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Marr grasen einige Festivals ab

Hamburg (dpa) - Das junge Hamburger Label Grand Hotel Van Cleef hat ein Händchen für aufregende Bands, die immer wieder den Indie-Himmel hell erleuchten. Marr ist eine dieser Kapellen. «Express And Take Shape» heißt das im Februar erschiene Debüt-Album von Marr, die jetzt auf einigen kleineren Festivals etwas für den Sommer tun wollen.

Hamburg (dpa) - Das junge Hamburger Label Grand Hotel Van Cleef hat ein Händchen für aufregende Bands, die immer wieder den Indie-Himmel hell erleuchten. Marr ist eine dieser Kapellen. «Express And Take Shape» heißt das im Februar erschiene Debüt-Album von Marr, die jetzt auf einigen kleineren Festivals etwas für den Sommer tun wollen.

Marr klingen auf ihrem Album-Debüt wie eine Band, deren Mitglieder den musikalischen End-80er-Weg abseits des Rock-Mainstreams beschritten, Hardcore, Post - und Postpost-Hardcore aufgesaugt haben und die damals so fruchtbare AJZ-Konzerte-Landschaft schließlich haben veröden sehen. Erwachsen geworden sind die Hamburger dabei offenbar mit Würde.

Man verzichtet bei Marr auf sentimentale Wiederbelebungsversuche: «Express And Take Shape» will kein Nachruf auf den alten Sound of the Suburbs sein, eher ein Ausblick und Vorgeschmack auf das, was passieren könnte, wenn Bands auch hier zu Lande groß - also international - denken und den Begriff Indie-Rock als Genre-Bezeichnung, nicht als Rand-Standort oder Lokalmatadorentum, begreifen.

«Express And Take Shape» ist ein durchaus interessantes Debüt im breiten Strom aktueller deutscher Veröffentlichungen, aber es ist kein griffiges oder allzu leicht zugängliches Album. An Jan Elbeshausens Gesang könnten sich die Geister scheiden, denn der gibt Emo eine neue Klangfarbe: Elbeshausen klingt oft atemlos und getrieben, verzichtet auf das schludrige Pathos, mit dem Emo einst seine Betroffenheitskeule schwang. Oft erinnert der Gesang an The Mars Voltas Cedric Zavala in einer weniger exaltierten und trockeneren Version. Zum kollektiven Mitsingen lädt Marrs Stimme nicht unbedingt ein.

Die wahren Hooks liefert die Lead-Gitarre. Dennis Becker, der wie Marr-Bassist Olli Koch auch beim Ghvc-Aushängeschild Tomte spielt, steuert die klaren Gitarren-Melodien bei, die als einziges sehr sachte poppendes Moment dem Biss der manchmal noisigen Stücke ein wenig Schärfe nehmen.In einer Zeit, in der selbst der Underground auf Eingängiges und Gefälliges setzt, verströmen Marr einen eigenen, stellenweise auch etwas introvertierten Exotismus.

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