Marsh on Monday
Flügelkampf in der City

In Großbritannien beginnt gerade ein finanzpolitischer Kampf um die Zukunft der Konservativenpartei. In früheren Jahrzehnten stellten die Konservativen die natürliche Regierungspartei auf der Insel dar, jetzt sind sie seit mehr als zehn Jahren in der Opposition. Die Auseinandersetzung zwischen den diversen Flügeln wird sich eben so intensiv in der Londoner City wie draußen im Lande abspielen.

Der ehemalige Schatzkanzler Gordon Brown, der im Juni Tony Blair als Premierminister beerbt hat, steht in den Umfragen wegen seiner wirtschaftspolitischen Kompetenz besser als erwartet da. Sollte der jugendlich-charmante aber nicht fest im Sattel sitzende Konservativenführer David Cameron die Herzen der City nicht zurückerobern, dann hat er keine Chance, 10 Downing Street aus nächster Nähe kennen zu lernen.

Zwei Tory-Abgeordnete spielen im Londoner Flügelkampf eine außerordentliche Rolle. Der eine heißt John Redwood war früher Berater von Margaret Thatcher, danach Kabinettsminister unter ihrem Nachfolger John Major und ist Vorsitzender einer erfolgreichen Ingenieurfirma, die Private Equity Firmen gehört. Redwood hat gerade einen ambitiösen Strategieplan vorgelegt, der mit Deregulierungsansätzen und Steuersenkungen für David Cameron eine neue ökonomische Offensive ist. Der andere ist Boris Johnson, ehemaliger Journalist, eine Art Clown mit gemischten politischen Ansichten. Ihn will Cameron bei der 2008 stattfinden Wahl um das Amt des Londoner Bürgermeisters als Tory-Gegenspieler zum populären Labour-Mayor Ken Livingstone einsetzen. Redwood und Johnson sind Menschen, die polarisieren. Gerade dies muss Cameron tun, um seiner Partei Profilschärfe zu gewähren.

Um Resonanz unter den City-Mächtigen zu erzielen, muss aber die Cameron-Kampagne noch mehr fundierte Überzeugungskraft haben. Die jüngste Statistik zur Parteienfinanzierung zeigt, dass sich Labour im zweiten Jahresquartal bei Geldgebern aus der City relativ erfolgreich gegenüber den Konservativen behauptet hat. Brown steht weiterhin in der Gunst vieler Investmentbanker und Wagniskapitalisten. Um sich ihm gegenüber zu behaupten, muss Cameron klar machen, dass er die Belange der Finanzmarktleute ernst nimmt und ihnen etwas zu bieten hat.

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