Marktforscher führten 30 000 Interviews
Erstmals mehr als Hälfte der Deutschen „online"

Der Anteil der Internetnutzer in der deutschen Bevölkerung hat in diesem Jahr einer Studie zufolge erstmals die 50-Prozent-Marke überschritten. Der in den Vorjahren geringer gewordene Abstand zwischen Männer und Frauen unter den "Onlinern" hat sich unterdessen wieder vergrößert.

Reuters BERLIN. Insgesamt sei die Zahl der Internetnutzer gegenüber 2002 um 5,4 Millionen auf 32,1 Millionen Bundesbürger über 14 Jahren gestiegen, sagte Frank Wagner von TNS Emnid bei der Vorstellung der Untersuchung am Montag in Berlin. Die Marktforscher erstellten die auf 30 000 Interviews basierende Studie zusammen mit der von rund 300 Firmen getragenen "Initiative D21". Der Anteil der Onliner liege jetzt bei 50,1, der der Offliner bei 42,7 Prozent. Damit habe sich dieses Verhältnis im Vergleich zum Vorjahr nahezu umgekehrt, sagte Wagner.

Besonders starke Zuwächse stellte TNS Emnid in den neuen Bundesländern fest, wo sich der Anteil der Internet-Nutzer von 37 auf 47 Prozent erhöhte. Damit habe sich der "digitale Graben" zwischen West- und Ostdeutschland deutlich verkleinert. Zudem sei auffällig, dass bundesweit allein in der Altersgruppe der 50- bis 69-Jährigen rund 1,8 Millionen neue Web-Nutzer dazugekommen seien. Kaum Bewegung gebe es dagegen bei noch älteren Menschen: "Wer über 70 und bisher nicht im Netz ist, wird das auch in Zukunft nicht mehr tun."

Online-Werbung spricht vor allem Männer an

Darüber hinaus ergab die Studie, dass die meisten Offliner weiblich sind. So nutzten rund 80 Prozent aller Männer im Alter von 14 bis 40 Jahren mehr oder weniger regelmäßig das Internet, bei den Frauen aber nur 68 Prozent. In höheren Altersgruppen gehe diese Schere noch weiter auseinander. Die Autoren der Studie führen dies unter anderem auf die Werbung für Online- Dienste und Computer zurück. Diese stelle Geschwindigkeit und technische Vorzüge heraus und spreche damit vor allem Männer an.

Als größte Überraschung der Studie bezeichnete Wagner die Erkenntnis, dass mittlerweile jeder zweite Arbeitslose zu den Internet-Nutzern zähle. Gegenüber 2002 entspreche dies einer Steigerung um 17 Prozentpunkte. Die Bundesanstalt für Arbeit (BA) will das Netz in Zukunft wesentlich stärker als bisher zur Information über Beschäftigungs- und Berufsbildungsmöglichkeiten nutzen. "Wir brauchen mehr Transparenz und mehr Geschwindigkeit, damit die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit verkürzt wird", sagte BA-Chef Florian Gerster Ziel sei, diesen Zeitraum im laufenden Jahr von 33 auf 32 Wochen zu verringern.

Mit einer Neugestaltung ihres Internetangebotes wolle die BA wie geplant zum 1. Dezember einen "virtuellen Arbeitsmarkt" eröffnen, auf dem möglichste sämtliche für Arbeitssuchende und Stellenanbieter interessanten Informationen online abrufbar gemacht werden sollen, hieß es. Außerdem solle Zahl der in den Arbeitsämtern bereitgestellten Internet-Terminals bis Ende 2004 von derzeit 7 000 auf 13 000 erhöht werden.

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