Marktexperten warnen vor zu großer Euphorie
Heyde und Teles profitieren am Neuen Markt vom Großreinemachen

Wer Schandflecke im Depot frühzeitig entfernt, bereut dies selten. Diese Beobachtung haben die Anleger am Neuen Markt in den vergangenen Monaten immer wieder machen können. Insofern verwundert es nicht, dass sie sich besonders für die Unternehmen interessieren, die das eigene Portfolio gegebenenfalls um Verlustbringer bereinigen.

FRANKFURT/M. Ob die Bad Nauheimer Heyde AG mit dem Verkauf ihrer Beteiligungen im Softwareproduktbereich auch nur einen Bruchteil des eingesetzten Kapitals wieder hereinbekommt, fragt sich nach dem fulminanten Kurseinbruch kaum einer mehr. Die Gesellschaft, die sich künftig auf die Technologieberatung konzentrieren will, nahm zumindest 25 Mill. Euro ein und konnte somit den im Zuge der Restrukturierung angepeilten Liquiditätszufluss von 30 Mill. Euro erreichen. Das zählt am Ende des Tages offenbar, jedenfalls legte der Aktienkurs bis zum Handelsschluss mehr als 10 % auf 2,61 Euro zu.

Auch Teles profitierte im doppelten Sinne vom Hausputz: Das Unternehmen erreichte dank der Konzentration auf so genannte Internet-Mehrwertdienste im ersten Halbjahr ein ausgeglichenes Ergebnis bei einem Umsatz von rund 62 Mill. Euro. Im Vorjahr hatte das Unternehmen bei einem in etwa eben so hohen Umsatz einen Verlust von 0,9 Mill. Euro ausgewiesen. Nach der Ankündigung schwarzer Zahlen auch für das gesamte Geschäftsjahr klappt es auch mit dem Anleger wieder: Der Aktienkurs schnellte zeitweise um über 60 % in die Höhe und gingen mit einem Kursaufschlag von 45 % aus dem Handel.

Im Vergleich zu den Vortagen hielten sich die Kursgewinne am Donnerstag jedoch in Grenzen. Der Nemax legte bis Handelsschluss 3,1 % auf 1 302 Zähler zu. Der Nemax 50 kletterte um 2,8 % auf 1 268 Punkte. Marktexperten warnen davor, in der seit einigen Tagen anhaltenden Kurserholung bereits eine Trendwende zu sehen. Während die Techniker darauf hinweisen, dass dem Absturz auf neue Tiefststände bereits in den vergangenen Monaten stets ein trügerischer Aufschwung vorangegangen war, warnen die Anhänger der Fundamentaldaten vor einem schlechten dritten Quartal für die Unternehmen.

Vorsicht ließen bereits die Anleger walten, die gestern die am Vortag angehäuften Gewinne gleich wieder mitnahmen und den Kurs der GAP -Aktie wieder um fast 19 % auf 3,40 Euro drückten. Auch Cycos gaben knapp 3,4 % wieder ab und rutschten auf 3,80 Euro. Lipro brachen um 19,8 % auf 0,51 Euro ein. Am Mittwochabend hatten spekulative Käufe hier zu einem Kursplus von 80 % geführt.

Heute beschäftigten sich die Zocker dann lieber mit den Pleitekandidaten Metabox und Kabel New Media. Ob dem Hildesheimer Hersteller von Set-Top-Boxen, dem eine Kapitalerhöhung 1 Mill. Euro in die Kasse spülen soll, noch zu helfen ist, kann derzeit nicht abschließend geklärt werden. Dass geschickte Daytrader gestern mit der Metabox-Aktie mehr als 80 % Gewinn einfahren konnten, ist dagegen Fakt. Ähnliches gilt für die Papiere der zahlungsunfähigen Multimediaagentur Kabel New Media. Management Data verloren indes rund 15 %, nachdem bekannt wurde, dass der Hauptaktionär Holger Antz alle seine Anteile an die von ihm vollständig gehaltene Holger Antz Beteiligungs- und Vermögensverwaltung GmbH übertragen hat.

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