Marktpotenzial für eBooks umstritten
Bertelsmann-Tochter kämpft weiter um elektronische Buchrechte

Für Seth Godin ist die Vermarktung von Büchern simpel: Der amerikanische Fachbuchautor stellt seine Werke kostenlos ins Internet. Von dort aus laden sich Leser elektronische Bücher, so genannte eBooks, auf den PC. Das Buch können sie weiterhin beim Buchhändler erwerben, quasi als Erinnerungsstück - oder weil sie Bücher lieber in gebundener Form lesen. Der Autor veräußert dazu getrennt die Buchrechte an einen Verlag und die eBook-Rechte an einen Internetdienst.

NEW YORK. Ein New Yorker Bezirksgericht hat diese Praxis kürzlich für legal erklärt. Der Verlag Random House hatte erfolglos den Internetdienst Rosetta Books verklagt, weil sich dieser zuvor eBook-Rechte bei Autoren gesichert hatte, die mit ihren gebundenen Werken bei Random House unter Vertrag standen. Das Urteil der Richter: Die Ersterscheinung der Bücher, an denen Rosetta die elektronischen Rechte gekauft hat, liege schon mindestens 15 Jahre zurück. Da zu dieser Zeit eBooks noch unbekannt waren, habe es folglich auch keine Veröffentlichungsrechte im Internet gegeben.

Das Tochterunternehmen des Gütersloher Bertelsmann-Konzerns will nun in Berufung gehen. Random House vertritt die Auffassung, dass sich die Veröffentlichungsrechte auf alle Buchformen beziehen.

In Deutschland demonstrieren die Verlage dennoch Gelassenheit, denn viele halten das Marktpotenzial von eBooks für gering. "Die deutschen Leser werden nicht plötzlich alle mit einem eBooks herumlaufen", sagt Wolfgang Balk, verlegerischer Geschäftsführer beim Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv). Dennoch schließt sein Verlag vorsorglich die Rechte zum Verlegen von eBooks in seine Verträge mit ein.

Auch am deutschen Sitz von Random House werden die Rechte für eBooks in die Verträge integriert. "Das haben wir schon lange vor dem Gerichtsurteil in den Vereinigten Staaten so gehandhabt", sagt Sprecher Theo Schäfer. Für ältere Verträge hat Random House jedoch keine speziellen eBook-Rechte. "Bislang ist der Bedarf einfach zu gering", sagt Schäfer. Momentan hätten höchstens Geschäftsreisende Interesse an elektronischen Reise- und Hotelführern.

eBooks können auf zwei verschiedene Arten gelesen werden: Entweder am Computer oder auf einem etwa Din-A 4 großen Lesegerät, das ebenfalls eBook heißt. Dieses eBook, so Wolfgang Balk, sei bislang aber nicht nur teuer und unhandlich: "Es ist auch witzlos, wenn man im Urlaub ist und einen Krimi am Strand lesen möchte." Selbst wenn die Leser die Bücher auf ihre herkömmlichen Computer speicherten und anschließend ausdruckten, käme das letztlich teurer als ein Taschenbuch.

Deutlich rosiger sieht Arthur Klebanoff, Geschäftsführer von Rosetta Books, die Zukunft elektronisch gespeicherter Bücher. Nach dem Gerichtsurteil gegen Random House hätte bereits eine Hand voll Autoren angerufen, um die Rechte an Rosetta zu verkaufen. Die Verhandlungen über 500 weitere Bücher will Rosetta nun fortsetzen. Bislang hält der Internetdienst die Rechte an 100 Titeln. Seth Godins Marketingbuch überspielten sich Leser mehr als eine Millionen Mal auf ihre Computer.

Sein Geschäftskonzept funktioniere jedoch nur, sagt Godin, wenn elektronische Bücher kostenlos angeboten werden. "Ihr Geld verdienen die Autoren und eBook-Verleger, indem sie zusätzlich ergänzende Verwertungsrechte lizensieren." Das könnte etwa den Kartenverkauf zu Autorenlesungen beinhalten oder die Vermarktung von Dingen, "für die Leute gerne Geld ausgeben" - sprich Merchandising.

"Ich halte diese Vorstellung für naiv", entgegnet Balk. Der dtv arbeite eng mit seinen Autoren zusammen, da seien solche Alleingänge unwahrscheinlich. "Die meisten Schriftsteller sind doch froh, wenn sie sich fest an einen Verlag binden können." In den Verträgen seien daher alle Verlagsrechte enthalten, auch die für eBooks. Allenfalls Bestsellerautoren wie Stephen King oder John Grisham hätten die finanziellen Möglichkeiten, ihre Bücher eigenständig zu vermarkten - wenn auch nicht unbedingt erfolgreich, wie Stephen King jüngst erfahren mußte. Sein bislang einziges Experiment mit eBooks entwickelte sich für den Erfolgsautoren zum ausgemachten Flop.

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