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Marktbreite Rally: Wieder dreistellige Gewinne an der Wall Street

An der Wall Street wurde zum Wochenauftakt Optimismus groß geschrieben. Einen Tag vor dem Verbrauchervertrauen und zwei Tage vor einer Rede von Notenbankchef Alan Greenspan erlebten die beiden großen US-Indizes eine marktbreite Rally, die den Dow den zweiten Tag in Folge dreistellig klettern ließ. Nach dem orientierungslosen Auf und Ab der letzten Woche keimt Hoffnung auf dem Parkett, dass der Markt eine Richtung gefunden habe.

Der Dow Jones verbesserte sich um zeitweise mehr 200 Punkte, das Standardbarometer schloss mit einem Plus von 180 Punkten oder 1,8 Prozent auf 10.148 Punkten - und damit wieder einmal über den "magischen 10.000". Die Nasdaq legte 45 Punkte oder 2,6 Prozent zu und ging bei 1769 Punkten aus dem Handel.

Gute Nachrichten von Seiten zahlreicher Unternehmen aus allen Sektoren hatten Anlegern schon am Morgen Mut gemacht. Dass wie schon in der vergangenen Woche vor allem zyklische Titel auf der Siegerstraße fuhren, lässt zudem auf eine nachhaltige Erholung der Konjunktur hoffen. Der Index der zyklischen Werte legte um 2,5 Prozent zu.

Zunächst erhoffen sich Ökonomen wie Börsianer von Alan Greenspan erlösende Worte: Greenspan soll die Rezession offiziell für beendet erklären. Ob sich der Konjunktur-Guru zu so deutlichen Worten durchringen kann, ist indes nicht sicher: Zuletzt hatte Greenspan immer wieder erklärt, dass Zeichen auf ein Ende der Rezession immer vordringlicher würden, doch erwähnte er stets, dass noch konjunkturelle Risiken lauerten, die einen raschen Aufschwung gefährden könnten.

Vor allem aus dem Automobilsektor kommen gute Nachrichten. Die Branche rechnet damit, im laufenden Jahr 1 Million Autos mehr verkaufen zu können als bisher prognostiziert. Marktführer General Motors will sich das größte Stück vom Kuchen schnappen, schraubt die Produktionszahlen für das erste Quartal um 20.000 auf 1,34 Millionen Fahrzeuge an und setzt die Gewinnerwartungen herauf. GM gewinnt 4,6 Prozent, Ford verbesserte sich um 4,8 Prozent und DaimlerChrysler führte den Sektor mit einem Plus von 5,2 Prozent an.

Weitere gute Nachrichten kamen aus dem Industriesektor. Der Baumaschinenriese Caterpillar revidierte die Prognosen für das laufende Quartal nach oben. Die Aktie war mit einem Plus von 6,5 Prozent stärkste Aktie im Dow. Ebenfalls starke Gewinne verbuchen Honeywell, General Electric und der Chipriese Intel . Der von Enronitis befallene Mischkonzern Tyco meldet, dass eine drohende Aktionärsklage vom Gericht abgeschmettert wurde. Tyco verbesserte sich um 7 Prozent.

Auch die Banken erholten sich zum Wochenanfang. In der letzten Woche standen die Finanzdienstleister unter Verkaufsdruck. JP Morgan , zuletzt Wochenverlierer mit einem Minus von 6,2 Prozent, legte 2,3 Prozent zu. Von einem Upgrade von Merrill Lynch profitierte die Citigroup . Die Aktie der größten US-Bank gewann 3 Prozent, und mit American Express schloss auch der dritte Dow-Finanzwert im Plus. 3,8 Prozent legte das Papier zu.

Ebenfalls auf der Gewinnerseite standen die zuletzt angeschlagenen Brokerhäuser. Allerdings setzen die Analysten der ABN Amro ihre Gewinnerwartungen für Goldman Sachs, Lehman Brothers, Merrill Lynch, Morgan Stanley und Charles Schwab herab. Sie halten das Umfeld im Investment Banking für anhaltend schwach und erwarten weiter Verkaufsdruck für die Papiere. Anders sieht das die Dresdner Kleinwort Bensson, bei der Morgan Stanley auf der "Kauf"-Liste steht. Die Branche schloss mit 2,3 Prozent im Plus.

Mit guten Ergebnissen warteten einige Einzelhändler auf: Lowe?s, die zweitgrößte US-Baumarktkette nach Home Depot, hat die Ertragserwartungen der Analysten übertroffen, der Haushaltswarenhändler Williams-Sonoma hat die Gewinnerwartungen für das laufende Jahr angehoben, und die gebeutelte Modekette The Gap will in dieser Woche ein Konzept vorstellen, wie den anhaltenden Umsatzeinbrüchen in 2002 ein Ende zu setzen sei. Die Aktien legen zwischen 2,6 und 4 Prozent zu.

An der Nasdaq waren alle Augen auf Qualcomm gerichtet. Die Aktie des Telekommunikationsausrüster legte fast 10 Prozent zu, nachdem das Unternehmen die Erwartungen für das laufende Quartal bestätigt hat. Die Bestellungen von Telefonchips für 2002 lägen bereits am oberen Ende der Erwartungen.

Weitere Tech-Gewinner waren der Chip-Gigant Intel und Sun Microsystems. Der Hardware-Hersteller wurde von der Bank of America auf "kaufen" aufgestuft, nachdem die Aktie in 30 Handelstagen 40 Prozent an Wert verloren hat und auf einen angemessenen Kaufkurs gefallen sei. Die Analysten erwarten, dass die Investitionen in Computer und damit die Ergebnisse für Sun Micro im zweiten Halbjahr 2002 steigen werden. Sie nennen ein Kursziel von 10 Dollar für die Aktie, die mit einem Plus von 9 Prozent bei 8,90 Dollar aus dem Handel ging.

Intel unterdessen stellte am Morgen eine neue Chip-Serie vor, mit der das Unternehmen die Trendwende hin zu Chips für Server-Systeme markieren will. Es handelt sich um ein Upgrade für die Xeon Chips, das eine höhere Taktfrequenz als bisher ermöglicht und in kleinen und mittleren Serversystemen eingesetzt werden wird. Intel legte 5 Prozent zu.

In den Keller geht unterdessen das Papier von Williams Communications. Das Unternehmen hat Gläubigerschutz nach "Chapter 11" beantragt, und versucht sich an einer Restrukturierung. Williams Communications, das im vergangenen Jahr vom Energietrader Williams Cos ausgegliedert worden war, bleibt seit einiger Zeit bei hohen Kosten auf Netzwerk-Kapazitäten sitzen und wird zunächst einige Tausend Mitarbeiter entlassen. Die Aktie verlor 60 Prozent, Williams Cos gab 9 Prozent ab.

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