Marsh On Monday
Aus Pannen lernen

Der Black Wednesday - ohne den schlimmsten britischen wirtschaftspolitischen Rückschlag seit dem Zweiten Weltkrieg gäbe es heute keine operative Unabhängigkeit der Bank of England. Nun wurde das Schreckensszenario des 16. September 1992 analysiert. Was wir heute davon lernen können.

HB. Als Charles Coombs, ehemaliger Chef der Devisenabteilung der New York Federal Reserve Bank seine Memoiren verlegte, hat er einen Satz des schwedischen Staatsmannes Axel Oxenstierna zitiert: "Du weißt nicht, mein Sohn, mit wie wenig Weisheit die Welt reagiert wird." Wie zeitgemäß solche Sprüche noch sein können wird einem deutlich vor Augen geführt, wenn man die Chronik des Abgangs des britischen Pfundes am 16. September 1992 ( dem so genannten Black Wednesday) aus dem europäischen Währungssystem (EWS) analysiert.

Ein Seminar vergangene Woche in London zu den Ereignissen von Black Wednesday hat genau festgestellt, wie es zu diesem seit dem Zweiten Weltkrieg schlimmsten britischen wirtschaftspolitischen Rückschlag gekommen ist - und was wir heute davon lernen können.

Eine schier unglaubliche Serie an Pannen und Fehleinschätzungen hat zu den Ereignissen geführt. Die britische Regierung war im Oktober 1990 dem EWS-Wechselkursverbund beigetreten, ohne die Wahrscheinlichkeit einer deutlichen Zinserhöhung seitens der Bundesbank infolge der deutschen Wiedervereinigung zu berücksichtigen. In den Tagen vor Black Wednesday hatte die Kommunikation zwischen britischem Schatzamt, Bank of England und Bundesbank fast gar nicht funktioniert. Milliardensummen an Währungsreserven sind durch automatische Notenbankinterventionen verpulvert worden, um einen unrealistischen Pfund-Wechselkurs zu verteidigen.

Wichtige Folgerungen für die heutige Währungspolitik lassen sich daraus ableiten. Ohne die Pannen von Black Wednesday hätte Großbritannien die (relativ erfolgreiche) operative Unabhängigkeit der Bank of England mit einer auf Inflationszielen basierten Geldpolitik nicht eingeführt. Doch die schlechten Erfahrungen des EWS stellen für die britische Politik nach wie vor eine offene Wunde dar. Großbritannien geht davon aus, dass die Abschaffung der europäischen Wechselkurse durch den Euro das Potenzial zu volkswirtschaftlichen Verzerrungen erzeugt, die über kurz oder lang zum Auseinanderbrechen des Systems führen können. Um die Herausforderungen der Globalisierung zu bestehen, werden die Briten weiterhin eine flexible Wechselkurspolitik betreiben. Zumindest für die nächsten 10 bis 15 Jahre kommt damit ein Beitritt in den Euroraum gar nicht in Frage.

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