Marode Infrastruktur
Die Bundeswehr kämpft gegen Bakterien und Mikroben

Vor allem im Westen der Republik herrscht in vielen Kasernen erheblicher Sanierungsbedarf. Die ersten Truppenküchen mussten auf Anordnung der Gesundheitsbehörde bereits geschlossen werden.

BERLIN. Der junge Wehrpflichtige ist ein wenig desillusioniert, aber anmerken lassen will er sich das auf keinen Fall. "Schon in Ordnung" sei sein Job, sagt der 20-Jährige. Bis zu seiner Einberufung arbeitete er in einem Ein-Sterne-Restaurant in Frankreich, nun schiebt er Dienst in der kargen Truppenküche der Julius-Leber-Kaserne in Berlin. "Ich bin zufrieden", sagt der Koch-Soldat.

Das können seine Kollegen in Oldenburg gerade sicher nicht von sich behaupten. Drei Truppenküchen gab es dort - bis die Gesundheitsbehörde sie etwas genauer unter die Lupe nahm: "Alle drei Küchen sind vom Veterinär geschlossen worden, weil der bauliche Zustand es nicht zuließ, Essen zu kochen, das für den menschlichen Verzehr bestimmt ist", gab der CDU-Abgeordnete Thomas Kossendey vor zehn Tagen im Bundestag zu Protokoll.

Das sei keine Fürsorge, "wie wir sie uns vorstellen", schimpfte der Parlamentarier. Immerhin sei die in Oldenburg stationierte Luftlandebrigade 31 eine der ersten, die in den Einsatz geschickt werde, wenn es irgendwo auf der Welt brenne. Und ausgerechnet diese Elitetruppe müsse in den nächsten fünf Jahren aus Küchencontainern verpflegt werden, weil kein Geld für eine neue Küche da sei, so Kossendey.

Die Zustände in Oldenburg seien kein Einzelfall, kritisiert auch die SPD. Und: "Das Problem ist nicht auf Truppenküchen beschränkt", heißt es bei der oppositionellen FDP. Viele Kasernen vor allem im Westen der Republik gäben ein Bild des Jammers ab. "Es zwickt und zwackt bei uns", urteilt der Liberale Rainer Stinner. Im Bericht des Wehrbeauftragten Reinhold Robbe steht, wo genau es zwickt und zwackt: Von "schlechtem baulichen Zustand", "erheblichen Mängeln", "veralteter Bausubstanz", "Hygienemängeln", "Schimmelbildung" oder gar "Legionellenbefall" ist dort die Rede. Der in den letzten Jahren aufgelaufene Sanierungsbedarf müsse dringend abgearbeitet werden, mahnt der Wehrbeauftragte.

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