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Deutschland zeigt Stärke

Anfang der 90er-Jahre wurde das Netto-Auslandsvermögen vom damaligen Bundesbankpräsidenten Hans Tietmeyer als „Reservearmee für die Wiedervereinigung“ bezeichnet. Diese Finanzmittel wurden nach der Wiedervereinigung wirklich beinahe verbraucht. Nun jedoch dreht sich diese Tendenz wieder.

Alt-Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer hat vor 15 Jahren das bundesdeutsche Netto-Auslandsvermögen von damals 500 Mrd. D-Mark als „Reservearmee für die Wiedervereinigung“ bezeichnet. Tietmeyer ahnte seinerzeit, dass die Wiedervereinigung die Deutschen finanziell teuer zu stehen kommen würde. Tatsächlich ist in den zehn Jahren nach dem Fall der Mauer das deutsche Netto-Auslandsvermögen fast vollständig aufgebraucht worden.

Derzeit erleben wir eine Trendumkehr: Auf Grund einer starken Zunahme der deutschen Wettbewerbsfähigkeit sind die Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse deutlich angewachsen. Dabei erweist sich der Handel mit den seit Ende 1998 einem festen Wechselkursverbund angeschlossenen Mitgliedern der europäischen Währungsunion als besonders fruchtbar. Auch wenn der Handelsbilanzüberschuss 2006 auf Grund der inländischen Konjunkturerholung unter der Marke von 2005 bleibt, liegt er mit voraussichtlich knapp 150 Mrd. Euro weiterhin auf hohem Niveau. Bis Mitte 2006 hat das deutsche Netto-Auslandvermögen laut Angaben der Deutschen Bundesbank kräftig zugenommen; es stehen nunmehr 546 Mrd. Euro zu Buche.

Die deutsche Wettbewerbsfähigkeit hat Anfang der 2000er-Jahre weltweit von der Euro-Schwäche profitiert. Schwach ist der Euro jetzt nicht mehr. Die Hauptursache für die anhaltend guten Zahlen im Außenhandel ist vielmehr die günstige Kostensituation deutscher Unternehmen nach den jahrelangen Rationalisierungsanstrengungen.

Deutschland erwirtschaftet im bilateralen Handel mit den drei wichtigsten Ökonomien des Euro-Raums Frankreich, Italien und Spanien jeweils einen Überschuss, der größer ist als das jährliche Handelsbilanzdefizit mit China. Normalerweise führen solche Ungleichgewichte über kurz oder lang zu Wechselkursanpassungen. Allerdings funktioniert ein solcher Mechanismus nicht in einer Währungsunion. Frankreich und Italien bleibt nichts anderes übrig, als ihre Kosten in Griff zu bekommen, indem sie die Reallöhne senken.

Die Tietmeyerschen Reserven melden sich also zurück! Für Deutschlands Nachbarn ist das keine erheiternde Perspektive für das kommende Jahr.

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