Marktumfrage
Mangel an Kaufsignalen belastet den Aktienmarkt

In einer technischen Erholung auf die jüngsten starken Verluste sehen Analysten derzeit den deutschen Aktienmarkt. Gekennzeichnet sei diese Erholung aber auch von der "Option auf mehr", so Holger Struck von M.M. Warburg & Co. Sandra Schiller von Commerzbank Securities meint, die Situation habe sich erstmals seit einem Monat gebessert.

vwd FRANKFURT. Sie verweist aber auch darauf, dass am deutschen Aktienmarkt unter mittelfristigen Gesichtspunkten kaufenswerte Titel "Mangelware" sind. Das meint auch Christian Plenz vom Wertpapierhaus Seydler AG, der deshalb sogar mit einem schnellen Ende der Erholung und dem Beginn der nächsten Abwärtswelle rechnet.

Die technische Korrektur werde den Dax im besten Fall bis 5 600 Punkte führen, könnte aber auch schon abgeschlossen sein, meint Plenz. Das Verkaufssignal wäre für ihn der Bruch der Marke von 5 380 Punkten. Dann könnte der Dax Richtung 5 000 Punkte fallen, so der Mitarbeiter von Seydler. Die technische Korrektur angeführt hätten die Deutsche Telekom, die Siemens-Familie und die Deutsche Bank. Alle diese Aktien seien aber lediglich unter kurzfristigen Aspekten kaufenswert gewesen und hätten das Aufwärtspotenzial vermutlich schon wieder abgearbeitet.

Dagegen verschlechtere sich die technische Situation bei den Versorgern und bei den Versicherern erheblich. Ein Bruch der nahen Unterstützung von 310 Euro würde bei der Münchener Rück eine Kopf-Schulter bei 340/320 Euro abschließen mit einem Potenzial bis 280 Euro, warnt Plenz. Auch Adidas-Salomon, Thyssen-Krupp und die Deutsche Post könnten potenziell stärker nachgeben. Lufthansa und Bayer müssten für eine Bodenbildung ebenfalls noch einmal runter, könnten das Ausbilden neuer Tiefststände aber voraussichtlich vermeiden und seien dann oberhalb der bisherigen Jahrestiefs vermutlich kaufenswert.

Potentieller Druck aus den USA

Potenzieller Druck baue sich auch aus den USA auf, so der Markttechniker. Dort stünden viele der großen Technologie-Aktien wie Cisco, Intel oder Microsoft vermutlich vor einem Test der Tiefs. Der Nasdaq werde somit ebenfalls noch einmal auf oder sogar unter die Tiefststände vom Frühjahr fallen. Allerdings hege er die Hoffnung, dass der Dax Richtung 5 000 Punkte die finale Abwärtsbewegung abschließe, sagt Plenz.

Schiller erwartet zunächst, dass die Erholung des Dax zwischen 5 400 und 5 500 Punkten ins Stocken gerät. Hier liege eine starke Widerstandszone, sagte sie. Danach komme es darauf an, ob sich der Dax oberhalb der Zehn-Tages-Linie bei 5 315 Punkten halten könne. Dann sei ein weiterer Erholungsschub drin, so die Analystin. Positiv sei, dass der Dax den kurzfristigen Abwärtstrend gebrochen habe. Er könne nun einen kurzfristigen Aufwärtstrend etablieren, wie das der Euro-Stoxx-50 bereits getan habe. Dieser liege derzeit bei 3 820 Punkten, solange er halte, könnten kurzfristige Trading-Käufe erwogen werden.

Beobachten der ehemaligen Jahrestiefs ratsam

Dabei würden gerade die Aktien gekauft, die am stärksten nachgegeben hatten, denn hier sähen die Anleger das größte Erholungspotenzial. Vor dem Beginn der technischen Erholung hätten Werte wie die T-Aktie die letzten starken Verkaufssignale auch abgearbeitet. Trotzdem könnte sich eine mittelfristige Bodenbildung bei den TMT-Titeln nun über Monate hinziehen, so die Mitarbeiterin der Commerzbank. Unter längerfristigen Aspekten fehlten neue technisch kaufenswerte Titel. Auf europäischer Ebene arbeiteten Fortis an einem solchen Signal, im Dax-100 stünden neu auf der Liste lediglich Altana, dagegen seien aber Buderus auf eine "gute Halteposition" abgerutscht.

Struck rät zum Beobachten der ehemaligen Jahrestiefs von März, April und Anfang August bei 5 351 und 5 385 Punkten. Sollte der Dax diese Lows nicht mehr unterschreiten, könnte aus der technischen Erholung "die Option mehr - also die Trendwende" werden, so der technische Analyst von M.M. Warburg. Die Abwärtswelle auf die neuen Lows sei durch starke Stabilisierungssignale auf Ebene der Candlestickcharts beendet worden und zwar sowohl im Tages- als auch im Wochenchart. Das mache Hoffnung auf ein versöhnliches Jahresende mit Dax-Ständen zwischen 5 600 und 6 000 Punkten, sagte Struck.

Bayer hat die Tiefststände wohl hinter sich

Auf die neuen Tiefs geführt hätten den Dax vor allem die starken Verluste von MLP, Telekom und Bayer, so der Analyst. MLP hätten wenig Gewicht im Dax, damit liege bei Telekom und Bayer sowie den Technologiewerten der Siemens-Familie und SAP nun möglicherweise der Schlüssel für die Zukunft des Dax. Bei Bayer deuteten mehrere Indikatoren daraufhin, dass die Aktie die Tiefststände bereits hinter sich habe. Nun sollten mittelfristig orientierte Anleger abwarten, ob die T-Aktie die Widerstände bei 20,53 Euro und 23 Euro überwinde. "Das wäre der technisch ganz große Befreiungsschlag", so der Mitarbeiter von M.M. Warburg.

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