Markthintergrund
IT-Werte am Neuen Markt seit Jahresbeginn gefragt

Die IT-Service-Titel hätten im Januar Rückenwind durch die guten Zahlen des DAX-Wertes SAP bekommen, sagte Dietmar Bartsch, Analyst bei der BW-Bank.

Reuters FRANKFURT. Gut angelaufen ist das Jahr 2001 am Neuen Markt für die Titel der Dienstleistungsunternehmen in der der Informationstechnologie (IT Service Provider). Seit Jahresschluss legte der Branchenindex um gut 16 % zu, während der breite Neue Markt-Index Nemax All Share mehr als vier Prozent abgab. Der Sektor habe vom Rückenwind durch die gute Entwicklung des im Dax gelisteten Softwarehauses SAP profitiert, sagten Analysten. Enttäuscht hat die Expertenerwartung hingegen die Biotechbranche. Entgegen den im Dezember geäußerten Erwartungen einiger Analysten, der Sektor werde sich besser als der Gesamtmarkt entwickeln, verlor der Subindex seit Jahresschluss mehr als zwölf Prozent. Gewinnmitnahmen wurden hier vor allem als Grund genannt. Die IT-Service-Titel hätten im Januar Rückenwind durch die guten Zahlen des DAX-Wertes SAP bekommen, sagte Dietmar Bartsch, Analyst bei der BW-Bank. Die Tochter SAP SI aber auch Realtech, Novasoft oder IDS Scheer hätten davon profitiert. Bartsch sieht für einige IT-Werte "durchaus noch Luft nach oben", etwa für Itelligence oder Novasoft. Er rechnet nach den großen Verlusten in 2000 für den gesamten Index mit einem Aufwärtstrend. Die Fundamentaldaten seien bei vielen Unternehmen sehr gut. "Allerdings ist schon sehr viel vorweggenommen, so dass die Zuwächse nicht mehr so stark sein werden." Volker Borghoff, Aktienstratege bei der DG Bank, stuft die Branche dagegen eher neutral ein. "Der Sektor ist sehr wettbewerbsintensiv", sagte er.

"Die Biotechnologie-Branche ist einer der wenigen spekulativen Blasen, die noch nicht geplatzt ist", sagte Marc Schädler, Fondsmanager bei der Nordinvest, zur Entwicklung des Sektors. Private und institutionelle Anleger gingen langfristig von einer guten Entwicklung aus, seien aber derzeit vorsichtig, weil unsicher sei, welche Patente und Entwicklungen wirklich die erhoffte Durchschlagskraft zeigen werden. Deswegen sei der Januar für Gewinnmitnahmen und wahrscheinlich für Umschichtungen in andere Indizes genutzt worden. "Die Anleger haben Angst, dass auch dieser letzte Sektor abgestraft wird", ergänzte Giuseppe Amato, Analyst bei Lang & Schwarz. Im allgemeinen Abschwung am Neuen Markt in 2000 habe sich der Biotechnologie-Index relativ gut gehalten und biete deshalb nicht soviel Erholungspotenzial wie IT- oder Internet-Werte. "Der Biotechnologiesektor wird in den kommenden Wochen eher underperformen", sagte Borghoff. "Die Titel sind hoch bewertet und die Unternehmen machen noch Verluste", sagte er.

Eine Reihe von Anleger hätten in Industrie- und Technologiewerte investiert, bei denen mit guten Ergebnissen zu rechnen sei, sagte Borghoff. Der Industrie-Index am Neuen Markt legte seit Jahresschluss 2000 um 15 % zu. Vor allem Fonds hatten in Industrie-Werte wie Pfeiffer Vacuum, Singulus oder Aixtron, bestätigte Schädler. Viele Technologieunternehmen wiesen ein stabiles operatives Geschäft auf, sagte Borghoff. Dies werde vom Markt honoriert. Der Sektor werde sich deshalb weiter besser als Gesamtmarkt entwickeln.

Auf der Gewinnerseite standen im Januar auch Medien- und Softwaretitel, die rund zehn Prozent zulegten, während der Internet-Sektor um mehr als neun Prozent abgab. Die Medienwerte hätten im Januar von einer technischen Reaktion profitiert, nachdem der Index im Sog von EM.TV zum Jahresende abgegeben hatte, sagte Borghoff. Die Aktien seien zudem extrem niedrig bewertet. "Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16 Euro auf 2002er-Basis ist die Medienbranche nach unseren Schätzungen die günstigste am Neuen Markt." Am höchsten bewertet sei der Biotechnologie-Sektor mit einem KGV-2002 von 87 Euro. Potenzial für eine Entwicklung leicht oberhalb derer des Gesamtmarktes sei für die Medientitel in den nächsten Wochen vorhanden, auf lange Sicht sei der Wachstumspfad der Unternehmen aber nicht genau zu erkennen. Bereits im November habe er Medienwerte wie Das Werk oder International Media günstig zugekauft, als deutlich wurde, dass die Titel im Sog von EM.TV an Wert verlieren würden, sagte Schädler. Der Fondsmanager sieht wie Amato bei der derzeit günstigen Bewertung der Medienwerte Erholungspotenzial.

Die Gewinnwarnung von Intershop habe den gesamten Internet-Sektor nach unten gezogen, sagte Bartsch. "Für Internet- und Technologiewerte waren auch die Vorgaben der Nasdaq nicht besonders gut", sagte Schädler. Eine Erholung des Internet-Indexes hänge von den großen Werten ab, sagte Bartsch. Das Index-Schwergewicht T-Online biete wegen Problemen etwa mit dem Management und im Zusammenhang mit der Flatrate-Diskussion kein großes Erholungspotenzial. Pixelpark habe es als Internet-Agentur schwer, weil zunehmend Komplettlösungen gefragt seien.

Schwach zeigten sich sich seit Jahresende 2000 auch die Finanztitel. Rückläufige Margen und Konkurrenz durch ausländische Direktbanken sind nach Ansicht der Experten der Grund für diese Entwicklung. Offenbar verkaufe auch der eine oder andere Anleger Aktien aus dem Sektor, weil er eine Verschlechterung der Geschäftszahlen befürchte, sagte Borghoff.



Entwicklung der Sektoren am Neuen Markt seit Jahresende 2000:

Sektor Entwicklung Absolute

relativ zum Entwicklung des

Nemax All Share Sektors IT-Service 21,87% 16,05% Industrials 21,37% 15,57% Media 16,65% 11,08% Software 16,24% 10,69% Telekom 4,30% - 0,68% Medtech 3,71% - 1,22% Technologie 1,41% - 3,43% Internet - 4,77% - 9,32% Biotech - 7,69% -12,09% Financial-11,05% -15,30% Nemax AllShare 2599,47 Punkte minus 4,78 % seit Jahresschluss (Indexstände vom 8. Februar 2001, 10.00 UHR MEZ)

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