Marktenge Titel haben bislang am stärksten reagiert
MSCI-Umstellung sorgt für regen Handel

Wenn einige Aktien in diesen Tagen stärker schwanken und gehandelt werden als sonst, könnte das an der Indexumstellung von Morgan Stanley Capital International (MSCI) liegen. Speziell am Freitag dürften Volumen und Volatilitäten kurzfristig deutlich ansteigen, denn nach Handelsschluss tritt die erste Phase der Indexanpassung in Kraft.

FRANKFURT/M. Die Madrider Börse beginnt deshalb am Freitag mit ihre Schlussauktion zehn Minuten früher. Die Deutsche Börse schließt normal, verlängert aber ihre Indexberechnung bis 20.45 Uhr.

MSCI bietet länderübergreifende und länderspezifische Indizes an, die Fondsmanager in ihrem Portfolio nachbilden. Weltweit sind Anlagegelder von 3,5 Bill. Dollar an die MSCI-Indexfamilie gekoppelt. Wie bereits FTSE und Stoxx berücksichtigt künftig auch MSCI bei der Berechnung seiner Marktbarometer den Streubesitz der einzelnen Aktien. Bislang bestimmt die Gesamtzahl der Aktien deren Indexgewicht. Ab Freitagabend werden die alten und neuen Mitglieder der MSCI-Indizes mit rund 50 % ihrer Streubesitz-Marktkapitalisierung gewichtet, am 31. Mai wird die Gewichtung an den gesamten Streubesitz angepasst.

Frühere Regeländerungen hatten bereits gezeigt, dass die Kapitalmärkte weniger stark reagierten als zunächst befürchtet. Zwar werden einige Fonds, die einen MSCI-Index exakt nachbilden, mit ihren Anpassungen bis zur letzten Minute warten. Insgesamt dürfte die Reform aber marktschonend vollzogen werden, glauben Fachleute. Schließlich hatte MSCI seine Pläne frühzeitig bekannt gegeben. Die Marktteilnehmer konnten sich darauf einstellen. Analyst Nizam Hamid von der Deutschen Bank schätzt, dass allein die November-Umstellung der MSCI-Indizes Kapitalströme von rund 50 Mrd. Dollar bewegt. Davon hätten 65 % bereits stattgefunden, bis Freitag dürften es 90 % sein. Der Rest erfolge im Dezember. Speziell seit Montag seien stärkere Anpassungsbewegungen zu beobachten, bestätigte auch Analyst Toby Bayliss von Schroder Salomon Smith Barney. Auf den Umstellungstermin Ende Mai hin dürften laut Analyst Hamid noch einmal 35 Mrd. Dollar bewegt werden.

Bei liquideren Werten sind die Auswirkungen begrenzt

Größere Kursausschläge gebe es bislang in einzelnen Titeln, in denen normalerweise nicht so viel gehandelt werde, so Hamid. Porsche etwa habe als neues Indexmitglied im vergangenen Monat von etwa 300 auf mehr als 400 Euro zugelegt. Bei liquideren Werten wie der Allianz oder der Telekom, deren Gewicht sich im MSCI reduziert, seien die Auswirkungen aber begrenzt. Auf Länder- oder Sektorebene spielten die Umgewichtungen eine untergeordnete Rolle. Nach Ländern gelten die USA und Großbritannien als Gewinner, weil ihre Unternehmen durchschnittlich den größten Streubesitz aufweisen. Nach Branchen werden Finanzdienstleister und Energietitel zu Lasten von Telekom - und Automobilaktien mehr Gewicht bekommen.

Durch die MSCI-Umstellung flössen in diesem Monat 7,1 Mrd. Dollar aus der Euro-Zone ab, sagte Citibank-Analyst Steve Saywell. Dadurch stehe der Euro unter Druck. Nach den Anpassungen, die laut Citibank im November zu 75 % erfolgten, werde sich der Euro aber wieder erholen. Auf Dreimonatssicht sieht Saywell ihn bei 0,93 Dollar.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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