Marktumfrage
Analysten uneins über kurzfristigen Ausblick

Der Dax am Boden zerstört und die Anleger ratlos. Die Ausgangslage für einen Aufschwung verschlechtert sich zusehends. Institute revidieren ihre zu optimistischen Schätzungen innerhalb kürzester Zeit nach unten. Gewinnwarnungen aus den USA versalzen die Börsensuppe, und der Euro rutscht auf ein Tief nach dem anderen. Es kann eigentlich kaum schlechter werden, lautet die Meinung einiger Investoren.

vwd FRANKFURT. Bei den technischen Analysten herrscht noch ein wenig Unklarheit. Manche Analysten halten die Korrektur in dem von den Terminbörsen getriebenen Markt für übertrieben, andere befürchten ein weiteres Abrutschen gen Süden.

In einer Marktumfrage geben drei technische Analysten Auskunft über die kurz- und mittelfristigen Aussichten des Dax. Marcel Mußler von Mußler Briefe sieht in der jüngsten Index-Bewegung eine klare Übertreibung. Für Klaus Tafferner von Concord Effekten bleibt weiterhin insbesondere wegen der stets bemängelten fehlenden Bodenbildung der Beginn einer weiteren Abwärtswelle denkbar. Marcus Metz von Staud Research sieht die Bewegung der vergangenen Tage als klar gewonnene Runde der Bären. Er reduziert sein Konsolidierungpotenzial auf 5 650 Punkte, das Marktrisikopotenzial beziffert der Analyst mit 5 550 Zählern.

Intraday-Kursmuster stimmt Analyst nachdenklich

So wie der Dax die vorangegangene Woche beendete, startete der Index auch in die neue. Vor allem kurz vor Handelsschluss am Freitag musste der Index einiges des gewonnenen Terrains preisgeben, was am Ende zu einem Fall unter das aktuelle Konsolidierungspotenzial von bis dahin 5 930 Punkten führte, erklärt Marcus Metz. Vor allem aber stimme das Intraday-Kursmuster von Montag nachdenklich. Entgegen seiner Annahme, der zufolge es sich mit den neuen Konsolidierungslows vom Freitag um einen vorläufig abgeschlossenen Count handelte, müsse angesichts der "7-Anschluss-Bewegung" nunmehr von einer Welle III und damit einem größeren als bislang von ihnen angenommenen Ausmaß der Konsolidierung ausgegangen werden.

Nicht zuletzt die aktuell zu beobachtende, für solche Muster typische Dynamik lege diesen Schluss nahe. Das Chartbild am Montag sei eine nur schwer in ein Muster einzuordnende Tageskerze und gehe ganz klar an die Bären. Das aktuelle Konsolidierungspotenzial wird ab sofort auf 5 650 Punkte zurückgenommen. Das Marktrisiko bleibe mit 5 550 Punkten unverändert. Kurzfristig blieben die Aussichten eher trübe und ein Test der nächsten Unterstützungen bei rund 5 780 Punkten sei nicht auszuschließen.

Nächster Widerstand liegt bei 6 170 Punkten

Die nächsten Widerstände liegen laut Metz bei 6 170 Punkten (horizontaler Widerstand). Der wichtigere Widerstand liege allerdings bei 6 230 Zählern, was den verlaufenden Septemberabwärtstrend limitiere. Ein Bruch dieser Widerstände würde weiteres Potenzial bis auf 6 650 Punkte eröffnen.

Der Dax-Index entschied sich mit dem Rückgang unter die Unterstützung bei 5 960 Punkten für die negative Variante und lieferte ein Verkaufsignal, erklärt Klaus Tafferner, von Concord Effekten. Charttechnisch scheine sich seit Ende April dieses Jahres eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation ausgebildet zu haben, deren Minimalziel mit 5 610 Dax-Punkten zu taxieren sei. Elliott-technisch könne, ein positiver Tag vorausgesetzt, eine Seitwärtskorrektur seit dem 22. Mai abgeschlossen sein und die nächste Aufwärtswelle bevorstehen.

