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Marktumfrage: Noch kein Licht am Ende des Tunnels

Das Frühjahr kommt, doch die versprochene Rally erstickte im Keim. Gewinnwarnungen und die Zinsentwicklung wirken wie Frost im Mai. Die Anleger sind ratlos, die Indizes scheinen nach jedem Schritt vorwärts wieder zwei zurückzugehen. Hoffnungslosigkeit macht sich breit. Speziell am Neuen Markt scheint es keine Rettung mehr vor dem Ruin zu geben. In dieser wenig aussichtsreichen Lage melden sich technische Analysten schonungslos zu Wort.

vwd FRANKFURT. Dieter Schwarz von Dresdner Kleinwort Wasserstein sieht den Dax weiter in einem intakten Abwärtstrend. Florian Englert von Reich AG hält sogar noch ein weiters Abdriften des Marktes in Richtung 5 000 Punkte für möglich. Daher legt Ludwig Gutman von der Bayerischen Landesbank sein Hauptaugenmerk in dem Bärmarkt auf das Erhalten des Anlegerkapitals.

Dieter Schwarz, von Dresdner Kleinwort Wasserstein, sieht in der letzten Dxa-Bewegung keine Trendwende, sondern lediglich eine kurzfristige Erholung innerhalb des intakten Abwärtstrends. Skeptisch stimmt ihn vor allem der nachhaltige Bruch des mehrjährigen Aufwärtstrends. Dies begründet Schwarz mit der Tatsache, dass die Aufwärtstendenz bereits unterhalb der 6 100/6 200 Zähler deutlich an Momentum verlor.

Dow-Jones bleibt Taktgeber

Wichtigster Taktgeber für die europäischen Aktien bleibe aber nach wie vor der Dow-Jones-Index. Insbesondere bei einem Unterschreiten der wichtigen Unterstützung bei 9 700 Punkten müsse man mit einer verstärkten Abwärtsdynamik rechnen. Bei einem Eintritt des skizzierten Negativszenarios sei auch in Euroland mit einem erneuten Kursabschwung zu rechnen, erklärt der Techniker weiter. Wichtige Unterstützungen im Dax seien dann bei 5 350 und 5 100 Punkten auszumachen.

In einer dem Dax vergleichbaren Konstellation befinde sich auch der Euro-Stoxx-50. Kurzfristig überwiegen auch hier die Abwärtsrisiken. Die nächsten Unterstützungen befänden sich bei 4 000/3 870 und 3 600 Punkten. Durch die Koppelung an die weitere Entwicklung der Nasdaq verheisse auch die Aussicht für den Nemax-All-Share nichts Gutes. Kurzfristig würden auch hier die Abwärtsrisiken überwiegen. Allerdings sei der Index extrem überverkauft. Die weitere Entwicklung dieses Marktsegments sei von einer extrem hohen Trendstärke gekennzeichnet. Das ausgeprägte Beharrungsvermögen des Abwärtstrends relativiere die für sich genommen positiv zu wertenden bullishen Divergenzen der Oszillatoren.

Damit stelle sich die aus technischer Sicht wichtigste Frage nach weiteren Unterstützungen. Diese befänden sich im Nemax bei 1 587, 1 500 und 1 200 Zählern. Schwarz rechnet in dieser Range mit einer Bodenbildung des Neuen Markts. Trotz der unverändert bestehenden kurzfristigen Abwärtsrisiken schätzt der Analyst das Chance/Kurspotenzial der europäischen Wachstumswerte im Vergleich zu den Standardwerten für relativ besser ein.

Klassisches Bärenmarktverhalten

Der technische Analyst der Bayerischen Landesbank, Ludwig Gutman, sieht in der Dax-Bewegung nach unten ein klassisches Bärenmarktverhalten. Es sehe ganz danach aus, dass die jüngste Bärenmarkt-Rally mit dem Zurückschnellen an die untere Begrenzung des seit März letzten Jahres gültigen Abwärtskanals zu Ende gegangen sei. Zu den negativen Mustern gesellten sich am Vortag auch noch Verkaufsignale der Kurzfristindindikatoren. Am auffälligsten seien die Muster bei Allianz und der Deutschen Bank. Preussag scheiterten an ihrem Widerstand bei 38 Euro. SAP Vz durchbrachen die Unterstützung bei 120 Euro und nähern sich nun dem zweistelligen Kursbereich, einer Zielregion, die sich aus der großen Doppelspitze aus dem letzten Jahr ergebe.

Langfristig gehe es in einem Bärenmarkt in ersten Linie darum, das Kapital der Investoren zu erhalten. Man müsse sich permanent mit Stopp- Kursen schützen, um mögliche Kursverluste zu minimieren, heißt es weiter.

Florian Englert hat mit dem aktuellen Marktgeschehen keine Probleme. Für den technischen Analysten der Reich AG bleibt das Dax-Ziel bei 5 000 Punkten. Anleger müssten lernen, dass es auch Puts gebe, meint der Techniker. Das Gerangel um die 5 800/5 960er Marke sei eindeutig von den Bären gewonnen worden. Mit dem Rutschen unter die Unterstützung bei 5 800 Punkten bleibe es bei einem intakten Abwärtstrend. Durch die Eröffnung am Berichtstag sei diese Tendenz durch ein weiters Verkaufsignal bestätigt worden.

Die Kurse bewegten sich rasend schnell auf die nächste, wichtige Unterstützung bei 5 175 Punkten zu. Dieses Szenario lasse keine Hoffnung auf eine Trendwende aufkommen. Allerdings schließt Englert eine zehn- bis fünfzehnprozentige Vola-Gegenreaktion nicht aus. Solange die 5 800-Punktemarke verletzt bleibe, gebe es keine Chance auf höhere Kurse im Markt. Auch der Neue Markt zeige keinerlei Stabilisierungs- oder gar Trendwende-Tendenzen. Für den Nemax 50 rechnet Emglert mit rund 1 000 Punkten. Mit dem Hinweis, dass die Marktbereinigung das Beste war, was wir in diesem Markt gebraucht haben, denn die Höchststände vor gut einem Jahr seien zu übertrieben und künstlich gewesen.

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