Marktsegment wächst rasant
Geldanlagen mit sozialer Verantwortung

Wer sein Vermögen nach ökologischen und ethischen Kriterien anlegt, beruhigt nicht nur sein Gewissen sondern handelt auch zukunftsweisend. Experten sehen diese Form der Geldanlage auf dem Vormarsch: Die Zahl der Fonds steigt, neue Anbieter drängen auf den deutschen Markt, und die Riester-Rente sorgt für weiteren Auftrieb.

FRANKFURT / DÜSSELDORF. Kapitalanlagen, die neben finanziellen Aspekten auch Umweltschutz oder die Wahrung der Menschenrechte berücksichtigen, werden bei Anlegern immer beliebter. Die britische Kapitalanlagegesellschaft Henderson Global Investors sieht das so genannte "Socially Responsible Investment" (SRI) gar als einen der dynamischsten Sektoren für die Investmentfondsbranche - auch in Deutschland. Daher kündigte die Gesellschaft für das kommende Jahr einen Nachhaltigkeitsfonds auch für deutsche Kunden an. Henderson verwaltet in Großbritannien nachhaltige Geldanlagen über drei Mrd. .

Bislang sind hier zu Lande rund 1,5 Mrd. in entsprechenden Aktienfonds angelegt, ermittelte das Hannoveraner Institut Imug Investment Research. Das ist fünfmal soviel wie noch vor drei Jahren. Experten erwarten einen weiteren Schub durch die staatlich geförderten Riester-Altersvorsorgeprodukte. Denn deren Anbieter müssen künftig darüber informieren, ob und inwieweit sie bei der Geldanlage ökologische, soziale und ethische Aspekte berücksichtigen.

Auch auf europäischer Ebene geraten nachhaltige Geldanlagen verstärkt in den Blickpunkt. Um sie zu fördern, gründete sich vor wenigen Tagen unter dem Namen Eurosif ein pan-europäisches Netzwerk. Bis Ende Mai 2002 ist beispielsweise eine Internetseite mit Informationen zu nachhaltigen Geldanlagen geplant.

Die Nachhaltigkeits-Debatte hat sich auch hier zu Lande schrittweise entwickelt: "In den 70er Jahren stand das ethische Investieren im Vordergrund. Bestimmte Branchen wie Rüstung oder Tabak wurden ausgeschlossen. Mitte der 80er Jahre lag der Schwerpunkt auf ökologischen Aspekten. Inzwischen ist das sozial verantwortliche Investieren ein allumfassender Ansatz, bei dem ökologische, soziale und ethische Punkte zusammen mit finanziellen Aspekten berücksichtigt werden", erklärte Rob Lake, verantwortlich für nachhaltige Anlagestrategien bei Henderson.

Studien sehen Zusammenhang zwischen Umwelt-Kriterien und Anlageerfolg

Ein wesentlicher Grund für die wachsende Beliebtheit dieser Investmentphilosophie besteht darin, dass bei der Geldanlage mit reinem Gewissen oft auch die Rendite stimmt. "Einige Studien fanden einen positiven Zusammenhang zwischen Umwelt-Kriterien und Anlageerfolg, während ein solcher Zusammenhang für ethische Kriterien noch nicht nachgewiesen werden konnte", berichtete Claudia Kruse vom Londoner Researchhaus Global Risk Management Services, das Nachhaltigkeits-Analysen erstellt.

Das liege wahrscheinlich daran, dass Umweltorientierung eher die Kosten senke, meinte Kruse. Hilfestellungen bei der Suche nach den sozial und ökologisch korrekten Titeln geben spezielle Indizes für nachhaltige Investments von Dow Jones oder FTSE. Einige Fonds bilden bereits einen solchen Index nach oder verwenden ihn als Messlatte für ihren Anlageerfolg.

In die Nachhaltigkeits-Indizes gelangen Aktien nach vorher festgelegten Prüffiltern: FTSE arbeitet mit festen Aufnahmekriterien, die ein Unternehmen bestehen muss. Bestimmte Branchen wie etwa Rüstung sind von vornherein ausgeschlossen. Dow Jones dagegen verfolgt bei seinen Nachhaltigkeitsindizes den so genannten "Best in class"-Ansatz. Das bedeutet, dass aus jeder Branche die Unternehmen ausgewählt werden, die unter ökonomischen, ökologischen und sozialen Kriterien am besten abschneiden.

Tatsächlich entwickelten sich die Aktien der "Klassenbesten" seit 1995 besser als der Gesamtmarkt, ermittelte Frank Wettlaufer von der Schweizer Privatbank Sarasin. "Die Kurse der größten Umweltsünder schafften das aber auch", sagte er. Wettlaufer favorisiert daher den Ansatz, nur aus bestimmten, umweltfreundlichen Branchen die "Klassenbesten" auszuwählen, auch wenn so nicht der Gesamtmarkt abgedeckt werde.

Rob Lake verzichtet bei der Bewertung des Henderson-Anlageerfolgs ganz auf Nachhaltigkeitsindizes. "Wir messen uns an den konventionellen Indizes von MSCI", betonte er. Bei der Auswahl der Titel, die den Nachhaltigkeits-Kriterien seiner Gesellschaft genügen, arbeiteten die Fondsmanager eng mit den Analysten aus dem eigenen Haus zusammen. Zudem werde ein ständiger Dialog mit den Unternehmen geführt, in die Henderson investiert. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich Investitionen in Unternehmen grundsätzlich lohnen, die in Zeiten der Globalisierung und der zunehmenden Umweltproblematik verantwortlich handeln und die gesamte Debatte weiterbringen", sagte Lake.

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