Marsh on Monday: Der zweite Mauerfall

Marsh on Monday
Der zweite Mauerfall

Der Blick aus London auf das deutsche Bankwesen sah mit dem Dreisäulensystem eine Abstufung, die nicht mehr zeitgemäß war. Die Veräußerung der absoluten Mehrheit der Anteile der Landesbank Berlin wird nun jedoch als ein Zeichen gewertet – für den richtigen Weg.

Überall in Europa werden die Grenzen durchlässiger – auch in Deutschland. Am Londoner Finanzmarkt gilt das rigide Beharren auf das Dreisäulensystem im deutschen Bankwesen seit längerer Zeit als nicht mehr zeitgemäß. Durch den jetzt entfesselten internationalen Bieterkampf um den 81-prozentigen Anteil des Landes Berlin an der Landesbank Berlin (LBB) bröckeln die Demarkationslinien zwischen den privaten, genossenschaftlichen und öffentlich-rechtlichen Geldinstituten doch endlich ab.

Es wird jedoch keine Revolution über Nacht erwartet. Falls unter den bisherigen 19 Anbietern der Deutsche Sparkassen- und Giroverband den höchsten Kaufpreis entrichtet, kann die Landesbank Berlin sogar innerhalb des Sparkassenlagers bleiben – sicherlich auch eine honorable Lösung.

Hauptsache ist: Von jetzt an herrschen die Regeln der Marktwirtschaft. Das vielfältige Interesse amerikanischer Private Equity Firmen lässt vermuten, dass über kurz oder lang die LBB an einen privatwirtschaftlichen Eigentümer, möglicherweise mit einem öffentlichen Institut verbunden, übergehen wird. Damit wird der Pfad in Richtung einer überfälligen Konzentrierung des deutschen Bankensystems geebnet. Die Schlacht um Berlin markiert den Anfang des Endes der deutschen finanzwirtschaftlichen Kleinstaaterei. Dadurch wird die nationale wie internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Banken verstärkt.

Über viele Jahre hinweg wurden von den Verfechtern des Status Quo die Vorteile der breitflächigen Kundenversorgung durch die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute maßlos übertrieben. An dieser Mythologie zu rütteln kam einer Kapitalsünde gleich.

In der jetzigen Welt sind nicht mehr die reinen Mechanismen der Kreditgewährung sondern viel mehr die Instrumente der Kapitalmärkte für Wirtschaft und Wachstum ausschlaggebend. Nicht die quantitative Vielfalt der Banken sondern deren qualitative Stärke ist von Belang. Alle anderen maßgeblichen Ökonomien in Europa – von Großbritannien bis Italien, von Spanien bis zur Schweiz – haben dies kapiert und ihre Bankensysteme entsprechend konsolidiert und auch verstärkt. Mit dem Fall einer neuen Mauer in Berlin ist jetzt auch Deutschland an der Reihe.

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