie sonst kein anderer in Europa. Wie Praktiker "Paul" in seinem Blaumann und der orange OBI-Biber buhlen hierzulande rund 30 Anbieter um die Verbrauchergunst. In Großbritannien und Frankreich sind es nur je eine Hand voll. Deshalb wird erwartet, dass das langfristig auch in Deutschland der Fall sein wird. Zumal hierzulande die Discounter durch Billigaktionen mit Werkzeug am Umsatz der Baumärkte sägen.

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