Marktführer MTS will Betreiber anderer Handelsplattformen übernehmen: Anleihehandel steht vor Konsolidierung

Marktführer MTS will Betreiber anderer Handelsplattformen übernehmen
Anleihehandel steht vor Konsolidierung

Unter den Handelsplattformen für Bonds tobt ein Überlebenskampf. Aufgrund ihrer Probleme können sich die Banken den Betrieb einer Vielzahl von Systemen nicht leisten, sagen Experten. Die MTS-Gruppe dürfte als Sieger aus der Konsolidierung hervor gehen. Das Management soll bereits ein Auge auf Eurex-Bonds geworfen haben.

FRANKFURT/M. Die Konsolidierung im Markt der elektronischen Bond-Handelsplattformen gewinnt an Fahrt, ist aber längst nicht zu Ende. Im Internet-Boom habe es zu viele Gründungen gegeben, sagen Experten. Für eine Vielzahl von Anbietern sei das Handelsvolumen auf ihrer Plattform nicht hoch genug, um angesichts der Betriebskosten rentabel zu arbeiten.

"Die Jahre 1999 und 2000 waren Jahre ungezügelten Wachstums, 2001 eines der Konsolidierung und seit vergangenem Jahr geht es ums Überleben", sagt Michael Decker, Senior Vice President des Anleihenhändler Bond Market Association. -Verbands Ende 2002 habe es in den USA und Europa 81 Plattformen gegeben, auf denen sowohl professionelle Händler als auch private Anleger gehandelt hätten. 1997 seien es lediglich elf gewesen.

Die größten Plattformen im Markt sind B2B-Plattformen - das sind Profi-Systeme für den Bondhandel von Investmentbanken untereinander. Hier ist die Konsolidierung überfällig. "Eigentlich wäre für den Profi-Handel sogar ein System ausreichend", sagt ein Experte. Er spricht von "unnötigem Wettbewerb" und "Überlappungen". Karsten Sommer vom in Deutschland führenden Anbieter MTS sieht dies ähnlich: "Gerade die Banken mit ihren Kostenproblemen können sich das Betreiben von verschiedenen Systemen nicht leisten. Auch für die Liquidität des Handels ist die Konsolidierung das beste", sagt er. Laut Experten haben die zur MTS-Gruppe gehörende EuroMTS, sowie Eurex-Bonds und Brokertec die besten Überlebenschancen.

Marktführer MTS treibt die Konsolidierung dabei aktiv voran. Im Oktober 2001 stieg die Gruppe bei der Plattform Coredeal ein und übernahm sie schließlich. Auch mit Eurex-Bonds, die der Terminbörse Eurex sowie einer Reihe von Banken gehört, gebe es hin und wieder Gespräche, sagt Sommer. MTS habe schon konkrete Angebote vorgelegt und sei nach wie vor interessiert, sagt ein Marktbeobachter.

Bei den B2B-Plattformen liegt die 1999 mit der Einführung des Euro gegründete Plattform EuroMTS, die dem Marktführer MTS sowie einer Reihe von Investmentbanken gehört, vorn. "EuroMTS wird bei der Konsolidierung das Rennen machen", prognostiziert ein Experte. Die bei ihr gelisteten Bonds brauchen aus Liquiditätsgründen mindestens ein Emissionsvolumen von 5 Mrd. . Dies macht die dort gehandelten Bonds im Gegenzug bei Emittenten und Investoren attraktiv. Bisher werden auf EuroMTS 180 Renten gehandelt - Staatsanleihen, Pfandbriefe, Bonds von "Agencies" wie staatlichen Förderbanken sowie einige Unternehmensanleihen. Außerdem gibt es für Anleihen mit kleinerem Volumen MTS-Plattformen in den jeweiligen Ländern der Euro-Zone - wie z.B. MTS Germany. Laut Sommer kam EuroMTS im Januar im Kassahandel auf ein tägliches Volumen von 5,1 Mrd. , die MTS-Gruppe auf 18,3 Mrd.

Im deutschen Markt für Staatsanleihen hat Eurex-Bonds große Marktanteile. Allerdings hat sich die 2000 gegründete Plattform nach Angaben von Marktteilnehmern in anderen Bereichen bisher nicht durchgesetzt. Durchschnittlich kommt sie auf ein tägliches Handelsvolumen von 800 Mill. - über drei Viertel davon in Bundesanleihen. "Wir prüfen neben anderen interessanten Produkten auch ausländische Staatsanleihen und Unternehmensbonds auf ihr Geschäftspotenzial", sagt Uwe Velten, Sprecher der Terminbörse Eurex.

Eine weitere bedeutende Plattform ist Brokertec Europe. Ihre Mutter Brokertec wartet momentan auf die Genehmigung ihrer Übernahme durch den britischen Händler Icap. "Wir hoffen, dass wir die Zustimmung der US-Wettbewerbsbehörden noch im März bekommen", sagt Garry Jones, CEO und President von Brokertec Europe.

Im vergangenen Sommer galt die Übernahme als ausgemachte Sache. Doch angesichts mehrmaliger Verschiebungen zweifeln Marktbeobachter mittlerweile daran, dass der Deal wie geplant über die Bühne geht. Der Preis für Brokertec soll bei 181 Mill. Pfund liegen.

Egal, welche der Plattformen sich am Markt behaupten werden - der elektronische Handel setzt sich an den Bondmärkten immer stärker durch. Experten gehen davon aus, dass in der Euro-Zone bereits rund 60 % des Handels elektronisch abläuft. Vor fünf Jahren wurden die meisten Deals noch über das Telefon abgewickelt. Laut Marktteilnehmern haben kleinere Länder in der Eurozone wie Portugal und Österreich sogar ihre Emissionsstrategie geändert, um das vorgeschriebene Volumen für Plattformen wie EuroMTS aufzubringen - und emittieren nun weniger, aber vom Volumen her größere Bonds.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%