Marsh on Monday
Das Nein der Lords

Auch Adelige können kleinkrämerisch handeln. Im feinen Oberhaus des britischen Parlaments sitzen die Lords John und David Sainsbury und verteilen an die hohen Herren der Private-Equity-Branche Ohrfeigen, von denen sich die Finanz-Szene so schnell nicht erholen dürfte.

LONDON. John und David Sainsbury sind zwei hoch gewachsene Cousins, Nachkömmlinge einer Einzelhändlerfamilie, die es zu Ruhm und Reichtum gebracht hat. Die streitbaren Lords besitzen mehr als zehn Prozent des vom Urgroßvater gegründeten Retail-Unternehmens J. Sainsbury. Und sie weigern sich beharrlich, ein lukratives Übernahmeangebot von einigen der größten und erfolgsverwöhntesten Beteiligungsgesellschaften der Welt anzunehmen.

In den letzten 30 Jahren haben erst John und dann David als Vorstandsvorsitzende des traditionsreichen Konzerns Sainsbury fungiert. John war stets leistungsfähiger als sein jüngerer, etwas schüchterner Cousin. John ist Tory und wettert gegen den Euro. David hingegen ist intellektueller Labour-Anhänger, wirkte acht Jahre lang eher leise als Forschungsminister unter Tony Blair, bis er im Februar zurücktrat. David Sainsbury wollte sich wieder um sein privates Vermögen und seine lieb gewonnene Stiftungsarbeit kümmern.

Für die Private-Equity-Firmen, die sich für das Sainsbury-Filialnetz mit einem Immobilienwert von rund 7,5 Milliarden interessierten, war die Rückkehr seiner Lordschaft in die Geschäftswelt wenig hilfreich. Andere Familienmitglieder hatten in den letzten Jahren Aktien zu einem Kurs von unter vier Pfund verkauft. Die Beteiligungsfirmen boten 5,82 Pfund pro Aktie an, was einer Marktkapitalisierung von elf Mrd. Pfund entspricht. Das ist viel, aber offenbar nicht genug. David und John winkten ab und setzten den Preis auf sechs Pfund herauf. Die Familie ließe sich nicht auf ein „typisches Private-Equity-Spielchen“ ein. Das Management sei im Stande, durch eigenes Schaffen denselben Wert zu erzielen, hieß es. Jetzt warten die anderen Aktionäre genervt ab, ob die beiden diese Versprechung einhalten können.

Im House of Lords herrscht derweil Entspannung. Dass das Oberhaus an Finanzleute veräußert und dann im Sale-und-leaseback-Verfahren zurückgemietet wird, gilt als höchst unwahrscheinlich.

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