Marktführer meldet Umsatzrückgang von drei Prozent – TV-Shopping-Kanäle und Schmuckdiscounter profitieren
Gold und Silber verkaufen sich schlecht

Die Deutschen verschenken weniger Schmuck. Im vergangenen Jahr sank der Umsatz der Schmuck- und Uhrenbranche um drei Prozent. Traditionelle Fachhändler leiden besonders unter der Kaufzurückhaltung. Nur hochwertige Markenuhren sind nach wie vor sehr gefragt.

DÜSSELDORF. Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Und es ist nicht alles echt, was Juweliere ihren Kunden verkaufen. Die Branche der Juweliere, Schmuck- und Uhrengeschäfte leidet unter dem Trend zum preisgünstigen Modeschmuck. Im vergangenen Jahr hat sie mit 3,6 Mrd. Euro 3 % weniger umgesetzt, heißt es beim Branchenverband. "Wenn die Konjunktur lahmt, gibt es auch keine Einkaufslust mehr. Vielen Leuten macht das Schenken kein Spaß mehr", sagt Hans Luithle, Vorsitzender des Bundesverbands der Juweliere, Schmuck- und Uhrengeschäfte. Der Umsatz sei auch im ersten Quartal 2002 weiter gesunken - Zahlen konnte der Verband nicht nennen.

Noch macht das Geschäft mit den margenträchtigen Waren den größten Anteil bei den Juwelieren aus: Gut die Hälfte wird mit Edelmetall-Schmuck, rund ein Viertel mit Armbanduhren und 10 % mit Serviceleistungen umgesetzt. Bislang entfallen rund 10 % auf unechten Schmuck, Tendenz steigend.

Die trübe Stimmung in der Branchen haben auch die Großen zu spüren bekommen. Der Marktführer Juwelier Christ hat im vergangenen Jahr mit 431 Mill. Euro knapp 3 % weniger Umsatz gemacht. Die Schmucktochter der Douglas-Gruppe ist mit 200 Filialen in Deutschland vertreten. Trotz "bestem Service und aktueller Sortimente" konnte man sich der Kaufzurückhaltung nicht entziehen, heißt es bei Douglas.

Juwelier Wempe musste 2001 ebenfalls leichte Einbußen hinnehmen. Nach einem Wachstum von fast 22 % im Vorjahr sank der Umsatz der 25 Filialen 2001 um 1,5 % auf 186,4 Mill. Euro. "Verglichen mit der Branche haben wir gut abgeschnitten", sagt Kim-Eva Wempe, Geschäftsführerin des Hamburger Unternehmens. Wempe bietet hochpreisige Produkte an: Der Durchschnittspreis für Schmuck liegt bei 1390 Euro, für Uhren bei 4245 Euro. "Die Uhren haben noch verhältnismäßig gut abgeschnitten", sagt Wempe.

Hochwertige Markenuhren seien derzeit die einzige Warengruppe, die noch wachse, heißt es auch beim Branchenverband. "Drei Preisklassen verkaufen sich bei den Facheinzelhändlern gut", erklärt Bodo Jonda, Geschäftsführer des Verbandes. "Armbanduhren zwischen 300 und 900 Euro, um 1800 Euro und ab 5000 Euro." Das Geschäft mit Gold, Silber und Chronometern befindet sich im Wandel: Die 11 000 mittelständischen Juweliere, Uhrmacher- und Schmuckgeschäfte machen das Geschäft schon längst nicht mehr unter sich aus. Der Gesamtumsatz liegt bei 6,2 Mrd. Euro - 40 bis 45 % davon setzen Filialisten, Warenhäuser, SB-Märkte, Kaffeeröster und Versandhändler um, Tendenz steigend. Der Tchibo-Konzern, der nur knapp die Hälfte seines Umsatzes mit Kaffee macht, gehöre zur Weihnachtszeit zu den größten Schmuckhändlern in Deutschland, sagt eine Sprecherin des Unternehmens. Auch zu Ostern und anderen Gelegenheiten werden in 850 Filialen Schmuck und Uhren verkauft. Die Produkte sind überwiegend im niedrigen Preissegment angesiedelt.

Vom Versandhandel ist ebenfalls neue Konkurrenz auf den Markt gekommen: Die drei TV-Einkaufssender QVC, Home Shopping Europe und RTL Shop in Deutschland beteiligen sich kräftig an dem Geschäft. Bei dem Düsseldorfer Marktführer QVC gehören Schmuck und Uhren zu den wichtigsten Warengruppen: 37 % des Umsatzes (220 Mill. Euro) entfielen 2001 auf das Segment. Verbandsvorsitzender Luithle übt sich dennoch in Optimismus: "Wir leben im gesunden Wettbewerb nebeneinander her. In der Beratung sind die Facheinzelhändler nicht zu schlagen." Insbesondere Meisterbetrieben ginge es noch gut. Sie bieten neben Unikate an, die beim Filialisten nicht zu kaufen seien.

Der jüngeren Klientel geht es viel eher um den Preis als um die Einzigartigkeit. Sie kauft ihren Schmuck immer häufiger bei Modehäusern wie Esprit oder Mexx, die zwischen Hosen und Pullovern eigene - preisgünstige - Schmuck-Kollektionen anbieten. Noch aggressiver geht der Bijou Brigitte-Konzern vor: Mit Niedrigpreisen hat der Modeschmuck-Filialist im vergangenen Jahr einen Umsatz von 95,3 Mill. Euro gemacht, 7,5 % mehr als im Vorjahr. Ein höchst profitables Geschäft: Der Jahresüberschuss stieg um 10 % auf 11,8 Mill. Euro.

Quelle: Handelsblatt

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