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Die Pannen der anderen

Richard Lambert, Geschäftsführer des britischen Industrieverbandes CBI, ist mit dem in die Kritik geratenen Chef der Notenbank, Mervyn King, hart ins Gericht gegangen: King habe sich fehlerhaftem Verhalten und ungeschickter Koordinierungsarbeit schuldig gemacht. Nun hat die konservative Oppositionspartei die Äußerungen des BDI-Chefs aufgegriffen.

HB. Richard Lambert ist ein ehrenwerter und normalerweise entgegenkommender Mann. Der Geschäftsführer des britischen Industrieverbandes CBI und ehemalige leitende Redakteur der "Financial Times" hat sich vor Jahren eines Rechenschiebers bedient, um komplizierte Finanzkalkulationen zu beherrschen. Nachdem er zum Chefredakteur des britischen Finanzblatts avancierte, wechselte er in den währungspolitischen Rat der Bank of England, bevor er letztes Jahr den CBI-Job übernahm.

Mit seinem ehemaligen Kollegen Mervyn King, dem in letzter Zeit eher glücklos erscheinenden Gouverneur der Notenbank, ist Lambert zuletzt hart ins Gericht gegangen. Letzte Woche warf Lambert King im Hinblick auf die Finanzkrise um die Hypothekenbank Northern Rock fehlerhaftes Verhalten und ungeschickte Koordinierungsarbeit vor. Die Fernsehbilder, die Bankkunden vor dem Geldhaus in Schlangen stehend zeigten, erinnern an Szenen aus einer "Bananenrepublik", sagt Lambert.

Die Äußerungen des CBI-Chefs werden nun von der konservativen Oppositionspartei aufgegriffen, um angebliche Konstruktionsfehler bei der vor zehn Jahren von der Labour Regierung geschaffenen Struktur der Bankenaufsicht aufzuzeigen.

Eine zunehmende Politisierung der Bankenkrise ist unumgänglich. Vor 15 Jahren unter dem Premierminister John Major haben die Konservativen einen Großteil ihres Rufs als ökonomisch kompetente Partei verloren. Der Grund: die im September 1992 ausgebrochene Devisenmarktkrise um das aus dem Wechselkursmechanismus des Europäischen Währungssystems (EWS) gedrängte Britische Pfund. Die Krise hatte die Tory-Partei erschüttert; die Nachwirkungen bekommt die Partei noch heute zu spüren. Die EWS-Geschichte war schon der Grund für den deutlichen Wahlsieg von Labour 1997, eine politische Jahrhundertkatastrophe, von der sich die Tories längst noch nicht erholt haben.

Die heutigen Konservativen sind rachsüchtig. Die Pannen in der Bankenaufsicht liefern einen willkommenen Anlass, zielsicher auf Risse in der wirtschaftlichen Führung von Labour hinzuweisen. Ob sich der Vertrauensbruch bei den britischen Banken so lange anhält wie der Zweifel an der Kompetenz der Konservativen, steht jedoch auf einem anderen Blatt.

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