Marsh on Monday
Beeilt euch, Urlauber

Der Höhenflug des Pfundes setzt sich fort - zumindest für einige Wochen. Die erneute Erhöhung des Leitzinses der Bank of England auf nunmehr 5,75 Prozent untermauert die erstaunliche Solidität der britischen Währung. Gegenüber dem Dollar erklimmt das Pfund den höchsten Punkt seit nunmehr 26 Jahren.

LONDON. Bereits seit mehr als vier Jahren verfestigt sich das Pfund Sterling gegenüber dem Euro. Das ist umso bemerkenswerter, denn auch die Eurowährung präsentierte sich zuletzt äußerst stabil.

Trotz eines sich ausweitenden britischen Leistungsbilanzdefizits bewegt sich das Pfund innerhalb einer engen Bandbreite rund um 1,47 Euro. Dies entspricht fast genau dem Leitkurs von 2,95 DM, bei dem das Pfund im Oktober 1990 dem europäischen Wechselkursmechanismus beigetreten ist. Im September 1992 schieden die Briten dann mitten in einer Devisenmarktkrise wieder aus. Das Ergebnis war eine kräftige, für die Volkswirtschaft vorteilhafte Pfund-Abwertung, die dann gegen Ende des letzten Jahrzehntes in eine mäßige Erholung mündete

Steht nun jetzt eine weitere Etappe in der Auf- und Ab-Geschichte bevor? Laut Berechungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat die britische Wirtschaft seit 2000 15 Prozent an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Deutschland eingebüßt. Gewiss weniger als Italien und andere durch den Euro mit Deutschland verbundene EU-Mitglieder, aber zu viel für die Not leidenden britischen Exporteure. Das britische Leistungsbilanzdefizit beläuft sich 2007 laut OECD auf 3,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes im Vergleich zu 2,5 Prozent in Italien und 1,0 Prozent in Frankreich. Deutschland erwirtschaftet einen Überschuss von 6,7 Prozent.

Die Wahrscheinlichkeit, dass das Pfund wie nach 1992 einen dramatischen Kursverfall erlebt, ist gering. Die Bank of England wird im Verlauf der Sommermonate die Zinsen wahrscheinlich noch ein Mal erhöhen, um die Inflationsrisiken zu dämpfen. Danach aber könnte es doch zu einer Kurskorrektur kommen. Englische Auslandsurlauber sollten den Kaufkrafteffekt des starken Pfundes weiterhin voll ausnutzen. Bereits im nächsten Sommer könnte der Spaß vorbei sein.

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