Marktfähigkeit mobiler Dienste muss sich noch zeigen
Forschungsgelder fördern Vertrauen in mobile Dienste

Ortsabhängige Dienste, sogenannte Location Based Services (LBS), sollen dem mobilen Internet zum Durchbruch verhelfen. Auch auf der Internet World verwiesen Mobilfunkbetreiber wieder auf das Interesse ihrer Kundschaft an Informationen, die auf den Standort des Nutzers abgestimmt sind. Die Weiterentwicklung der Technik werde energisch voran getrieben, hieß es.

DÜSSELDORF. Das bislang ambitionierteste Forschungsprojekt ist jedoch nur mit staatlicher Hilfe möglich geworden. Die ersten Ergebnisse sind: Bis zur Marktfähigkeit komplexer Dienste werden noch Monate vergehen, und ob sich die Angebote rechnen, ist nach wie vor ungewiss.

Verschiedene Unternehmen haben sich bei dem Forschungsprojekt Der Orientierte Mensch (DOM) zusammen geschlossen. Gemeinsam wollen sie Dienste entwickeln, mit denen sich Reisen besser organisieren lasssen. Gefördert wird DOM vom Bundesministerium für Bildung und Forschung; die Koordination liegt bei der PTV Planung Transport und Verkehr AG, einem Verkehrstechnologieanbieter.

"Vieles, was wir zur Umsetzung unserer Ziele brauchen, bringen die Partnerunternehmen bereits mit," sagt Ulrich Mehlhaus, Projektkoordinator der PTV AG. So stellt zum Beispiel die Deutsche Bahn ihre Internet-Fahrpläne zur Verfügung, und Map & Guide bringt seine Erfahrungen mit Routenplanung ein. Viag Interkom bietet die notwendige Infrastruktur und PTV stellt unter anderem Verkehrsdaten bereit.

Projekt verknüpft mobile Dienste

Noch stehen die Angebote isoliert da. Die Herausforderung liegt darin, eine Vielzahl von Informationen und Diensten sinnvoll miteinander zu verknüpfen und auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden anzupassen. "Bei unseren Entwicklungen müssen viele Dienste, vom Terminplaner über Verkehrsinformationen bis hin zum Ortungssystem ineinander greifen", erklärt der Projektkoordinator. Es dauerte Monate, ehe sich die Unternehmen allein darüber verständigt hatten, welche Dienste überhaupt sinnvoll sein könnten.

Ein Resultat der Überlegungen ist der so genannte Delay-Manager. "Dieses System soll den Reisenden im Fall von Verzögerungen an Ort und Stelle unterstützen", sagt Mehlhaus. Das beginne schon vor Antritt der Fahrt. Muss der Nutzer auf dem Weg zu seinem Termin mit einem Stau rechnen, rät ihm der Delay Manager, früher loszufahren. Steckt der Fahrer fest, zeigt das System dem Reisenden auf dem Display seines Mobiltelefons, wie er von seiner derzeitigen Position aus am schnellsten den Zielort errreichen kann. Hat er vorher entsprechende Informationen angegeben, werden zudem Terminpartner automatisch per SMS benachrichtigt, um wie lange sich die Ankunft noch verzögert.

Erste Ergebnisse des DOM-Projekts, darunter der Delay-Manager, wollen die Unternehmen Mitte November der Öffentlichkeit vorstellen. Mehlhaus denkt daran, das Projekt über die Homepage der Deutschen Bahn oder im Angebot von PTV zu präsentieren. "Für eine große Werbekampagne reicht das Budget nicht aus", sagt der Projektkoordinator. Bis zu dem Termin soll auch ein endgültiger Name gefunden werden.

Zweifel an der Marktfähigkeit

Zur Frage, ob die geplanten Angebote tatsächlich auf genügend Nachfrage stoßen werden, äußert sich Mehlhaus vorsichtig: Befragte Personen hätten großes Interesse an mobilen Diensten gezeigt. Routenplanung oder Angebote zur Organisation von Mitfahrgelegenheiten seien besonders gefragt, sagt er. Ob Kunden aber bereit sind, Nutzungsgebühren zu zahlen, ist für Mehlhaus eine ganz andere Frage. "Wir würden uns nicht fördern lassen, wenn wir sicher wären, welche Dienste wirklich marktfähig sind",sagt er. Manche Angebote werden seiner Erwartung nach auf der Strecke bleiben. Im Moment gehe es vor allem darum, die Möglichkeiten des mobilen Internets auszulooten.

Mobilfunkanbieter sind optimistischer

Optimistischer über die Verdienstmöglichkeiten bei ortsbezogenen Diensten äußert sich Philipp Schindera, Pressesprecher bei T-Mobil. "Wenn die Inhalte stimmen, dann ist der Kunde auch bereit dafür zu zahlen", sagt er. Groß ist die Auswahl bei D1 selbst aber noch nicht: Mit dem mobilen Internet-Zugang via WAP können Informationen über Wetter, Hotels, günstige Tankstellen und Taxizentralen zum Aufenthaltsort abgefragt werden. "Der Service wird von unseren Kunden sehr gut genutzt", sagt Schindera. Nähere Angaben sind ihm nicht zu entlocken.

Auch Christiane Kohlmann, Pressesprecherin von E-Plus, ist zuversichtlich, dass ortsabhängige Dienste das mobile Internet in Schwung bringen. "Unsere Kunden sind besonders an Informationsangeboten, die an das Nutzerprofil angepasst sind, sehr interessiert", sagt Kohlmann. Solche Angebote sind aber bei E-Plus noch nicht zu finden. Bislang gehören nur anonymisierte Dienste wie z.B. Routenplaner, Hotelsuche und Branchenverzeichnis zum Angebotsspektrum. Mit personalisierten Diensten will der Mobilfunkanbieter den Wünschen seiner Kunden künftig besser entgegen kommen. "Isst der Kunde am liebsten Sushi, zeigt ihm der Informationsdienst dann nur noch entsprechende Restaurants in seiner Umgebung an", erläutert Kohlmann. Wann E-Plus diese Technik auf den Markt bringen wird, will die Pressesprecherin aber noch nicht sagen.

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