Marktforschung
Konsumforscher GfK auf dem Einkaufstrip

Hauptversammlung soll zusätzliches Kapital genehmigen. Mit gewagter Geschwindigkeit hat sich die GfK auf den sechsten Platz unter den größten Marktforschungsunternehmen hochgearbeitet. Das Geld aus dem Börsengang ist jetzt nahezu verbraucht. Auf der Hauptversammlung am Donnerstag will sich das Unternehmen daher weiteres Kapital genehmigen lassen.

MÜNCHEN. Klaus Wübbenhorst macht Dampf. Der Vorstandschef der Konsumforschungsgesellschaft GfK glaubt fest an die weltweit wachsende Bedeutung der Marktforschung. "Die Branche wächst jährlich um 5Prozent, wir wollen darüber liegen", sagt Wübbenhorst. Die Kunden verlangten verlässliche Information für alle Kernmärkte, vor allem in Amerika, Europa und Asien. Deshalb sei das Unternehmen auf Expansionskurs.

Der Börsengang vor drei Jahren brachte 100 Millionen Euro frisches Geld in die Kasse. Drei Viertel davon hat GfK bereits für Übernahmen oder Beteiligungen ausgegeben. Im vergangenen Jahr übernahm Wübbenhorst zwölf Firmen. Im ersten Halbjahr 2002 waren es bereits acht.

Wübbenhorst sieht die Kräfte der GfK noch lange nicht erschöpft. Man habe ausreichende Finanzkraft mit positivem Cash-flow und Kreditlinien in dreistelliger Millionenhöhe. Zudem habe GfK noch ein genehmigtes Kapital von 2,8 Millionen Aktien. Dennoch scheint dies alles nicht zu reichen. Die Hauptversammlung am Donnerstag soll den Spielraum für den Verkauf neuer Aktien erheblich ausweiten, das genehmigte Kapital soll auf 8,2 Millionen Aktien verdreifacht werden.

Wübbenhorst verteidigte im Gespräch mit dem Handelsblatt den Expansionskurs: "Wir kaufen Köpfe und Kunden, keine Sachanlagen", sagt der GfK-Chef. Dabei sei das Risiko gering. Meist kauft GfK eine Minderheitsbeteiligung, die Firmen werden von ihren Gründern weitergeführt. Bei erfolgreicher Arbeit stocken die Nürnberger dann die Beteiligung auf. In der Regel handelt es sich um kleinere Institute. Mit über 110 Tochtergesellschaften weltweit hat sich GfK inzwischen auf den sechsten Platz unter den weltgrößten Marktforschungsunternehmen hochgearbeitet.

Angst, den Überblick zu verlieren, hat Wübbenhorst jedenfalls nicht. "Ich kann noch gut schlafen." Alle neuen Firmen müssten das GfK-Rechnungswesen übernehmen. Zudem würden Methoden angeglichen und der Name GfK komme in den Firmennamen. Die Fäden laufen beim neuen Finanzchef Franz Merl zusammen, einem ehemaligen Wirtschaftsprüfer und Partner der KPMG. Vier Vorstände sind jeweils für einen der vier Geschäftsbereiche zuständig. Der Konzentrationsprozess wird nach Wübbenhorsts Einschätzung weitergehen.

Fünf der Top Ten hängen an Medienkonzernen, die andere Hälfte ist wie GfK konzernunabhängig. Die Übernahme eines der unabhängigen Konkurrenten hält Wübbenhorst nicht für wahrscheinlich. Dennoch seien Kooperationen in Teilbereichen "immer möglich".

Wichtigstes und stabilstes Geschäftsfeld sind kurzfristige Umfragen mit einem Anteil von 40% am Gesamtumsatz von 536 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Für das Jahr 2002 erwartet die GfK eine Zunahme des Umsatzes um 6,6% auf 560 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) soll eine Marge von rund neun Prozent erreichen.

Im ersten Quartal hat die GfK trotz der Werbeflaute vor allem auf Grund der Zukäufe mehr umgesetzt und verdient. In den ersten drei Monaten wurde bei Umsätzen von 129 (108) Millionen Euro ein Konzernergebnis vor Fremdanteilen von 1,9 (0,95) Millionen Euro erwirtschaftet. Den Konjunktureinbruch habe GfK "relativ gut verkraftet", weil rund 60% der Informationen für die Kunden unverzichtbar seien. Bei der Fernsehforschung gebe es zudem meist Jahresverträge mit der Arbeitsgemeinschaft der Fernsehanstalten (AGF).

Deshalb habe auch die Kirch-Krise keinen direkten Einfluss gehabt. Kürzlich erhielt die GfK zudem den Auftrag von der AGF, auch die Einschaltquoten von digitalen Fernsehprogrammen zu messen. Wachstumspotenzial sieht Wübbenhorst vor allem im Pharmabereich, wo GfK den Umsatz von 30 Millionen Euro verdoppeln will. Der Kurs der GfK-Aktie steht mit 22 Euro nur knapp über dem Emissionskurs von 18,50 Euro. Der Höchststand lag vor zwei Jahren bei 75 Euro. Mehrere Analysten sehen die Marktforscher-Aktie derzeit als unterbewertet an. "Im Vergleich zu den Konkurrenten Ipsos und TNS gibt es noch Potenzial nach oben", sagt Peter Hasler von der Hypo-Vereinsbank.

Quelle: Handelsblatt

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