Marsh on Monday
Britische Vorsicht

Die britischen Verbraucher sind alles andere als kaufmüde. Dennoch dürfen sich die britischen Einzelhandelskonzerne nicht ausschließlich auf ihren starken Heimatmarkt verlassen. Führende Firmen wie Tesco haben deshalb bereits den Weg nach China angetreten.

Das Weihnachtsgeschäft hat sich besser als erwartet entwickelt, und trotz gestiegener Zinsen drängen die legendär mit Konsumentenkrediten aufgepumpten Kauflustigen weiterhin in die Hauptstraßen. Die Verdoppelung des Aktienkurses in den letzten zwölf Monaten bei der Galionsfigur der britischen Kaufhausszene, Marks & Spencer, erklärt sich freilich durch die selbstsichere Führung des Vorstandschefs Stuart Rose. Doch ohne die berühmte Widerstandsfähigkeit der britischen Konsument(inn)en wäre sie ganz und gar unmöglich.

Aber ein positiver Rückblick auf 2006 nutzt dem Einzelhandel wenig. Gleichwohl bietet eine Position der Stärke auf dem Heimatmarkt die richtige Plattform, um auf neue Ufer zu schauen. Die britischen Retailkonzerne nutzen diese Gunst der Stunde, um ihre Machtstellung und Erfolgsbasis außerhalb der Insel auf die schnell wachsenden Ökonomien – vor allem China – auszudehnen. Auch wenn die neuen Initiativen mit Risiken behaftet sind: Die Investoren wissen, dass dieser Weg der richtige ist.

Führende Firmen wie Tesco and Kingfisher B&Q haben den Weg in den chinesischen Markt bereits eingeschlagen. Soeben hat auch der größte, durch eine Fusion im letzten Jahr zwischen Boots und Alliance Unichem entstandene britische Pharma-Händler und Retailer Alliance Boots seine ersten Schritte in das Land der Mitte angekündigt. Der 38 Millionen Pfund schwere Deal mit Guangzhou Pharmaceuticals Corporation ( GPC) spiegelt eine kluge Kombination aus strategischer Weit- und kaufmännischer Vorsicht wider. Für Unternehmen, die auf dem chinesischen Markt Fuß fassen wollen, ist dieser Ansatz exemplarisch.

Durch eine fünfzigprozentige Beteiligung an GPC erhält Alliance Boots Zugang zum Apothekensektor in der reichen Provinz Guangdong und bekommt Rückendeckung durch eine Partnerschaft mit einer im Nasdaq notierten chinesischen Pharma-Marketinggesellschaft, die gleichzeitig indirekter Aktionär von GPC sein wird. Auf etablierten Märkten, wo Unternehmen auf Kontrollmehrheiten pochen, mag eine Politik verschachtelter Querbeteiligungen verpönt sein. In China scheint dies ein vernünftiger Weg. Wachstumsausschöpfung und Risikobegrenzung dürften sich die Waage halten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%