Marktführer zieht Konsequenz aus anhaltender Insolvenzwelle
Hermes: Kreditversicherung wird nächstes Jahr teurer

Für Lieferanten wird es im nächsten Jahr schwerer und teurer eine Deckung für eine Warenkreditversicherung zu erhalten. Auch können sich einzelne Konditionen abrupt ändern, wenn die Bonität eines Unternehmens plötzlich sinkt. Der marktführende Kreditversicherer Hermes zieht die Zügel an.

HAMBURG. Die seit zwei Jahren anhaltende Konjunkturschwäche und die eigene Prognose von 44 000 Insolvenzen im kommenden Jahr haben beim marktführenden deutschen Kreditversicherer, der Hermes Kreditversicherungs-AG in Hamburg, die Alarmsirenen schrillen lassen.

Im kommenden Jahr wird bei Hermes die zeitnahe Einschätzung der Kreditversicherungsrisiken "eine enorme Rolle" spielen, kündigte der Vorstandsvorsitzende, Clemens von Weichs, gegenüber dem Handelsblatt an. Wenn Hermes zu einer kritischeren Einschätzung des Kunden eines Versicherungsnehmers komme, könne dies künftig zu höheren Eigenbehalten bis hin zur Ablehnung des Risikos führen. Statt wie bisher 75 bis 80 % des Kreditrisikos gewähre Hermes, sofern das Risiko akzeptiert werde, dann nur noch eine Deckung von 60 bis 70 %. Weichs: "Dies hat unmittelbare Auswirkung auf die Schadenquote."

Besonderes Gewicht legt der Kreditversicherer auf die Früherkennung von Risikoveränderungen. "Angesichts der Insolvenzwelle beurteilen wir viele Unternehmen heute kritischer als noch vor gut einem Jahr," betonte von Weichs.

"Wenn sich unsere Einschätzung verschlechtert, dann sind auch in laufenden Verträgen für einzelne Limite höhere Eigenbehalte ad hoc möglich", sagte Hermes-Vorstandsmitglied Jochen Dümler. Die Einschränkungen gälten jedoch nur für künftige Lieferungen eines Kunden in der Warenkreditversicherung.

Bereits seit Ende 2001 analysiert Hermes die Verträge in der Warenkredit- und der Kautionsversicherung aufgrund der Konjunkturentwicklung besonders genau nach ihrem Schadenverlauf. Ziel sei, für Hermes zu einer "auskömmlichen Struktur" zu kommen. "Wenn Hermes das , was er in den letzten Jahren verloren hat, zurückverdienen wollte, wären die Prämienerhöhungen für die Kunden nicht tragbar", meinte Dümler.

Verhandelt wird seither über Prämienerhöhungen, verbunden mit höheren Schadenselbstbeteiligungen sowie dem Ausschluss geringfügiger Schäden durch Franchisen. Als letzte Möglichkeit sieht Dümler auch die Trennung von einzelnen Verträgen. Dabei wird Hermes bei den Unternehmen von Krisenbranchen, etwa dem Bausektor, noch stärker auf die Qualität des einzelnen Unternehmens und sein Forderungsmanagement achten und schärfer auswählen.

Allerdings: "Wenn wir im Juni 2001 gewusst hätten, dass es zu 39 000 Insolvenzen kommen würde und in diesem Jahr sogar 44 000 Insolvenzen zu befürchten sind, hätten wir dieses Risiko in einigen Verträgen höher eingepreist," sagte Dümler.

Hintergrund ist, dass Hermes im versicherungstechnischen Geschäft bislang nicht aus den roten Zahlen herauskommt. Im Jahr 2000 mussten gut 8 Mill. Euro, in 2001 bereits über 30 Mill. Euro Verluste hingenommen werden. Da auch dieses Jahr, zum dritten Mal in Folge, ein versicherungstechnischer Fehlbetrag ansteht, dürfte Hermes nach Branchenschätzung in drei Jahren insgesamt über 50 Mill. Euro versicherungstechnische Verluste eingefahren haben.

Aufmerksam beobachtet Hermes, dass bei den deutschen Unternehmen die durchschnittlichen Außenstände in den letzten zwei bis drei Jahren deutlich angestiegen sind. Dahinter steht, dass viele Unternehmen als Abnehmer ihre Kontokorrentbeziehungen mit ihrer Bank schonen, in dem sie ihre Zahlungsziele gegenüber ihren Lieferanten erhöhen.

Für Hermes, so Dümler, stellt sich dabei die Frage, inwieweit bei zunehmenden Außenständen der Hermes-Kunden die Assekuranz die Wünsche der Kunden noch erfüllen kann. Die Deckungsmöglichkeit sei abhängig von der Kapitalausstattung der Unternehmen. Wenn jetzt der Deckungsbedarf in der Warenkreditversicherung massiv nach oben gehe, sei es zweifelhaft, ob die Kreditversicherung diesen Limiterhöhungen immer folgen könne.

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