Marsh On Monday: Freude am Untergang

Marsh On Monday
Freude am Untergang

Das englische Pfund hat seit November mehr als sechs Prozent an Wert verloren. Verlangsamtes Wirtschaftswachstum, Wettbewerbsschwächen sowie ein gestiegenes Handelsbilanzdefizit führten zu einer konjunkturellen Schwächephase und zum Ende der Schatten-Euromitgliedschaft. Doch ob Großbritannien der Währungsunion beitritt ist mehr als fraglich.
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HB. Lange Zeit sah es so aus, als ob das Vereinigte Königreich Anfang des Jahrhunderts klammheimlich (vielleicht um gerade die Euro-Skeptiker im Lande nicht auf die Barrikaden zu treiben) der europäischen Währungsunion beigetreten wäre. Bis zum letzten Herbst hielt sich der Pfund-Kurs während mehr als vier Jahre relativ konstant in der Nähe von Euro 1,47. Die Verschuldung der öffentlichen Hand sowie das Haushaltsdefizit blieben dezent unterhalb der Marke der Maastrichter-Kriterien. Aufgrund der guten Wirtschaftsleistung konnte Gordon Brown, Schatzkanzler unter Tony Blair und seit letztem Sommer dessen Nachfolger, lange Jahre gegenüber den Euro-Teilnehmern eine Politik der gehobenen Zeigefinger treiben. Seine Devise: Wenn nur die anderen armen Europäer ihre Volkswirtschaften nach dem britischen Modell richteten, wäre die Welt in Ordnung.

Jetzt gehört die Schatten-Euromitgliedschaft der Vergangenheit an. Seit November hat das Pfund mehr als sechs Prozent an Wert verloren. Die auffallendste Schwächephase, seit dem sich Großbritannien im September 1992 vom Europäischen Währungssystem verabschieden musste. Gründe dafür gibt es genug: Verlangsamtes Wirtschaftswachstum, Wettbewerbsschwächen, ein gestiegenes Handelsbilanzdefizit. Dazu politisches Missmanagement bei der Affäre um die angeschlagene Hypothekenbank Northern Rock.

Aber beklagen sich englische Reisende über schlechte Kurse für ihre Urlaubswährung? Sind britische Unternehmen über die abrupten Wechselkursschwankungen verunsichert? Werden die Politiker die Chance wahrnehmen, in den kommenden Jahren der Währungsunion tatsächlich beizutreten?

Die Antwort auf alle drei Fragen: ein dickes Nein. Die britischen Touristen, die im Januar unterwegs sind, sind so wohlhabend, dass sie sich nicht sonderlich um den Sterling-Wertverfall scheren müssen. Die Unternehmen freut die Abwertung, denn dadurch werden ihre Margen schlagartig höher. Die Politiker denken gar nicht daran, den Status Quo zu ändern. Er gewährt der Insel - besonders wenn sich die Wirtschaftslage noch weiter verschlechtert - die Flexibilität, den Pfundkurs noch weiter rutschen zu lassen - damit die Konjunktur richtig mal aufgepeppt wird.

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