Marktumfrage: Noch keine nachhaltige Trendwende
Dax zwischen Erholungs-Chance und "Psycho-Falle"

Trotz der gestrigen neuen Jahrestiefststände des Dax wachsen nach Ansicht technischer Analysten die Chancen auf eine Erholung am deutschen Aktienmarkt.

vwd FRANKFURT. Allerdings sollte eine Erholung auch nicht als Trendwende interpretiert werden, meinen übereinstimmend Klaus Tafferner, technischer Analyst von Concord Effekten, Michael Riesner, technischer Analyst der DZ Bank und Wilhelm Schmid von der Hypo-Vereinsbank. Die Grundlage für ein Ende des jüngsten Kursabschwungs werde zunächst lediglich von der überverkauften Lage am Markt geschaffen.

So weist Schmid auf so genannte positive Divergenzen der technischen Indikatoren hin. Trendfolger wie der MACD und Trenddynamik-Indikatoren wie Momentum und RSI bestätigten die derzeitigen Tiefs nicht. Die Put-Call-Ratio der Aktienoptionen zeige, dass der Pessimismus der Anleger viel höher sei als beim Ende des letzten stärkeren Abschwungs im Februar. Damit sei die Chance gut, dass der Dax zwischen 4 600 und 4 700 Punkten zu einer Erholung ansetze. Ob daraus mehr werde als ein sogenanntes Pull-Back an die bisherige Unterstützung bei 4 800, mit einem weiteren Rückschlag im Anschluss, sei aber völlig offen.

Zwischentief bei 4 500 Punkten möglich

Für Riesner überwiegen klar die Risiken. Zwar rechnet auch er mit einem Zwischentief spätestens zum Beginn der kommenden Woche bei etwa 4 500 Punkten, glaubt aber, dass die Erholung danach bei etwa 4 700 Punkten versanden könnte. "Denn der Markt gerät in eine Psycho-Falle, erklärbar aus der Behavioural Finance", so der technische Analyst der DZ Bank. Viele institutionelle Anleger hätten knapp oberhalb von 4 700 Punkten die Aktienquoten hochgefahren und stark gekauft. Sie bekämen nun wegen der neuen Jahrestiefs "Kopfschmerzen". Die Gefahr wachse, dass diese Anleger Bestände abbauten, wenn sich der Dax in einer Erholung wieder ihren Einstandskursen nähere.

Allerdings verbesserten sich auch langsam die strategischen Indikatoren, so Riesner. "Der Pessimismus steigt und die Volatilität steigt", so der Analyst. Die Volatilität misst die Stärke der Ausschläge. Damit sei die Chance gut, dass der "finale Sell-Off", also die letzte Ausverkaufswelle ebenfalls kurz bevorstehe und der Dax Anfang Juli bei 4 300 Punkten seine Tiefststände sehe. Die sich dann anschließende durchgreifende Erholung werde voraussichtlich von Werten angeführt, die sich stärker bewegten als der Markt, also von Werten der Hochtechnologie.

Neuer Tiefpunkt für T-Aktien

Hier könnten Deutsche Telekom dem Gesamtmarkt vorauslaufen und bereits Ende dieser oder Anfang kommender Woche ihr Tief markieren, so Riesner. Die Stimmung für die T-Aktie sei am Boden, viele Anleger warteten nun regelrecht auf einstellige Kurse. Damit sei die Chance da, dass die T-Aktie als einer der ersten Dax-Titel ein markantes Tief mache. Auf Jahresfrist gesehen, könnte die Aktie nach dem Tief 100 Prozent oder mehr zulegen, meint der technische Analyst. Auch Schmid meint, in Erholungen könnten Technologie- und Telekom-Aktien vergleichsweise gut abschneiden.

Tafferner ist da vergleichsweise vorsichtig eingestellt. "Lohnenswert sind nur Aktien mit guten Indikatoren und einer ausgeprägten Relativen Stärke", so der technische Analyst von Concord. Und solche Aktien seien derzeit Mangelware. Tafferner rechnet weiterhin mit einem Rückschlag des Dax bis auf 4 185 Punkte und hat dafür zwei Szenarien. Zum einen könnte der Dax bei etwa 4 633 Punkten zu einer Erholung ansetzen, die ihn Richtung 5 140 führen könnte. Das neue Jahres-Tief sei erwartet worden und könnte in einer sogenannten Bären-Falle aufgelöst werden - da wären die Pessimisten zunächst auf dem falschen Fuß erwischt.

Die 4 633-er Marke sei wichtig, da sie den gesamten Anstieg seit September zu 38,2 Prozent korrigieren würde, und erfahrungsgemäß drehten da häufig die Kurse. Die Toleranz für dieses Szenario mit einer kräftigen Erholung reiche bis 4 521 Punkte. Sollte der Markt durch diese Marke fallen, könnte der Dax sehr schnell die Zielzone bei 4 185 Punkten sehen, so der technische Analyst. In diesem Fall wäre die Baisse für ihn beendet. Für wahrscheinlicher hält er aber eine Erholung Richtung 5 140 und danach einen erneuten Rückschlag unter die aktuellen Tiefs. Nach einer neuen Zwischen-Erholung im Umfeld der Bundestagswahlen sollte sich dann der Fall auf das Ziel bei 4 185 Punkten erst im November anschließen, so Tafferner.

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