Marktplätze im Internet
Anlagenbauer investieren verstärkt in E-Business-Lösungen

Anfang März haben europäische Energieversorger den Marktplatz Eutilia ins Leben gerufen. Neben der Essener RWE zählen große Unternehmen wie EdF, Endesa, Enel und Vattenfall zu den Gründungsmitgliedern der Initiative. Die Versorger wollen durch Eutilia Kosten sparen.

HB DÜSSELDORF. Europas führende Erstausrüster (Original Equipment Manufacturers, OEM) für Komponenten zur Energieerzeugung wickeln ihre Geschäfte zunehmend über das Internet ab. Bald werden E-Business-Strategien von E-Procurement über interne Prozessabwicklung bis hin zu E-Sales aus der Branche nicht mehr wegzudenken sein. Die internationale Unternehmensberatung Frost & Sullivan geht davon aus, dass große und breit diversifizierte Anbieter bereits bis 2003 mehr als ein Drittel ihres Beschaffungswesens ins Netz verlagert haben werden. Im Jahr 2007 soll der Anteil dann schon bei 72 Prozent liegen.

Die Akteure der Branche haben sich auf die Nutzung unabhängiger Marktplätze verlagert; allerdings hält sich die Investitionsbereitschaft in diesen Bereichen bislang eher in Grenzen. Stattdessen bauen sich viele Anbieter ihre eigenen virtuellen Marktplätze auf, allen voran GE Power und Babcock Borsig. Andere Player, wie Italiens Ansaldo Energia, haben kaum Erfahrung im Bereich E-Procurement. Als ehemalige staatliche Unternehmen hinken sie der Entwicklung noch hinterher; ihre traditionelle Geschäftskultur zeigt sich bisher weitgehend innovationsresistent.



Die Allgegenwärtigkeit des Internets ist die Basis dafür, immer mehr Business-to-Business-Transaktionen über das Netz abzuwickeln, da ein einfacher Web-Browser ausreicht, um sich in elektronische Marktplätze und Beschaffungsbörsen einzuklinken. Bestrebungen, zum Beispiel durch digitale Signatur und Notarisierung das Internet sicherer zu machen, tragen auch dazu bei, das traditionelle Misstrauen von Führungskräften in der Anlagenbaubranche gegenüber dem E-Business abzubauen.



Neben solchen Technologie-Faktoren hat auch die größere E-Business-Investitionsbereitschaft in anderen Industriesektoren den Erstausrüstern in der Energiebranche Mut zum Handeln gemacht. In der Automobilbranche hat die Anwendung von Instrumenten, die sich auf das Internet stützen, wie zum Beispiel Covisint, die Internet-Einkaufsplattform der größten Autobauer der Welt, schon zu ersten signifikanten Kosteneinsparungen geführt. Sogar die sonst eher traditionell eingestellten europäischen Stromversorgungsunternehmen haben bereits erste Schritte unternommen, durch das Internet Kosten zu senken.



Vorreiter war dabei Großbritannien, wo Achilles Market, das Einkaufsportal führender Energieversorgungsunternehmen der Strom- und Wasserbranche, bereits Mitte vorigen Jahres den Online-Handel aufgenommen hat. Zurzeit sind eine Reihe europäischer Multi-Utility-Unternehmen dabei, einen Marktplatz namens Eutilia aufzubauen. Das in den Niederlanden angesiedelte Gemeinschaftsportal, an dem auch RWE als Gründungspartner beteiligt ist, will Kosteneinsparungen durch die Erschließung eines größeren Lieferantenkreises und stärkere Produktstandardisierung erzielen.



Angesichts solcher Vorgaben ist es nicht verwunderlich, dass auch Erstausrüster der Stromerzeugungsbranche nun aktiv ins E-Business investieren, wobei Babcock Borsig eine Vorreiterrolle einnimmt. Der Oberhausener Konzern ist der Hauptpartner im Marktplatzunternehmen ec4ec.com, welches darauf abzielt, den gesamten Supply-Chain-Management(SCM)-Prozess von Maschinen- und Anlagenbauern abzudecken. Besonderer Wert wird dabei auf das "Collaborative Engineering" gelegt, welches Kosteneinsparungen unter anderem auch durch kürzere Projektlaufzeiten verspricht. Der Marktplatz, an dem auch die Deutsche Bank, die österreichische VA Tech und der Softwareriese SAP beteiligt sind, wird gerade kräftig ausgebaut, wobei ständig Nutzer sowohl in der Einkaufsabteilung der Anlagenbauer als auch unter deren Lieferanten angeschlossen werden.



Während sich die meisten Anbieter von Stromerzeugungsanlagen und Komponenten bei ihrem E-Business-Engagement aufs E-Procurement konzentrieren, gewinnt auch der Nebenschauplatz E-Sales zunehmend an Bedeutung. Interviews mit Führungskräften großer Anbieter lassen darauf schließen, dass die aktivsten Unternehmen ihre Dienstleistungen und Produkte in Zukunft auch online vertreiben wollen. Dazu müssen sie allerdings Werkzeuge bereitstellen, die dem Kunden eine Konfiguration der Systeme ermöglichen. Was sich durch E-Sales im Vergleich zu traditionellen Verkaufsmethoden einsparen lässt, ist - verglichen mit den Gesamtkosten der Anlagen - unbedeutend. Doch wer für den gesamten Lebenszyklus eines Kraftwerks oder einer Komponente exzellenten Online-Kundendienst bieten will, muss alle Stadien abdecken - von der Entwicklung über den Aufbau bis in den Aftersales-Bereich. Entsprechend soll der Anteil von Verkäufen via Internet von geschätzten sechs Prozent im Jahr 2001 längerfristig exponentiell ansteigen.



Der Autor ist Analyst bei Frost & Sullivan, Frankfurt/Main.

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