Marsh on monday
Die Zukunft der GB plc

Die Corporate-Governance-Bestimmungen für die Nachfolgeregelung des immer noch florierenden Traditionsunternehmens GB plc bedürfen einer Neuordnung. Mit dem gegenwärtigen Zweiergespann – dem Vorstandsvorsitzenden Tony Blair und seinem langjährigen Vize John Prescott – sind die Aktionäre höchst unzufrieden. Eine tragfähige Prozedur, die beiden durch zukunftstauglichere Gestalten zu ersetzen, ist jedoch nicht vorhanden.

Bei der letzten Generalversammlung im Jahre 2005 wurde Blair von den wahlberechtigten Gesellschaftern noch großes Vertrauen ausgesprochen. Seitdem geht alles bergab. Ein gefährliches Vakuum entsteht, denn das Wahlvolk kommt turnusgemäß erst in etwa vier Jahren wieder zusammen. Dem cleveren Organisations- und Motivationstalent Blair ist es zwar gelungen, den GB-Konzern weiterhin auf Modernisierungskurs zu halten. Aber durch peinliche Pannen hat er erheblich an Glaubwürdigkeit eingebüßt.

Im Zuge eines falsch eingeschätzten Übernahmegefechts im Mittleren Osten hat Blair – im Verbund mit einem weit machtvolleren Partnerunternehmen aus Amerika – viele Punkte verloren. Seine ausgesprochene Nähe zur Großindustrie schwächt seinen Rückhalt beim arbeitnehmernahen Flügel der Gesellschafter. Einige seiner Freunde aus Finanz-, Industrie- und Anwaltskreisen haben sich durch Vetternwirtschaft in gut gepolsterte Posten im pompösen Aufsichtsorgan House of Lords gehoben. All dies reduziert die Wertorientierung der Firma.

Bei John Prescott ist die Lage noch schlimmer. Seine ausgesprochenen Führungsdefizite, kombiniert mit einer heftig kommentierten Liebesaffäre mit seiner Vorzimmerdame, haben ihn der Lächerlichkeit preisgegeben. John Reid, eigentlich im Vorstand für operative interne Fragen zuständig, hat durch publizitätswirksame Sicherheitskontrollen auf allen Unternehmensflügen stark an Profil gewonnen. Der echte Nachfolgekandidat, Finanzvorstand Gordon Brown, ist in Vaterschaftsurlaub und meldet sich seit Wochen nicht mehr.

Sollten keine Verbesserungen eintreten, dann drohen den Aktionären hohe Verluste. Noch rätselt man über Blairs weitere Absichten. Nach seiner schillernden Karriere als Unternehmensführer könnte er unter Druck geraten, in die internationale Politik zu wechseln, um noch bedeutendere Entscheidungen zu beeinflussen.

David Marsh ist Berater und Banker in London

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