Marsh on Monday
China-Test steht bevor

Die letzten fünf Jahre waren für die Notenbanker keine einfache Zeit, die nächsten fünf werden noch gewaltigere Herausforderungen mit sich bringen. Diese Vorhersage stützt sich auf eine wahrscheinliche Veränderung bei den Grundzügen der chinesischen Volkswirtschaft.

Im vergangenen Jahrzehnt ist die Welt - trotz stark gestiegenen Ölpreises - in die Gunst einer schwächeren internationalen Inflationstendenz gekommen. Dieser Globalisierungsbonus ist aufgrund eines permanenten, durch preiswerte Importe aus China verursachten Angebotsdrucks entstanden.

Der Angebotsdruck könnte aber in den kommenden Jahren einem Nachfragüberschuss weichen, wenn die Binnenkonjunktur in China deutlich anspringt. Bereits jetzt zeichnet sich eine Beschleunigung der chinesischen Exportpreise an. Von Asien ginge dann kein Verbilligungs-, sondern ein Teuerungseffekt aus. Erhöhte Preissteigerungstendenzen im internationalen Umfeld untermauern die Grundannahme, dass die Bereitschaft der Notenbanken zu Zinserhöhungen tendenziell eher zunehmen wird.

Der Europäischen Zentralbank kann es im Interesse der Inflationseindämmung gelegen sein, eine weitere Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar hinzunehmen oder sogar herbeizuführen. Eine weitere Verstärkung des Reservewährungsstatus des Euros könnte Ursache sowie Folge dieser Aufwertung sein. Entschieden sich die Chinesen, einen größeren Anteil ihrer massiven Deviseneingänge in Euro statt Dollar zu halten, käme eine für die US-Währungsbehörden eher zufriedenstellende Konstellation zustande. Eine zusätzliche Verteuerung des Euros und eine Verbilligung des Dollars gegenüber dem Yuan wären die Ergebnisse.

In Europa wird eine weitere Euro-Aufwertung zu unterschiedlichen Reaktionen führen. Angesichts ihrer sich stärkenden Binnenkonjunktur und ihres extremen Leistungsbilanzüberschusses werden sich die Deutschen einem noch teureren Euro nicht widersetzen; in Paris dagegen wird ein Sturm der politischen Entrüstung ausbrechen. Dann erst recht gewännen die Forderungen des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy an Gewicht, die EZB möge die Zinsen bitte doch senken, anstatt sie heraufzusetzen. Ob unter diesen Bedingungen der EZB-Rat einem massiven Zinssenkungsdruck aus dem Élysée-Palast standhalten kann, wird sich vermutlich 2008/09 zeigen.

David Marsh ist Berater und Banker in London.

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