Marktumfrage
Dax und Nemax driften technisch auseinander

Während sich für die Zukunft des Dax nach seiner plötzlichen Umbesinnung nur positive Stimmen finden, sieht es für den Nemax-50 nach Einschätzung von Experten düster aus.

vwd FRANKFURT. Einheitlich getrennter Meinung für die deutschen Aktienindizes sind die drei am Dienstagnachmittag befragten Markttechniker. Während sich für die Zukunft des Dax nach seiner plötzlichen Umbesinnung nur positive Stimmen finden, sieht es für den Nemax-50 düster aus. Hier verweisen alle Analysten auf den ausgeprägten und intakten Abwärtstrend, an dem auch Zwischenerholungen nichts ändern können. Zu fast identischen Schlüssen für den Dax kommen Matthias Gramb von der Steubing AG und Eckehard Pflieger von der WestLB Asset Management. In der plötzlichen Umkehr des deutschen Aktienbarometers Mitte Oktober sehen sie einen klaren Umkehrtag inmitten einer kurzen, aber ausgeprägten Bodenbildung, die sie im Bereich zwischen 6 300 und 6 500 Punkten ansetzen.

Auch die Marktbreite stimmt nach Matthias Gramb. Im positiven Trend sieht er momentan noch 22 bis 25 der 30 Dax-Titel. Damit könne der Dax auch noch weiter nach oben geschoben werden, so Gramb. Beide Analysten stützen ihre Analyse auch auf die Indikatoren. Sie hätten sich deutlich befestigt und deuteten mit etwas geringerer Dynamik weiter nach oben. Pflieger gefällt besonders die Stärke des Dax gegenüber der seiner Ansicht nach schlechten Nasdaq. Daraus lasse sich auf ein gutes Sentiment im Dax schließen. Wegen starker Widerstände im Bereich zwischen 7.050 und 7.150 Punkten rechnen beide Analysten kurzfristig allerdings mit einem geringeren Potenzial nach oben.

Schließlich "sind wir 600 Punkte schnell nach oben marschiert", sagt Matthias Gramb, und rechnet auf Wochensicht zunächst mit einem Beruhigungsbedarf. Einen möglichen Rückgang in den Bereich von rund 6 800 Punkten "würde ich aber sofort wieder kaufen", sagt er. Auf ein anderes Phänomen stellt Wieland Staud von Staud Research seine Analyse ab. So sei der Dax in den letzten Tagen wieder in seinen alten Auftwärtstrend zurückgekehrt. "In dieser Klarheit habe ich das selbst noch nicht erlebt", sagt Staud. Schließlich sei dies ein sehr gutes Zeichen für einen Markt, der daran gehe, eine "Scharte auszuwetzen".

Wahrscheinlichkeit für steigende Dax-Kurse

Diese Bewegung trete sehr selten auf und verfüge über eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für weiterhin steigende Kurse. Sollte es dem Markt in naher Zukunft noch gelingen, den mittelfristigen Abwärtstrend bei 7 250 Punkten zu überwinden, stehe neuen All-Time-Highs nichts mehr im Wege, so Staud. Denn aus Elliott-Wellen-Sicht könne sich dann nach einer abgeschlossenen vierten Welle eine fünfte herausbilden - mit starkem Potenzial nach oben. Die Entwicklung der Sentiment-Indikatoren bestätigt diese Einschätzung, sagt Staud: "Wir beobachten hier eine Entwicklung, wie sie an allen großen Wendepunkten steht". Nur vor verfrühtem Jubel warnt er: "Das war eine sehr überraschende Entwicklung, aber sie muß sich durch die Überwindung des Abwärtstrends noch bestätigen". Hier stimmt auch Matthias Gramb zu. Momentan schon an neue Hochs zu denken, sei zu früh, sagt er, teilt aber die Meinung auf weiter verbesserte Kurse. "Das hier ist nicht nur eine Bärenmarkt-Rally", sagt er. Die Rahmenbedingungen und das Intermarket-Umfeld werden - außer der Nasdaq - von allen Analysten als gut eingestuft. Eckehard Pflieger betont das Ende der Saison für schlechte Unternehmensmeldungen und Mattias Gramb sieht Entlastungen seitens sinkender Ölpreise kommen.

Vor allem von der Zinsseite seien daher keine Störfeuer mehr zu erwarten, meint Pflieger. Zu Einzeltiteln rät er daher im Finanzsektor und bei den zyklischen Werten. Auf längere Sicht empfiehlt er, die zunächst noch volatilen Technologie-Titel überzugewichten. Wieland Staud sieht die Korrektur im Telekom-Bereich als abgeschlossen an und verweist besonders auf den starken Versicherungssektor - allen voran die Münchner Rück. Gemeinsamer Favorit aller Analysten ist Siemens.

Dunkle Schatten über dem Neuen Markt

Die dunkle Seite des Lebens enthüllt die Analyse des Neuen Marktes. Hier unterscheiden sich die Analysten nur durch den Grad ihres Pessimismus. Selbst das als "möglich" eingestufte Erholungspotenzial führt den Nemax-50 nach Pflieger und Staud nur bis rund 5 300 Punkte. Doch selbst dann werde er seinen intakten Abwärtstrend nicht verlassen haben, sagen sie. Gramb und Pflieger verweisen auf die massiven Vertrauensverluste in Unternehmen und nach Presseartikeln auch in Fondsgesellschaften. "Wer soll denn daraufhin kaufen?", fragt Gramb rhetorisch. Mittlerweile seien selbst bei aktiven Anlegern Umschichtungen in MDax-Titel zu beobachten.

Mit Seitenblick auf die ansteigende Relative Stärke des Nemax-50 gegen die Nasdaq versucht Wieland Staud, zumindest einen positiven Aspekt herauszuarbeiten. "Der Nemax hat sich alle Mühe gegeben, die Nasdaq noch weiter underzuperformen", sagt er. "Jetzt hat sich aber eine Wende vollzogen". Zumindest auf neue Tiefs der Nasdaq werde der Neue Markt wohl nicht mehr folgen. Empfehlungen für Einzeltitel würden die Analysten trotzdem nur sehr zögerlich aussprechen. Matthias Gramb rät dazu, ab dem nächsten Frühjahr auf die "Suche nach Substanz" zu gehen, und Wieland Staud sieht Intershop "in der Frühphase" einer Erholung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%