Marktsättigung und geringere Subventionen schmälern die Gewinne
Gerätehersteller sehen schweren Zeiten entgegen

Nach kräftigen Zugewinnen im vergangenen Jahr kommen auf die Hersteller von Mobiltelefonen im laufenden Jahr harte Zeiten zu. Die Netzbetreiber sind nicht länger bereit, die Kundenzahlen in Deutschland mit hohen Subventionen in die Höhe zu treiben, und der Markt gilt zunehmend als gesättigt. Nun soll der neue Standard GPRS dem Handel neue Impulse geben.

DÜSSELDORF. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Branche den Zahlen der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) zufolge noch ein imposantes Wachstum. Gegenüber 1999 stieg der Absatz von Mobiltelefonen in Deutschland um 223 % auf 12,5 Millionen Stück. Für 2001 wird nur noch mit einer Absatzsteigerung von 3,2 % auf 12,9 Mill. Geräte gerechnet. Gleichzeitig erwartet der Branchenverband sinkende Umsätze. Den gfu-Prognosen nach werden in Deutschland in diesem Jahr nur noch 2,8 Mrd. DM umgesetzt; 2000 waren es noch 3,2 Mrd. DM gewesen.

Nur ein Unternehmen hat am Verkauf der Mobiltelefone - noch - uneingeschränkt Freude: Nokia. Weltweit strebt das finnische Unternehmen einen Marktanteil von 40 Prozent an. Deutschland sei für Nokia der viertgrößte Markt, sagt Pressesprecherin Nina Lenders, will aber keine Angaben über Verkaufszahlen oder Marktanteile machen. Nokia hat es geschafft, jedes Segment zu besetzen. Die breite Produktpalette werde beibehalten, sagt Lenders, auch wenn noch unklar sei, was sich im Prepaid-Segment ändere. Auch für die Zukunft sieht sich Nokia gerüstet. Ein erstes GPRS-Gerät, das 8310, will Nokia im dritten Quartal auf den Markt bringen.

Ericsson steckt in der Krise

Für den langjährigen Hauptrivalen Ericsson sieht die Lage hingegen düster aus: Der schwedische Telekommunikationskonzern sah sich bei der Präsentation der Quartalszahlen außerstande, einen Geschäftsausblick zu geben. Markting As-Leiterin Skogström begründet den geringen Marktanteil in Deutschland mit der schwachen Stellung des Unternehmens im Prepaid-Sektor, der 85 Prozent der Verkäufe ausgemacht habe. Mit den neuen GPRS-Modellen R520 und T39m will das Unternehmen im Sommer neue Käuferschichten ansprechen.
Bei Alcatel will sich derzeit niemand zu längerfristigen Aussagen hinreißen lassen. Pressesprecherin Sonja Josch sagt: "Der Markt ist sehr turbulent. Wir trauen uns keine Aussagen zu, die länger als drei Wochen Bestand haben." Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen vor allem dank des Prepaid-Modells One Toch Easy seinen Marktanteil in Deutschland auf 12 % kräftig gesteigert und vier Millionen Geräte abgesetzt.

GPRS mit Verspätung in Deutschland

Gerade die Guthaben-Modelle ohne Vertrag wollen die Netzbetreiber aber nicht mehr in bisheriger Höhe subventionieren, und der Höhenflug könnte auch deshalb rasch ein Ende finden, weil Alcatel zwar Business-Modelle im Handel hat, aber beim Thema GPRS noch passen muss. Die ursprünglich für den Mai vorgesehenen Modelle kommen gar nicht nach Deutschland, und das GPRS-Gerät One Touch 511 erst im vierten Quartal. Das Signalisierungsverfahren der Netzbetreiber sei noch nicht vereinheitlicht, heißt es, zur Begründung.

Siemens will die Delle in den Planungen bereits berücksichtigt haben. Sprecher Alex Heim sagt im Gespräch mit Handelsblatt.com: "Die Entwicklungen überraschen uns nicht. Wir stehen ständig in Gesprächen mit den Netzbetreibern und haben das kalkuliert." Prognosen will Siemens nicht abgeben. In Deutschland lag Siemens zuletzt (GfK-Zahlen vom März) hinter Nokia auf Rang 2 mit 24 % Marktanteil.
Der Sprecher rechnet damit, dass die Kunden sich in Zukunft stärker davon leiten lassen, welche Funktionen sie über die Telefonie hinaus nutzen wollen. "Das Geschäft wird bei GPRS und UMTS stärker von Inhalten leben, und die Kunden werden mehrere Geräte nutzen", stellt er in Aussicht. Sein erstes GPRS-Modell, das S45, bringt Siemens im Juli in den Handel. "In größeren Stückzahlen wird es aber erst im Weihnachtsgeschäft zur Verfügung stehen", schränkt Heim ein.