Schwäche bei konjunktursensiblen Aktien

Dagegen spreche die Stimmung, gemessen am Call/Put-Ratio (ähnlich hoch wie Anfang Februar), die Umsatzentwicklung (bei fallenden Kursen zunehmend) sowie die beginnende Schwäche der konjunktursensiblen Aktien. Dafür spreche die Marktbreite (im Junihoch deutlich mehr steigende Aktien als Mitte Mai). Die technischen Indikatoren lieferten ein uneinheitliches Bild. So sei der Trendfolgeindikator MACD noch auf hohem Niveau fallend und lasse eher weitere Kursrückgänge erwarten. Der RSI habe jedoch bereits den überverkauften Bereich erreicht und deute eher Erholungspotenzial an.

Das Negativszenario wäre erst mit Schlusskursen über 6 279 Dax ad-Punkten acta zu legen, heißt es weiter. Das Relative Performance Model von Concord Effekten liefere diese Woche Signale, Hypovereinsbank und Fresenius Medical Care über- und BASF, Daimler-Chrysler, Infineon, Lufthansa, Siemens und Thyssen Krupp unterzugewichten. Kurzfristig böten Deutsche Bank und VW mit Kursen unter 85 ? bzw. 55,50 ? eine Tradingkaufgelegenheit. Tafferner empfiehlt, generelle Käufe zurückstellen.

Korrektur des Dax bleibt Thema

Die Korrektur des Dax bleibt auch zum Wochenbeginn das Thema. Allerdings mit einem ganz deutlich veränderten Tenor. War die Korrektur in den vergangenen Wochen noch nicht ausgereift, so stünden Teilnehmer nun vor dem Problem, dass die momentane Korrektur inzwischen klar zu weit laufe, sagt Marcel Mußler von Mußler Briefe. Die Aufgabe der starken Unterstützungszone, die er zuletzt noch bis 5 940 Punkte ausgedehnt hatte, und vor allem der Ausbruch unter den Abwärtstrendkanal bei 5 920 Punkten sprächen eine klare Sprache. Da es sich dabei auch noch um eine kräftige schwarze Ausbruchskerze handle, müsse man von einem waschechten charttechnischen Ausbruch sprechen. Gegen diesen gebe es zunächst einmal argumentativ nicht viel einzuwenden, erklärt der technische Analyst weiter.

Wenn man von dem kurzfristigen Chartbild des Dax einmal wegginge, gebe es natürlich schon noch Argumente, die für den Dax sprächen. So hätten die US-Indizes ihre Schlüsselunterstützungen erreicht. Und solange diese nicht fallen, hält es Mußler für unklug, ausgerechnet jetzt den Dax fallen zu lassen. Analysten kennen dieses Korrekturszenario ja nur zu gut aus vergangenen Zeiten: Erst wollte der Dax gar nicht richtig korrigieren, und am Ende wurde er von Amerika sogar nach unten gezwungen, und zwar just in dem Moment, da Amerika gerade den Boden erreicht hatte. Es sei aber nicht selbstverständlich, dass es bei dieser Korrektur genauso verlaufe, sagt Mußler.

Kurzfristige Überverkauftheit

Aber die Erfahrungen legten nahe, jetzt insbesondere die Marke bei 1 207 Punkten im S&P-500 und die Marke bei 1 996 im Nasdaq-Composite scharf im Auge zu behalten. Unabhängig davon sei es aber auch die inzwischen schon starke kurzfristige Überverkauftheit, die ihn davon abhalte, jetzt mit fliegenden Fahnen in das Lager der Bären zu wechseln. Die Gefahren eines unmittelbaren Zusammenbruchs in diesen Tagen schätzt Mußler trotz des beeindruckenden Downbreaks immer noch gering ein. Sorgen mache er sich langsam aus ganz anderen Gründen. Als technischer Analyst mache er sich Gedanken über die möglichen Gründe einer neuen Krise im 3. Quartal.

Der gefährliche Cocktail aus zurückgehender Konjunktur, Gewinnwarnungen und des wegen der Inflationsgefahren mangelnden Zinsspielraums nehme bereits in diesen Wochen immer mehr Gestalt an. Er frage sich, wie die Märkte da mit einem kräftigen weiteren Erholungsschub noch über den Sommer kommen wollten, um ihre methodischen Pflichten zu erledigen. Kurzfristig sollten trotz des Downbreaks am Montag keine neuen Shorts mehr eröffnet werden. Die Überverkauftheit und die US-Unterstützungen sprächen einfach zu eindeutig dagegen. Die nächste Trading-Unterstützung sieht der Analyst im Dax bei 5 827 Punkten, die richtige Unterstützung trotz allem erst wieder bei 5 580 Punkten, dem langfristigen Abwärtstrendkanal.

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