Marktumfrage
Technische Analysten sehen den Boden im Dax erreicht

In einer Zeit, in der die Stimmung auf dem Nullpunkt angelangt ist und kaum ein Licht am Ende des Tunnels zu sein scheint, rechnen technische Analysten mit einer Stabilisierung, einige sogar mit einem jähen Ende der Abwärtsbewegung an den weltweiten Aktienmärkten. Dietmar Rübsamen, Chef der technischen Analyse von Delbrück, sieht für den Dax gute Chancen, sich aus dem Sumpf zu befreien und eine Rally zu starten. Dennoch sieht er die technischen Indikatoren noch nicht als reif genug an, um eine Trendumkehr vorherzusagen.

vwd FRANKFURT. Dieter Schwarz, Cheftechniker bei DresdnerKleinwort Wasserstein, sieht nach wie vor die Gefahr eines Durchbruchs durch die Unterstützung bei 6 100 Punkten, rechnet aber eher mit einem Anstieg des Index. Ludwig Gutmann von der Bayerischen Landesbank sieht den Dax allerdings noch immer in seiner Abwärtsbewegung gefangen, baut aber auf eine Tradingrally.

Laut Rübsamen sieht es für den Dax momentan ganz gut aus. Der Markt habe sich bisher nach unten bewegt und folge seinem vorhersehbaren Abwärtstrend. Auch habe er am 23. Februar das alte Tief bei 6 110 Punkten vom 21. Dezember letzten Jahres unterschritten. Diese Unterschreitungen seien allerdings nur kurzfristiger Natur gewesen und werden von den Kerzencharts als "verteidigtes Tief" erkannt. Auch habe der Dow Jones seine Unterstützung bei 10 300 Punkten verteidigt. Über der 10 700er-Marke liefere er sogar ein Kaufsignal. Nur bei einem Bruch der Unterstützung und einem Durchrutschen durch die 10 300/200er-Marken trübe sich das Bild erheblich ein, erklärt der Analyst.

Ein ähnliches Bild zeichne sich bei der Nasdaq ab. Ihre "fette" Unterstützung liege bei 2 028 Punkten, dem Hoch vom Juli 1998. Auch hier sollte der Index spätestens zur Ruhe kommen. Die Bewegung der "New Economy" sei entscheidend. Der Markt habe einen guten Ansatz zu einer Bodenbildung am 23. Februar gebildet, die leider nach unten aufgelöst wurde. Da sich die Dynamik aber deutlich verlangsamt habe, sehe es nicht nach einer Fortsetzung des Bärmarktes aus.

Indikatoren überverkauft



Rübsamen erklärt weiter, daß die Indikatoren so überverkauft seien wie seit langem nicht mehr. Auch die Indikatoren- und die Sentimentanalyse zeigten ein selten düsteres Bild. Von daher könne es durchaus zu einer abrupten Gegenbewegung nach oben kommen. Man könne es auch vereinfacht ausdrücken: High Techs nach oben, Aktienmärkte nach oben. Ob es sich um einen mittelfristigen Bullenmarkt handele oder eine Bärmarktrally sei aber noch nicht abzusehen. Die erwartete Aufwärtsbewegung solle allerdings bis ins zweite Quartal hinein laufen. Man könne durchaus mit strategischen Käufen im TMT-Sektor beginnen, kommentiert der Delbrück-Analyst weiter.



Rübsamen empfiehlt, die Aktien zu bevorzugen, die keine neuen Tiefs in der Abwärtsbewegung gemacht hatten, also relative Stärke zeigten. Das seien beispielsweise Philips, Telefonica und KPN sowie die Siemensfamilie. Siemens und Infineon sehen sehr gut aus, Epcos nur mit Abstrichen, ergänzt Rübsamen. Aber auch die Deutsche Telekom stehe kurz vor einem Kaufsignal. Sein Kursziel liege bei rund 35/36 Euro, was bei einem momentanen Kurs von 29,20 Euro recht ordentlich sei. Auch bewertet er das Umfeld für Europa relativ optimistisch. Die Euro-Entwicklung sieht er positiv in Richtung 0,96/0,97 Euro/$. Er rät, dennoch Stop-Loss-Limits zu setzen und dringend auf die Unterstützung des Dow Jones bei 10 300 Punkten zu achten. Bei einem Durchbruch sollte man seine Position absichern oder das Stop-Loss greifen lassen.

