Marsh on Monday
Auf Europa angewiesen

Die britische Wirtschaft steht gut da, der europäische Aufschwung zieht das Königreich mit. Und auch wenn Großbritannien den Euro verschmäht, profitiert es von der Wechselkurskonstellation. Aus ökonomischer Sicht ist es längst Teil des Festlandes.

LONDON. Eine überraschend positive Nachricht für die britische Volkswirtschaft: Allen Hiobsbotschaften zur Deindustrialisierung zum Trotz belegt Großbritannien 2006 den sechsten Platz in der Weltrangliste der verarbeitenden Industrie. Nur die USA, Japan, China, Deutschland und Frankreich verfügen laut der amerikanischen Unternehmensberatung Global Economics über eine höhere Wertschöpfung in der Verarbeitung. Auch die Zukunft sieht einigermaßen rosig aus.

Entgegen den Vorhersagen eines unaufhaltsamen Verfalls der Preise für Dienstleistungen wird Großbritannien nach Einschätzung der Beratungsfirma im Jahre 2006 bei Dienstleistungen den achten Platz im internationalen Ländervergleich behaupten. Von den aufstrebenden Volkswirtschaften werden in zwanzig Jahren in Sachen Verarbeitung „nur“ Indien und Südkorea die Briten eingeholt haben.

Außerdem profitiert Großbritannien ungemein vom Aufschwung im Euroraum. Im vergangen Jahr hat Frankreich laut der britischen Handelsbilanzstatistik die bisherige Position Deutschlands als zweitgrößtes Kundenland für britische Waren übernommen. Auf dem ersten Platz bleiben weiterhin die USA. Grund für den französischen Aufstieg: überraschend stark gestiegene Exporte der Briten Richtung Kontinentaleuropa.

Auch wenn das Königreich den Euro verschmäht, profitiert es von der Wechselkurskonstellation. Der außenhandelspolitische Schwerpunkt Großbritanniens liegt weiterhin auf dem Kontinent. Die britischen Exporte nach Deutschland und Frankreich übertreffen für jedes Land die gesamten britischen Exporte in Richtung Australien, Brasilien, China, Indien, Kanada, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea, Taiwan und die Türkei.

Großbritannien ist weit mehr auf den Euroraum angewiesen als Deutschland. Im letzten Jahr gingen 55 Prozent des britischen Gesamtexports an die Mitglieder der Währungsunion; 50 Prozent der Importe kommen aus diesen Ländern. Deutschland dagegen wickelt nur 42 Prozent seiner Ausfuhren und 39 Prozent der Einfuhren mit den restlichen Euroländern ab. Auch wenn viele Beobachter dies nicht wahrhaben wollen: aus ökonomischer Sicht ist Großbritannien längst Teil des Festlandes.

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