Marsh on Monday
Es fehlt die Logik

Bislang galt als Sinn der Private Equity-Branche, dass Unternehmen von den Aktienmärkten genommen und durch gewonnene Handlungsspielräume höhere Gewinne eingefahren werden. Diese Entwicklung wird nun teils exakt umgekehrt.

Die Tendenz der Private Equity-Firmen, Börsengänge für ihre eigenen Fonds anzustreben, müssen Privat-Anleger mit Skepsis betrachten. Lange Zeit haben die meistens stark angelsächsisch geprägten privaten Beteiligungsunternehmen mit einer gewinnenden Botschaft hausiert: Traue börsengehandelten Unternehmen nicht!

Der Geschäftserfolg der Private Equity-Branche, so wird von deren Wortführern behauptet, lasse sich überwiegend auf die Fähigkeit zurückführen, Gesellschaften von der Börse zu nehmen und als private Firmen zu managen. Von den Beschränkungen des Aktienmarkts befreit, sind solche Unternehmen finanziell und operativ weitaus flexibler und können ihre Profitabilität deutlich steigern.

Jetzt die Kehrtwende. Um noch mehr Anleger zu erreichen, wird das bisherige Argument der Private Equity-Leute auf den Kopf gestellt. Gelistete Private Equity Unternehmen sollen jetzt durchaus in der Lage sein, die Ersparnisse privater Anleger zu vermehren. Der Private Equity-Bock wird zum Public Equity-Gärtner gemacht.

Dabei werben sie noch immer mit der gleichen Argumentation. Ein aktuelles Beispiel ist die mögliche Übernahme des britischen Traditionsretailers Sainsbury. Eine Reihe von Private Equity Unternehmen hat einen Blick auf die Einzelhandelskette geworfen und bereits angekündigt, dass sich zusätzlicher Wert durch ein so genanntes „Taking Private“ (Rückzug vom Aktienmarkt) schaffen ließe. Ähnliche Argumente werden von Private Equity Fonds ins Feld geführt, die die britische Apotheken- und Großhandelsfirma Allied Boots von der Börse nehmen wollen.

Anleger sind nun aufgefordert, sich von dieser Widersprüchlichkeit nicht beirren zu lassen und weiter an die alles heilende Kraft des Private-Equity-Kapitalismus zu glauben. Notierte Unternehmen, denen es nicht gelungen ist, eine vernünftige Kursentwicklung zu erreichen, werden mit Kursaufschlag gekauft und ins „Privatleben“ überführt. Wenn Retail-Investoren aufgefordert sind, einen Fonds mit Beteiligungen an solchen Unternehmen zu erwerben, dann müssen sie glauben, dass solche Portfolio-Unternehmen außerhalb der Börse automatisch erfolgreicher operieren können, als gelistete. Eine schwer begründbare Annahme. Mit Vorsicht zu genießen!

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