Etwas skeptischer, aber im Grundton ebenfalls optimistisch, zeigt sich Dieter Schwarz von DresdnerKleinwort Wasserstein. Seiner Meinung nach kämpft der Dax mit seiner Schlüsselunterstützung. Die spannendste Frage aus technischer Sicht laute weiterhin, ob sich der Dax oberhalb seines nunmehr mehrfach angetesten "Key-Supports" - der 6 100er Marke - nachhaltig stabilisieren könne. Die in der vergangenen Woche erfolgte Seitwärtsbewegung müsse jedoch zunächst vor dem Hintergrund der zuvor erfolgten starken Abwärtsbewegung gesehen werden, die den Index in eine extrem überverkaufte Lage gebracht hätte, erklärt Schwarz weiter.

Erste Anzeichen für Umkehr vom Abwärtstrend



Gleichzeitig sei mit der hohen Abwärtsdynamik ein Verlassen des Abwärtstrendkanals nach unten einhergegangen. Durch die derzeitige Stabilisierung bewege sich die deutsche Benchmark somit lediglich in ihren seit vier Wochen bestehenden Abwärtstrendkanal zurück. Deshalb wertet der Analyst diese Stabilisierung bisher nur als technische Reaktion. Auch der MACD liefere noch keine positiven Signale.

Ein erstes Anzeichen für eine mögliche Umkehr des kurzfristigen Abwärtstrends sieht Schwarz in der bisher erfolgreichen Verteidigung der 6.100-er-Marke. Neue Positivsignale ergeben sich jedoch erst bei einem Überschreiten der Abwärtstrendlinie, die bei 6 370 Punkten verlaufe, konstatiert der Analyst von DresdnerKleinwort Wasserstein. Bei einem bullishen Überschreiten ergebe sich weiteres Potenzial bis in den Widerstandsbereich bei 6 700/6 800 Punkten. Umgekehrt drohe bei einem signifikanten Unterschreiten von 6 075 Punkten ein weiterer Kursrückgang bis an die untere Grenze des langfristigen Abwärtstrendkanals bei 5 700 Punkten. Auch Ludwig Gutmann von der Bayerischen Landesbank sieht den Dax noch immer in seinem Abwärtstrend, der seit März 2000 Bestand habe. Daher gelte es vor allem, das Kapital des Anlegers zu erhalten. Deshalb sei es unerläßlich, mit Stop-Loss-Limits zu arbeiten. Für tradingorientierte Anleger empfiehlt der Analyst kürzlich eingegangene Positionen zu halten. Der Markt sehe gut aus, erklärt Gutmann. In Europa habe es am Vortag ein bestätigendes "harami" bei der Stoxx-Familie gegeben. Auch seien die Vorgaben aus den USA positiv, heißt es weiter. Beim S&P-500 zeichne sich ein kleiner Boden in Form eines "W" ab.

Diese Möglichkeit bestünde nun auch im Dax. Der Neue Markt gerate ebenfalls in eine Situation, die mit der Ende Februar vergleichbar sei. Damals bildete sich eine umgekehrte Schulter-Kopf-Schulter Formation aus. Allerdings seien die Kurse am 27. Februar an der Nackenlinie gescheitert. Momentan sehe es so aus, als ob die Nackenlinie überwunden werden könne. Für kurzfristig orientierte Naturen sei dies eine gute Kaufchance. Das Stopp-Loss solle man gleichzeitig unterhalb der Nackenlinie einziehen. Als Einzeltitel erwähnen die Bayern die Aktien der Deutschen Telekom, die bereits über ihre Nackenlinie gesprungen seien.

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