Auslagern, kooperieren, dicht machen

Der niederländische Elektronik-Konzern Philips hat schon im allgemein wachstumsstarken Vorjahr so massive Probleme mit der Mobilitelefon-Sparte in Europa gehabt, dass nun ein Verkauf der Telekomsparte PCC erwogen wird. Diskutiert wird auch eine Auslagerung der Produktion. Damit würde sich Philips dem Ericsson-Modell anschließen. Ericsson teilte im Januar mit, die Produktion werde dem US-Unternehmen Flextronics überlassen, um Kosten zu sparen. Seit dieser Woche verhandelt das Unternehmen aber auch mit Sony über eine Kooperation.

Analysten halten ein Bündnis überwiegend für eine gute Sache, da Sony mit der eigenen Produktion bislang keinen großen Wurf landen konnte und, anders als Ericsson, nicht in der Netzwerksparte tätig ist. Eine Unternehmenssprecherin dämpfte allerdings zu große Erwartungen. Man sei erst zu Sondierungsgesprächen zusammen gekommen.

Das schwierige Marktumfeld und die unterschiedliche Reife der Märkte dürfte in den kommenden Monaten die Neigung zu Bündnissen weiter verstärken. Gebannt blicken viele Hersteller auf Japan, wo der Mobilfunk der dritten Generation bereits in diesem Jahr eingeführt werden soll. Siemens etwa hat sich durch eine Kooperation mit Toshiba einen Einblick in den Markt gesichert; über Motorola kursieren Gerüchte über ein Bündnis mit Mitsubishi.

Warten auf die Konsolidierungswelle

Das US-Unternehmen sieht vergleichsweise optimistisch in die Zukunft. In diesem Jahr rechne Motorola beim Mobilfunk mit einem Wachstum von 20 bis 25 Prozent in Deutschland, sagt Assistant General Manager Martin Börner. Er erwarte, dass die Subventionen nicht nur bei den vorausbezahlten Paketen niedriger ausfallen werden. Im vergangenen Jahr lag der Motorola-Marktanteil Gfk-Zahlen (ohne Providergeschäft) zufolge bei 14 Prozent. Es sei klar gewesen, dass ein Wachstum wie im Vorjahr nicht von Dauer sein konnte, meint Börner. "Wer sich nur auf ein Segment konzentriert hat, sitzt jetzt in der Zwickmühle." Seiner Einschätzung nach steht die Branche vor einer Konsolidierung. "Mehr als zwei oder drei unabhängige Hersteller bleiben nicht übrig."

Samsung will weiter wachsen

"Wir suchen in Deutschland noch Mitarbeiter", sagt Harry Nenmich von Samsung. Das korenische Unternehmen hat sich am Prepaid-Geschäft nicht beteiligt und sieht daher keinen Grund, seine Geschäftspläne zu überdenken. "Das Problem beim Prepaid-System war, dass der Kunde den Wert der Produkte nicht mehr erkannt hat."
Große Hoffnungen setzt Samsung in die GPRS-Technik. Noch im Sommer soll ein Modell auf den Markt kommen. Prognosen über Samsungs Verkaufszahlen will Nemnich aber nicht nennen.

Auch Börner glaubt, dass ein frühes Bekenntnis zu GPRS sich auch auf längere Sicht auszahlen wird. "Wir haben die ersten Geräte auf den Markt gebracht. Wie auch schon bei der Einführung von WAP haben wir beschlossen, diesen Standard quer durch das Sortiment zu unterstützen." Nach seinen Worten wird es noch in diesem Jahr auch schon GPRS-Prepaid-Pakete geben. In Zukunft will sich Motorola aber vor allem den Vieltelefonierern noch stärker widmen. Auch der Datenverkehr gilt als Wachstumsmarkt.

Trend zu Standards für mobile Portale

Die Hersteller wollen dabei aus den Fehlern bei der Einführung von WAP gelernt haben und sich auf Formate einigen, die modellübergreifend unterstützt werden. Siemens-Sprecher Heim spricht von einem Trend zur Standardisierung. "Es ist klar, dass die Netzbetreiber ihre Portale für den Datenverkehr unabhängig von den verschiedenen Gerätetypen aufbauen wollen. Das Design darf den Zugang zu den Inhalten nicht versperren." Trotz der angespannten Finanzlage der Telekommunikationskonzerne hat sich das Verhältnis zu den Geräteherstellern Börners Auffassung nach aber nicht verschlechtert: "Momentan rücken eher alle stärker zusammen, denn wir wissen ganz genau: Wir sitzen in einem Boot."

Schreiben Sie dem Autor: j.ohlendorf@vhb.de

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