Marsh on Monday
Barbaren und Boni

Die Vorstandsboni steigen exkessiv – ein Zeichen, dass Public und Private Equity nicht mehr getrennt sind. Die Aktionäre sind verärgert über den warmen Geldregen; Fonds-Gesellschaften beklagen eine wachsende Kluft zwischen Manager-Bezügen und tatsächlich erbrachter Leistung.

LONDON. Leistung soll sich lohnen. So lautet die Devise der Londoner City. In Einklang mit den sprunghaft gestiegenen Aktienkursen der letzten Jahre wurden die Vorstandsboni bei Unternehmen kräftig erhöht. Allerdings hat dieser Trend mittlerweile etwas Exzessives. Eine Folge der immer stärker werdenden Verbindungen zwischen den nicht mehr getrennten Welten der Public und der Private Equity.

Jüngste Beispiele werden von drei britischen Spitzenunternehmen geliefert: Die Supermarktkette Tesco, der Pharmakonzern AstraZeneca und Cable & Wireless aus der Telekommunikationsbranche. Alle drei Fälle zeigen, wie Managementpraktiken aus der Private Equity-Szene auf die Leistungsträger der notierten Unternehmen übergreifen. Es gibt einen einfachen Grund dafür: ein Übermaß an Liquidität bei den Beteiligungsgesellschaften. Diese sind in der Lage, im Zuge ihrer Übernahmebestrebungen den Chefs notierter Unternehmen mit lukrativen Geldangeboten den Kopf zu verdrehen. Die Reaktion: Deutlich steigende Bezüge bei den Top-Unternehmen, weil diese Angst bekommen, ihre besten Manager zu verlieren.

Tesco-Chef Terry Leahy bekäme zum Beispiel 17 Mill. Euro in zusätzlichen Aktien, sollte er bestimmte Zielvorgaben bei der Ausdehnung seiner Supermärkte in die USA erfüllen. Richard Lapthorne, Chairman von Cable & Wireless, würde an einem 300-Millionen-Euro schweren Bonusprogramm für Konzern-Manager teilhaben – obwohl solche zusätzliche Prämien für einen Non-Executive-Chairman bisher nicht dem britischen Gepflogenheiten entsprechen. Wie Manager die Fronten wechseln können, wird bei AstraZeneca deutlich: Finanzvorstand Jon Symonds gönnt sich einen neuen Investmentbanking-Job bei Goldman Sachs. Sein künftiger Arbeitsbereich? Die Einbringung von Private Equity in den Pharmasektor.

Die Aktionäre sind verärgert über den warmen Geldregen; Fonds-Gesellschaften beklagen eine wachsende Kluft zwischen Manager-Bezügen und tatsächlich erbrachter Leistung; Verfechter von Shareholder Value werden von dunklen Ahnungen geplagt. Die überdimensionierten Boni-Angebote weisen tatsächlich auf Tendenzen zur Marktüberhitzung hin, die in Kürze in einer kräftigen Baisse enden könnte. Genau so exzessiv haben sich nämlich die alten Römer verhalten, kurz bevor die Barbaren kamen.

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