Marsh on Monday
Die Grenzen Europas

Globalisierung ist ein häufiges Schlagwort. Private-Equity-Unternehmen leben das Prinzip des grenzenlosen Wirtschaftsraums auf dem einheitlichen europäischen Finanzmarkt mit teils abenteuerlichen Fusionen und Akquisitionen aus. Doch wie lange noch?

LONDON. Wie gut funktioniert der einheitliche europäische Finanzmarkt? Nach oberflächlicher Betrachtung weist der Integrationsprozess nur Erfolge auf. Das Volumen der grenzüberschreitenden Fusionen und Akquisitionen nimmt vom Jahr zu Jahr zu. Die ausufernden internationalen Aktivitäten der Private-Equity-Unternehmen nehmen immer dynamischere – Kritiker würden behaupten: groteskere – Konturen an. Die Investmentbanken, besonders diejenigen amerikanischer Prägung, benutzen Europa als Versuchslabor, um stets anspruchsvollere, auch gewinnbringendere finanzmarkttechnische Instrumente und Praktiken auszuprobieren.

Aber halt! Gerade die weit verbreitete, aber oft überzogene Darstellung, ganz Europa sei in den Händen erbarmungsloser Finanzraubtiere, kann zu übertriebenen Gegenreaktionen führen. Ein Beispiel dafür ist die schwungvoll geführte Publicitykampagne europäischer Gewerkschaften gegen die vermeintlichen Exzesse der Private-Equity-Firmen. Sollte es der Beteiligungsbranche nicht gelingen, ihr Image kräftig aufzupolieren, steht zu erwarten, dass die europäische Politik den Weg des geringeren Widerstands einschlägt und neue Hürden für den Private-Equity-Sektor errichtet.

Auch andere Indizien weisen darauf hin, dass den Integrationsfortschritten Grenzen gesetzt werden. Laut einer Umfrage des „European Corporate Governance Advisory Service“, eines europaweiten Bündnisses von Beratungsfirmen, sind 30 Prozent der europäischen Top-Firmen durch Abwehrinstrumente vor feindlichen Übernahmen geschützt.

Die Barrieren gegen unerwünschte Machtübernahme sind besonders für in London beheimatete Banken und Finanzdienstleister, die gerne von den Regeln des freien Finanzmarkts profitieren möchten, ein Dorn im Auge. Die Abwehrmechanismen scheinen laut der Umfrage in den führenden Volkswirtschaften der Europäischen Währungsunion – Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien – besonders ausgeprägt zu sein. Die Kluft zwischen der relativen Offenheit des britischen Marktes für grenzüberschreitende Übernahmen und dem in vielen anderen europäischen Ländern praktizierten real existierenden Protektionismus ist nach wie vor gewaltig. Paradebeispiel: Eon/Enel/Endesa. Ein alarmierender Gedanke: Vielleicht ist die Hochwassermarke des europäischen Finanzmarktliberalismus bereits überschritten?

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