Marktumfrage: Kommende Dax-Erholung als Bear-Market-Rally begreifen
Analysten bleiben weiter skeptisch

Langfristig weiterhin skeptisch für den deutschen Aktienmarkt sind technische Analysten gestimmt. In der wöchentlichen Umfrage zur technischen Situation am Markt sagten sie übereinstimmend, die Tiefs in der laufenden Baisse seien noch lange nicht erreicht. Kurzfristig hellt sich das Bild dagegen stark auf.

vwd FRANKFURT. Lediglich Ludwig Gutmann von der Bayerischen Landesbank sagte, Anleger sollten im Zweifelsfall dem Trend folgen und weiterhin auf fallende Kurse setzen. Dagegen meinen Stephen Schneider von der WGZ-Bank und Michael Riesner von der DG Bank, eine starke Erholung stehe vermutlich unmittelbar vor der Tür.

Denn sowohl Schneider als auch Riesner sehen klare Signale für eine kurzfristige Trendwende. Beide Markttechniker verweisen zunächst auf den Stochastik-Index, der auf Wochenbasis stark überkauft sei und auf Tagesbasis positive Divergenzen ausgebildet habe, also mit dem Tief vom Montag das vorausgegangene Tief nicht mehr bestätigt hat. Auch beim Trendfolger MACD sehen sie übereinstimmend Hinweise auf eine bevorstehende Bodenbildung. Riesner macht auch darauf aufmerksam, dass der Dax mittlerweile 20 % unter der 200-Tage-Linie steht, in der Vergangenheit sei dem meistens ein starker Anstieg gefolgt. Positiv für ihn ist auch das Umsatzverhalten, denn zuletzt ging es mit fallenden Umsätzen nach unten.

Schneider zeigt auch auf die starke Unterstützung vom Oktober 1999, auf der der Dax nun angekommen ist. So eine massive Unterstützung werde kaum im ersten Anlauf gebrochen, so der technische Analyst der WGZ-Bank. Er rechnet nun mit einer schnellen Bären-Markt-Rally, die den Dax Richtung 5 400, im Extremfall Richtung 5 500 bis 5 600 Punkte treiben könnte. Aus der Situation beim Stochastik allein ergebe sich erfahrungsgemäß ein Potenzial von 10 %, so Schneider, der kurzfristig orientierten Anlegern den Aufbau von Positionen in Aktien mit starken Ausschlägen wie SAP empfiehlt oder den Kauf eines Dax-Zertifikats.

Überwinden von 5 350 Punkten als Kaufsignal

Riesner will zwar nicht ausschließen, dass der Dax in den kommenden Tagen sogar auf 5 030 oder 4 980 Punkte zurückfällt. Dafür schätzt er das Potenzial der erwarteten Erholung noch stärker ein. Der technische Analyst der DG Bank rechnet mit einem Anstieg des Dax in den Bereich von 5 900 bis 6 000 Punkten in den kommenden Wochen. Ein Kaufsignal auch für mittelfristig orientierte Anleger wäre für ihn das Überwinden der Marke von 5 350 Punkte, denn das wäre das "Rebreak" in den ehemaligen Abwärtstrendkanal. An einen Bruch des Baisse-Trends bei derzeit 6 000 Punkten sollten Anleger aber nicht denken, so Riesner.

Seine Argumente gegen eine längerfristige Trendwende gleichen hier wieder den Argumenten von Schneider, aber auch denen von Gutmann von der Bayerischen Landesbank. Gutmann ist auch kurzfristig nicht besonders zuversichtlich, er schließt zwar eine technische Erholung nicht ganz aus, verweist aber darauf, dass die sogenannten Bären-Markt-Rallys zuletzt mehr und mehr verkümmert sind. Längerfristig gegen steigende Kurse spricht für ihn wie auch für seine Kollegen vor allem die Stimmung am Markt.

"Neue Tiels zwingend"

Der mittelfristige Optimismus sei besonders auf die Blue-Chips oder großen Standardwerte bezogen immer noch sehr groß, so Gutmann. Die Put-Call-Ratio auf die Dax-Optionen im Dax falle bei jeder kleinen Erholung unter 0,5 , das sei klar negativ. Denn das Ende der Baisse werde geprägt sein von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Und bis dahin werde es vermutlich noch ein weiter Weg sein, "der Bär ist tückisch", so der Analyst der Bayerischen Landesbank. Er rechnet längerfristig mit Dax-Ständen deutlich unter 5 000 Punkten und empfiehlt so auch nur kurzfristig orientierten Marktteilnehmern, bei den Short-Positionen auf fallende Kurse die Gewinne teilweise zu realisieren. Über die kurze Frist hinaus spreche der Trend für Shorts.

Riesner sieht ein längerfristig negatives Zeichen auch in der Sell-to-Buy-Ratio der US-Manager. Diese verkauften tendenziell immer noch Anteile ihrer Unternehmen, gingen also anscheinend immer noch von einer deutlichen Überbewertung aus. Auch andere mittelfristige Stimmungsindikatoren von den US-Börsen untermauern für ihn die These, der Markt stehe allenfalls vor einer ausgeprägten Gegenbewegung.

Schneider meint, der Markt werde längerfristig über ein Zwischen-Tief bei 4 800 Punkten bis auf 4 200 Punkte fallen. Dazu führt ihn die Elliott-Wellen-Analyse, nach der die Korrektur nun lediglich von einer Erholungswelle "Vier" unterbrochen wird. Die sich anschließende und möglicherweise die Baisse abschließende Fünfer-Welle führe fast zwingend auf neue Tiefs, so der Markttechniker der WGZ-Bank.

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