Marktgerüchte um RWE
Gewinnmitnahmen drücken Dax ins Minus

Gewinnmitnahmen haben nach Angaben von Händlern am Dienstag den deutschen Aktienmarkt im Vorfeld der Sitzung der US-Notenbank nach zuvor deutlichen Kurszuwächsen ins Minus gedrückt.

Reuters FRANKFURT. Im frühen Verlauf hatten Händlern zufolge der weitere Ausblick des weltgrößten Netzwerkausrüsters Cisco Systems sowie Hoffnungen auf eine Zinssenkung in den USA noch eine Kursrally insbesondere im Technologiesektor ausgelöst. "Nach dem starken Anstieg in den vergangenen zwei Tagen muss man halt 'mal was mitnehmen", kommentierte Simon Rose, Aktienhändler bei der KBC Bank die nachgebenden Kurse. Deutlich schwächer notierten die Aktien von RWE, was Händler auf Marktgerüchte um die mögliche Begebung einer Wandelanleihe auf die Titel zurückführten.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) notierte am frühen Nachmittag 0,18 % im Minus bei 4 746 Zählern, nachdem er zuvor noch ein bisheriges Tageshoch bei 4 819 Zählern markiert hatte. "Wenn man bedenkt, dass der Markt in den vergangenen zwei Tagen knapp 5 % zugelegt hatte, dann sind Gewinnmitnahmen vor einem Zinsentscheid nur natürlich", sagte Aktienhändler Rose mit Blick auf die für den Abend (MEZ) angesetzte Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed).

Zinssenkung der Fed erwartet

Analysten erwarten, dass die Fed zum zehnten Mal in diesem Jahr die Leitzinsen senken wird, um damit den Rezessionssorgen an den Finanzmärkten entgegenzutreten. Die meisten Experten rechnen mit einer deutlichen Rücknahme um 50 Basispunkte auf dann 2,00 % im Schlüsselzins. "Alle hatten in den letzten zwei Tagen die Hoffnung auf eine Zinssenkung und auch danach gehandelt, und jetzt hat man vielleicht Zweifel, dass es aufgehen wird", sagte Rose.

Die Zinssenkungsfantasien hatten auch am Vortag den Börsen in New York deutliche Kursgewinne beschert. Der Industriewerte-Index Dow Jones hatte 1,3 % auf 9 441 Zähler gewonnen, der Technologieindex Nasdaq um 2,7 % auf 1 793 Punkte zugelegt. Die für den Handelsstart am Dienstag maßgeblichen Futures notierten rund zwei Stunden vor Handelsbeginn leicht im Plus.

Die frühe Kauffreude am deutschen Markt wurde auch maßgeblich durch die am Vorabend bekannt gegebenen Geschäftszahlen und den Ausblick von Cisco ausgelöst. Die Gesellschaft hat angesichts der Flaute im Technologiesektor deutlich weniger verdient als im Vorjahreszeitraum, übertraf aber trotzdem die Schätzungen der Analysten. Für das zweite Quartal erwarte man nunmehr einen zum ersten Quartal konstanten bis etwas höheren Umsatz. "In dem Sektor, wo es so viele schlechte Nachrichten gibt, wird diese Nachricht sehr positiv aufgenommen", sagte ein Börsianer.

Technologiewerte gesucht

Insbesondere der Ausblick hatte Händlern zufolge für Euphorie vor allem im Technologiesektor gesorgt. SAP entfernten sich zwar von ihrem Tageshoch, notierten aber am Nachmittag immer noch 4,5 % fester bei 129,60 Euro. Infineon, die seit Wochenbeginn um knapp 17 % zugelegt hatten, verzeichneten ein Kursplus von 4,6 % auf 20,56 Euro. Epcos stiegen um 3,3 %, Siemens legten um 1 % zu.

Favorit waren am frühen Nachmittag die Aktien des Sportartikelherstellers Adidas Salomon , die um 4,8 % auf 65,20 Euro stiegen. Der Konzern hatte Gewinn und Umsatz im dritten Quartal 2001 trotz Konjunkturflaute gesteigert und die Erwartungen der Analysten erfüllt.

Deutlich schwächer notierten die Titel von RWE mit einem Abschlag von 3,1 % auf 42,77 Euro. Händler verwiesen auf Marktgerüchte, wonach eine Wandelanleihe auf die Aktien begeben werden soll. "Wir hören Gerüchte darüber aus Frankreich, den Niederlanden, Frankfurt und London", sagte ein Händler. Eine RWE-Konzernsprecherin lehnte einen Kommentar dazu ab.

M-Dax im Minus

Nach einer zunächst freundlichen Tendenz rutschten auch die Titel der im M-Dax notierten Depfa-Bank ins Minus und büßten rund 1 % auf 66,50 Euro ein. Die Bank hatte am Morgen ihre Neun-Monatszahlen veröffentlicht. Der M-Dax selbst notierte mit 0,11 % im Minus bei 4 178 Zählern.

Am Neuen Markt gab gab der Nemax-50-Index um 1,71 % auf 1 086 Zähler nach. Dort litten Händlern zufolge vor allem die Papiere von T-Online unter Gewinnmitnahmen, die um 0,7 % auf 10,33 Euro nachgaben. Der größte Internet-Anbieter in Europa hatte mit seinen Neun-Monatszahlen die Erwartungen der Analysten an sein operatives Ergebnis deutlich übertroffen. Die Aktien waren zunächst um mehr als 5 % gestiegen.

Die von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) angekündigte Bereitstellung von bis zu 3 900 Soldaten für einen Einsatz im Afghanistan-Konflikt spielte nach Angaben von Händlern vorerst keine Rolle an den Aktienmärkten. Langfristig könnte ein Einsatz jedoch einen Einfluss auf den Markt haben, hieß es.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%