Marktprognosen aber verfehlt
HVB senkt Fehlbetrag deutlich

Die Hypo-Vereinsbank hat im ersten Quartal des Sanierungsjahres 2003 ihren Fehlbetrag vor allem wegen Kostensenkungen deutlich verringert, die Markterwartungen aber dennoch verfehlt.

Reuters MÜNCHEN. Analysten sagten, unklare Konjunkturaussichten machten die angekündigte Rückkehr der zweitgrößten deutschen Bank in die Gewinnzone in diesem Jahr schwierig. Die HVB selbst bekräftigte am Dienstag ihr Gewinnziel für 2003, die Aktie brach dennoch um bis zu sechs Prozent ein.

Der Verlust nach Steuern sei auf 77 Mill. ? nach einem Fehlbetrag von 926 Mill. ? im Schlussquartal 2002 gesunken, teilte die Bank mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem Verlust von 23 Mill. ? gerechnet. Sie bemängelten, dass die Bank zwar bei den Kosten, nicht aber bei den Erträgen Fortschritte gemacht habe. Wenn die Branchenkonjunktur nicht noch anziehe, werde es schwer, im Gesamtjahr den angekündigten Gewinn von 300 bis 600 Mill. ? vor Steuern zu erzielen, sagten Analysten. Es gebe einige Risiken. Ein HVB-Sprecher sagte dagegen, die Prognose gelte unverändert.

Rampl vorsichtig optimistisch

Vor Steuern erzielte die mit hohen Kreditrisiken belastete Bank einen Gewinn von 24 Mill. ? und lag damit über den Erwartungen von Analysten. Im Vorquartal hatte die Bank 1,08 Mrd. ? verloren. Der operative Turnaround greife, sagte Vorstandschef Dieter Rampl einer Mitteilung zufolge. "Wir sind vorsichtig optimistisch für das Gesamtjahr."

Die Risikovorsorge für gefährdete Kredite nannte die Bank für das Quartal mit 762 (Vorjahresquartal: 949) Mill. ?. Im Gesamtjahr würden 3,046 Mrd. ? erwartet, davon bis zu 460 Mill. ? für die Immobilienbank Hypo Real Estate.

Fortschritte machte die HVB, die im Zuge ihrer Restrukturierung einen umfangreichen Stellenabbau eingeleitet hat, auch bei den Kosten: Der Verwaltungsaufwand sank im Quartal auf 1,69 (1,92) Mrd. ?.

Keine Verbesserungen gab es dagegen bei den wichtigsten Ertragsposten. Zinsüberschuss, Provisionsüberschuss und Handelsergebnis lagen unter den Vergleichswerten des Vorjahresquartals. Besonders das Handelsergebnis von 241 (264) Mill. ? sei eine negative Überraschung, sagte Analyst Konrad Becker von der Privatbank Merck Finck. "Andere Banken haben da besser abgeschnitten".

Die Kernkapitalquote der Bank verbesserte sich per Ende April leicht auf 5,7 % von 5,6 % zum Jahresende 2002. Der seit Jahresbeginn amtierende Bankchef Rampl will diese Kennzahl, die für die Kreditwürdigkeit und damit die Refinanzierungskosten der Bank wichtig ist, im laufenden Jahr auf sieben Prozent bringen.

Unter Rampl hat die Bank nach dem Verlustjahr 2002 eine Umstrukturierung begonnen. Unter anderem sollen die gewerblichen Immobilienaktivitäten in eine eigene Börsengesellschaft abgespalten und die österreichische Tochter BA-CA wieder an die Börse gebracht werden, um die Bilanz zu sanieren.

Zum Stand der Abspaltung, die auf der Hauptversammlung am Mittwoch beschlossen werden soll, machte die Bank keine Angaben. Sie teilte lediglich mit, die für die Abspaltung vorgesehenen Konzernteile hätten im Quartal 62 Mill. ? nach Steuern verloren. Auch nach der Abspaltung werden die HVB-Aktionäre an diesem Bereich beteiligt bleiben, denn sie erhalten für je vier ihrer Aktien eine Aktie der neuen Hypo Real Estate Group dazu.

Analysten bemängeln Stagnation auf Ertragsseite

Die HVB-Aktie fiel nach den Zahlen zeitweise um über sechs Prozent auf knapp unter 11,50 ?. Analysten wiesen darauf hin, dass die Bank auf der Ertragsseite keine Fortschritte gemacht habe. "Da muss man erst mal sehen, wie sich das im Jahresverlauf entwickelt", sagte ein Analyst.

"Wenn sie im ersten Quartal in einem relativ guten Umfeld keinen Gewinn gemacht haben, bleibt abzuwarten, ob sie im Gesamtjahr die 300 bis 600 Mill. erreichen können, wenn die Wirtschaftslage so bleibt", sagte Dieter Hein vom unabhängigen Analysehaus F.A.I. Research.

Die Großbank ABN Amro reagierte mit einer Rückstufung auf die HVB-Veröffentlichung. Die Bank teilte in London ohne weitere Erklärungen mit, sie habe die Aktie auf "Verkaufen" von "Reduzieren" gestellt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%